Loveparade: Verantwortliche schieben Schuld hin und her

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Zwei Tage nach der Massenpanik stieg die Zahl der Todesopfer auf 20.

Duisburg - Nach dem Desaster bei der Duisburger Loveparade schieben die Beteiligten zunehmend die Schuld hin und her. Zwei Tage nach der Massenpanik stieg die Zahl der Todesopfer auf 20.

Im Zentrum heftiger Kritik steht Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Einen Rücktritt lehnte der CDU-Politiker bisher allerdings ab.

Wie die “Kölnische Rundschau“ berichtete, unterschrieb Duisburgs OB Sauerland die ordnungsbehördliche Erlaubnis für die Loveparade erst kurz vor Beginn um 9.00 Uhr. In einem Artikel der Zeitung heißt es: “Noch am Freitag wurde in verschiedenen Sitzungen über das Sicherheitskonzept debattiert, wobei die Duisburger Berufsfeuerwehr und Polizisten nochmals deutlich machten, dass die Großveranstaltung so nicht stattfinden kann.“ Sauerland sagte der “Rheinischen Post“ (Dienstag), er habe nichts von Sicherheitsbedenken vor Beginn der Loveparade gewusst.

Die Aufarbeitung des Unglücks wird unterdessen mehr und mehr zum Politikum. Bundespolitiker forderten den Rücktritt der Verantwortlichen. “Nach dieser Katastrophe sind politische und persönliche Konsequenzen unausweichlich“, sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl (CSU), dem “Handelsblatt“ (Dienstag).

Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, plädierte in der “Neuen Osnabrücker Zeitung“ dafür, die Verantwortung für die Sicherheit bei Großveranstaltungen künftig bei den Innenministerien anzusiedeln. “Das Sicherheitskonzept für Massenveranstaltungen ist derart anspruchsvoll, dass es nicht allein in den Händen einer Stadtverwaltung liegen darf“, sagte Wendt. Die Risiken einer Großveranstaltung mit Hunderttausenden Menschen seien von einer städtischen Ordnungsbehörde oder dem Rat einer Kommune nicht zu überschauen. Auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte am Montagabend erklärt, bei Großveranstaltungen müsse die Verantwortung beim Innenministerium liegen.

Loveparade-Organisator Rainer Schaller wehrte Kritik gegen ihn ab - und verwies auf die Polizei. Das Unglück sei womöglich durch eine Anweisung der Beamten ausgelöst worden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Polizei habe die Anweisung gegeben, alle Schleusen vor dem westlichen Tunneleingang zu öffnen, obwohl Überfüllung drohte. Das Gelände war für den Ansturm der Massen nicht ausgelegt, ein Tunnel wurde zur Todesfalle.

Trauer um die Toten der Loveparade

Bilder: Trauer um die Toten der Loveparade

Eine 21-Jährige aus Deutschland erlag am Montagabend ihren Verletzungen. Insgesamt sollen sich am Samstag mehr als 500 Menschen Verletzungen zugezogen haben. Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt. Auf Seiten der Polizei wurden die Ermittlungen von der Duisburger Behörde auf die Polizei in Köln übertragen - um sich nicht dem Verdacht der Befangenheit auszusetzen.

Die Polizei in Duisburg hatte einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag) zufolge bereits früh Bedenken am Sicherheitskonzept geäußert. Damit sei die Polizei aber auf politischen Widerstand gestoßen. Vor allem der mittlerweile in Ruhestand befindliche Polizeipräsident Rolf Cebin soll Ärger auf sich gezogen haben. Wie die “SZ“ berichtet, verlangte der Duisburger CDU- Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Thomas Mahlberg sogar die Absetzung des damaligen Polizeipräsidenten Cebin.

Massenpanik auf der Loveparade

Bilder: Massenpanik auf der Loveparade

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in NRW, Frank Richter, sieht vor allem die Stadtverwaltung in der Verantwortung. “Die Genehmigungsbehörde ist letztendlich dafür zuständig. Die kritischen Stimmen gab es von der Polizei. Trotz alledem hat man darauf bestanden, das in dieser Art und Weise durchzuführen“, sagte er am Montagabend im Fernsehsender Phoenix.

Der Chef des Kulturhauptstadt-Projekts Ruhr.2010, Fritz Pleitgen, verteidigte indes die Organisatoren der Loveparade. “Bei der Entscheidung von Adolf Sauerland und den anderen Verantwortlichen wird Sicherheit höchste Priorität gehabt haben“, sagte Pleitgen der “Frankfurter Rundschau“ (Dienstag). “Aber offensichtlich ist nicht alles bedacht worden, sonst hätte es nicht zu dieser Katastrophe kommen können.“

Der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach, zeigte sich im “Handelsblatt“ verärgert darüber, dass die Veranstalter bisher kaum zur Aufklärung der Tragödie beigetragen hätten. “Es ist mehr als überraschend, dass die Verantwortlichen nicht einmal naheliegende Fragen beantwortet haben“, sagte der Unionspolitiker. Offenbar versuche jeder, “anderen den Schwarzen Peter zuzuschieben“.

dpa/DAPD

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