Medienberichte: Milli Görüs verteidigt Kirche

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Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs verteidigt die katholische Kirche gegen vermeintlich unfaire Berichterstattung deutscher Medien.

Kerpen - Die vom Verfassungsschutz beobachtete "Islamische Gemeinschaft Milli Görüs" hat die katholische Kirche im Missbrauchs-Skandal entschieden gegen beleidigende Medienberichte verteidigt.

Kritik an vermeintlich unfairer Berichterstattung deutscher Medien über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche kommt jetzt von islamischer Seite: Auf der offiziellen Homepage der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) wurde ein Kommentar veröffentlich, der eine "einseitige und beschränkte Kritik" an der katholischen Kirche scharf kritisiert.

Wie Milli-Görüs-Autor İlhan Bilgü schreibt, sei es "allzu billig, die Kritik an derlei Vorfällen nur auf die katholische Kirche zu reduzieren und die katholischen Einrichtungen der Ermöglichung oder Förderung von sexuellem oder physischem Missbrauch zu bezichtigen."

Der Milli-Görüs-Kommentator will sich keinesfalls als Fürsprecher des katholischen Glaubens verstanden wissen - allerdings wendet er sich gegen eine Beleidigung religiöser Gefühle. Unmißverständlich heißt es auf der Homepage von Milli Görüs:

"Man mag der katholischen Lehre nicht zustimmen, sich gegen sie stellen. Doch ist das beileibe kein Freibrief für die umstandslose Beleidigung und Verletzung eines großen Teils der Gesellschaft. Umso geistloser ist die vermeintliche Kritik der betreffenden Zeitschriften, die nicht nur Katholiken, sondern auch Angehörige anderer christlicher Konfessionen und nicht-christliche Religionsgemeinschaften betrifft."

Kommentator Bilgü kritiiert in diesem Zusammenhang vor allem die Titelbilder der Magazine "Spiegel" und "Titanic". Das Hamburger Nachrichtenmagazin hatte im Februar unter dem Titel "Die Scheinheiligen" einen Mann im Kardinalsgewand gezeigt, dessen linke Hand ein Buch hält und dessen rechte Hand im Talar zum Geschlechtsteil greift. Das "Titanic"-Titelbild der April-Ausgabe zeigte den Hinterkopf eines Geistlichen auf Höhe der Leistengegend einer errötenden Jesusfigur am Kreuz - eine unmißverständliche Anspielung auf Oralverkehr. Derartige Darstellungen verurteilt der IGMG-Autor:

"Zwei Beispiele für diese einseitige und beschränkte Kritik sind die Titelbilder der Zeitschriften „Der Spiegel“ und „Titanic“. Die mehr als geschmacklos und anstößigen Titelbilder dürften auch Muslimen missfallen."

Diese beiden Titelbilder seien "eine andere Form des Missbrauchs".

Der IGMG-Kommentator weist außerdem darauf hin, dass es  Missbrauchsfälle "nicht nur in kirchlichen, sondern auch in ,säkularen' Einrichtungen" gab. Dennoch spart İlhan Bilgü nicht mit Kritik am Vorgehen der Kirche im Missbrauchs-Skandal. Er meint:

"Was der katholischen Kirche aber angehängt werden kann, ist, innerhalb der Kirche bekannt gewordene Fälle auch innerkirchlich zu regeln, anstatt sie den außerkirchlichen Behörden mitzuteilen."

Bilgü kritisiert zudem, dass Papst Benedikt XVI. sich in seinem jüngsten Hirtenbrief zu den Fällen sexuellen Missbrauchs in der Kirche "recht spät und nur halbherzig zu den Vorfällen äußerte".

Allerdings betont der Kommentator auch:  

"Bei den Worten des Papstes handelt es sich – zumindest dem Wortlaut zufolge – um eine institutionelle Selbstkritik; ein Ansatz, der von der billigen Kritik zweier dem Geschmack ihrer Leser verpflichteten Zeitschriften unterschieden werden sollte."

fro

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