Mordfall El-Sherbini: Strafbefehl gegen Frau

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Dresden - Der Präsident und ein Richter des Landgerichts Dresden haben sich im Fall der ermordeten Ägypterin Marwa El-Sherbini nichts zuschulden kommen lassen.

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Die Dresdner Staatsanwaltschaft stellte ihre Ermittlungen gegen die beiden Juristen am Mittwoch mangels Tatverdachts ein. Der Ehemann der ermordeten Ägypterin hatte sie angezeigt und ihnen vorgeworfen, in dem Prozess nur unzureichend für die Sicherheit seiner Frau gesorgt zu haben. Die schwangere 31-Jährige, die als Zeugin zu dem Prozess in Dresden gekommen war, wurde am 1. Juli im Gerichtssaal von dem Russlanddeutschen Alex W. erstochen.

Jetzt geriet aber die Medienwissenschaftlerin Sabine Schiffer aus Erlangen ins Visier der Justiz. Gegen die Frau sei ein Strafbefehl des Amtsgerichts Erlangen in Höhe von 6000 Euro (60 Tagessätzen à 100 Euro) wegen übler Nachrede ergangen, teilte ein Gerichtssprecher am Mittwoch auf Anfrage mit. Schiffer habe einem Polizisten in einem Rundfunk-Interview zu Unrecht vorgeworfen, er habe den schützend eingreifenden Ehemann der Ägypterin aus rassistischen Gründen angeschossen, begründete das Gericht seine Entscheidung. 

Nach Ansicht des Gerichts gibt es dafür keinerlei Hinweise. Vielmehr habe der aus einem benachbarten Gerichtssaal herbeigeeilte Beamte in dem Ehemann den aktiveren Teil der beiden miteinander ringenden Männer gesehen. Daher habe er auf diesen und nicht auf den eigentlichen Täter geschossen.

Schiffer hat nach Angaben des Gerichtssprechers gegen den Strafbefehl Widerspruch eingelegt. Der Fall werde nun öffentlich verhandelt. Die Medienwissenschaftlerin beruft sich auf das Recht auf freie Meinungsäußerung. Einer Medienwissenschaftlerin und unabhängigen Beobachterin müsse erlaubt sein, sämtliche Beobachtungen und Überlegungen öffentlich zu äußern, die ihrer Meinung nach zur Aufklärung dieser entsetzlichen Tragödie dienlich sein könnten. Urheber unliebsamer Äußerungen dürften nicht mit Beleidigungsklagen eingeschüchtert werden.

dpa

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