170 Missbrauchsopfer des Jesuitenordens bekannt

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Berlin - Rund zehn Wochen nachdem erste Missbrauchsfälle in Bildungseinrichtungen des Jesuitenordens bekanntgeworden sind, steigt die Zahl der Opfer noch immer an.

Bundesweit seien ihr mittlerweile rund 170 Opfer bekannt, sagte die von dem Orden beauftragte Anwältin Ursula Raue in Berlin der Deutschen Presse-Agentur dpa. Darunter seien 59 ehemalige Schüler des Berliner Canisius-Kollegs.

Sie habe außerdem erfahren, dass es im Jesuitenorden bundesweit auch in den 50er und 60er Jahren Missbrauch durch Patres gegeben haben soll. Die genaue Zahl der bisher beschuldigten Täter nannte sie jedoch nicht.

Das Canisius-Kolleg hatte Ende Januar die ersten Missbrauchsfälle öffentlich gemacht. Zwei Patres sollen in den 70er und 80er Jahren Schülern Gewalt angetan haben. Seitdem weitete sich der Skandal auch bundesweit immer weiter aus. Immer mehr Menschen, die in ihrer Kindheit auch in nicht katholischen Schulen und Internaten missbraucht worden sind, traten an die Öffentlichkeit. Im März hatte Raue noch von 61 Opfern nur des Canisius-Kollegs gesprochen. Die Zahl habe sie nun jedoch etwas nach unten korrigieren müssen, sagte sie.

“Für mich ist das Thema Missbrauch zwar nicht neu“, sagte Raue, die lange für die Hilfsorganisation Innocence in Danger tätig war. “Dennoch übersteigt die aktuelle Entwicklung die Vorstellungen, die man vorher davon hatte.“ Die Expertin befürwortet dennoch, dass das Thema Missbrauch derzeit so eine große Öffentlichkeit erfährt. “Das war eines der letzten gesellschaftlichen Tabu-Themen. Dass jetzt darüber geredet wird und dass wahrgenommen wird, welche Verletzungen es dadurch geben kann, finde ich gut und wichtig.“

Die Aufklärung der Fälle im Jesuitenorden wird laut Raue noch dauern. “Ich habe schon viele Akten eingesehen, aber noch lange nicht alle“, sagte sie. In den Unterlagen forscht sie beispielsweise nach Hinweisen, dass Missbräuche schon früh bekannt waren, vom Orden aber verschwiegen wurden. “Ich versuche das Material zu ordnen und zu sortieren.“ Sie hoffe, so unter anderem mehr Informationen zu den Tätern zu bekommen.

dpa

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