Motiv des Flughafen-Attentäters: Hass auf US-Soldaten

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Frankfurt/Main - Gegen den Attentäter, der am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschossen hat, ist Haftbefehl wegen Mordverdachts erlassen worden. Es gibt zudem erste Hinweise auf das Motiv der Bluttat.

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Das Motiv für den Attentäter vom Frankfurter Flughafen ist offenbar Hass auf US-Soldaten. Laut eines Lageberichts des Landeskriminalamts (LKA) Hessen, der dem ARD-Magazin “Panorama“ vorliegt, hat Arid Uka in einer ersten Vernehmung angegeben, dass er im Internet auf ein Video mit “schlimmen Bildern“ von amerikanischen Militärs gestoßen sei. Das Video zeige, wie US-Soldaten in Afghanistan ein Haus plünderten und ein Mädchen vergewaltigten.

Nachdem er das Video gesehen hatte, habe er “die ganze Nacht nicht schlafen können“. Zudem will der 21-Jährige beobachtet haben, wie US-amerikanische Soldaten sich am Frankfurter Flughafen verächtlich über die afghanische Bevölkerung geäußert hätten. Das Video und dieses Verhalten der Soldaten seien “der Impuls für ihn gewesen, insbesondere nach Afghanistan ausreisende US-Soldaten zu töten“.

Tödliche Schießerei am Frankfurter Flughafen

Tödliche Schießerei am Frankfurter Flughafen

Nach eigener Aussage hat Arid Uka während des Angriffs auf die US-Soldaten “sechs bis sieben Mal deutlich “Allah Akbar“ gerufen“ und dann auf die US-Militärangehörigen geschossen. Die Tatwaffe und 24 Schuss Munition habe er nach eigener Aussage vor ein paar Monaten für 1000 Euro gekauft. Bei der gleichen Vernehmung soll er angegeben haben, Muslim zu sein, wie “Panorama“ weiter berichtet.

Generalbundesanwältin Monika Harms übernahm am Donnerstag das Verfahren und beauftragte das Bundeskriminalamt und das Frankfurter Polizeipräsidium mit den Ermittlungen. Für Freitag kündigte die oberste Anklagebehörde in Karlsruhe eine Pressekonferenz an. Dort wurde der geständige Mann am Donnerstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt. Dieser erließ am Abend Haftbefehl wegen zweifachen Mordes sowie versuchten Mordes in drei Fällen und gefährlicher Körperverletzung. Auch die Bundesanwaltschaft erklärte: “Aufgrund der Tatumstände besteht der Verdacht, dass es sich bei dem Attentat um eine islamistisch motivierte Tat handelt.“

Ladehemmung der Pistole verhütetet noch Schlimmeres

Der 21-Jährige hat nach den Worten des hessischen Innenministers in einem Postzentrum am Flughafen gearbeitet und war zuvor nie auffällig geworden. Die Auswertung seines Computers liefere aber Anzeichen dafür, dass er sich in den letzten Tagen stark radikalisiert habe. So habe er sich in einem sozialen Netzwerk vor kurzem den islamistischen Kampfnamen “Abu Rejjan“ zugelegt.

Rhein kündigte auch Bemühungen um ein Verbot der muslimischen Dawa-Gruppe an, die mit einem Hassprediger zusammenarbeite. Denn über deren Internetseiten habe sich der Tatverdächtige offenbar radikalisiert. Nach Informationen des ARD-Magazins “Panorama“ und von “Spiegel Online“ soll er in der Vernehmung durch die Polizei angegeben haben, Hass auf US-Soldaten entwickelt zu haben, nachdem er im Internet ein Video über die Vergewaltigung von Musliminnen durch US-Soldaten gesehen habe. Derartige Videos werden nach Polizeiangaben auf islamistischen Webseiten als Propagandamittel eingesetzt.

Bei seinem Angriff habe er die Opfer zunächst angesprochen, um sich zu vergewissern, dass es sich um GIs handele. Die Pistole habe er sich illegal besorgt, sie habe nach einigen Schüssen Ladehemmung aufgewiesen, so dass er floh und wenig später im Flughafenterminal überwältigt werden konnte. “Möglicherweise wurde dadurch noch Schlimmeres verhindert“, sagte der Minister.

Nachbarn sprechen von Einzelgänger

Nachbarn schilderten den seit Jahren mit seinen Eltern und einem Bruder in Frankfurt lebenden Arid U. als Einzelgänger. Eine Anwohnerin sagte, er habe angespannt gewirkt, als er am Mittwoch gegen 14.00 Uhr aus dem Haus gegangen sei. Laut Rhein ist der aus dem Kosovo stammende Mann auch in Frankfurt auf die Schule gegangen. Eine Nachbarin aus dem Haus sagte der Nachrichtenagentur dapd, er sei mit einem seit Juni 2010 inhaftierten Islamisten befreundet, dem Deutsch-Syrer Rami M., der früher im selben Haus gewohnt habe. Der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) versicherte, die deutschen Sicherheitsbehörden täten alles, um die Tat aufzuklären und arbeiteten dabei eng mit den zuständigen US-Dienststellen zusammen. Nach jetziger Erkenntnis sei keine bundesweite, flächendeckende Erhöhung der polizeilichen Präsenz nötig.

Die Bundespolizei hat nach dem Anschlag ihre Präsenz am Frankfurter Flughafen erhöht. Der Sprecher der Bundespolizei am Flughafen, Armin Thiel, sagte auf dapd-Anfrage, auch gingen die Sicherheitskräfte jetzt mit Schutzweste und Maschinengewehr auf ihre Rundgänge.

dapd

Rubriklistenbild: © dapd

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