Lehrer hielten Schülerin als sexuelle Gespielin

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An der Odenwaldschule im hessischen Heppenheim sind weitere Missbrauchsfälle bekannt geworden. Am Wochenende hätten sich vier weitere ehemalige Schüler gemeldet.

Frankfurt - Der Missbrauchskandal an der Odenwaldschule weitet sich aus. Offenbar gab es an der Reformschule in Heppenheim auch Übergriffe auf Mädchen.

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Das berichtet die "Frankfurter Rundschau". In einem Fall sollen sich demnach zwei Lehrer ein Mädchen als sexuelle Gespielin “geteilt“ haben. “Es ging da in all den Jahren sehr freizügig zu“, wurde der frühere Schüler zitiert. In mehreren Fällen sollen Lehrer ihre jugendlichen Geliebten später geheiratet haben. Die Schule wollte am Montag um 15.00 Uhr auf einer Pressekonferenz über neue Erkenntnisse berichten. Ein weiterer Absolvent der Odenwaldschule berichtete in der “Frankfurter Rundschau“ von einer “Anti-Spießer-Hysterie“, welche die Übergriffe in den 70er und 80er Jahren erst möglich gemacht habe. Wer seinerzeit etwas bemerkt und gesagt habe, sei “sofort als Spießer geächtet worden - das war grauenhaft“, wurde er zitiert. Eine unabhängige Kontrollinstanz habe es nicht gegeben.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

Im Grunde hätte die Schulleitung eingreifen müssen, dort aber habe der Rektor gesessen, also derjenige, der die systematischen Übergriffe erst möglich gemacht habe. “Und da keine Krähe der anderen ein Auge aushackt, konnte dem niemand Einhalt gebieten“, wurde der Altschüler zitiert. Sämtliche Vorwürfe sind nach bisherigem Kenntnisstand strafrechtlich verjährt. Allerdings erwägen Altschüler laut “Frankfurter Rundschau“, eine Verwaltungsklage anzustrengen, um auf diese Weise Versäumnisse der hessischen Landesregierung aufzudecken. Hintergrund sind Vorgänge aus dem November 1999, als die Zeitung nach eigener Darstellung erstmals über den jahrelangen Missbrauch durch den früheren Schulleiter berichtete.

Insgesamt sollen bis zu 100 Schüler betroffen sein

Am Wochenende war bekannt geworden, dass an der renommierten Schule für Reformpädagogik zwischen 1970 bis 1985 bis zu 100 Schüler von dem Schulleiter und mindestens drei Lehrern missbraucht worden sein sollen. Die seit 2007 amtierende Leiterin Margarita Kaufmann sagte am Sonntag dem DAPD, zur Aufklärung der Fälle würden nun alle früheren Schüler in einem Schreiben aufgefordert, über solche Vorfälle zu berichten. Ehemalige Schüler berichteten der Zeitung davon, dass sie als “sexuelle Dienstleister“ für ganze Wochenenden eingeteilt und zu Oralverkehr gezwungen wurden. Einzelne Pädagogen hätten ihren Gästen Schüler zum sexuellen Missbrauch überlassen.

Schon 1999 hatten zwei frühere Schüler den ehemaligen Schulleiter des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Das Ermittlungsverfahren war aber wegen Verjährung eingestellt worden. Kaufmann sagte der “Frankfurter Rundschau“: “Es war eine Unterlassung und ein grober Fehler, dass die Schule damals nicht nachgeforscht hat.“ Die Odenwaldschule ist in freier Trägerschaft und hat seit den 60er Jahren den Status einer UNESCO-Modellschule. Derzeit hat sie gut 200 Schüler. Besonderheiten sind das Lernen inmitten der Natur, die Möglichkeit, neben dem Abitur auch berufliche Abschlüsse zu erwerben sowie das Leben in Kleingruppen: Diese werden als “Familien“ bezeichnet, “Familienoberhaupt“ ist der Klassenlehrer. Eine Klasse besteht aus 16 bis 17 Schülern. Die Jahresgebühr für das laufende Schuljahr gibt die Schule mit 26.640 Euro an.

dapd

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