Nach Massencrash auf A19: Krankenhäuser richten Krisenstäbe ein

Güstrow/Rostock - Nach dem Massenunfall auf der A19 bei Rostock-Laage haben Krankenhäuser in Güstrow und Rostock  Krisenstäbe eingerichtet. Rettungskräfte befürchten, in den ausgebrannten Autos weitere Opfer zu finden.

Die schwerste Massenkarambolage der vergangenen 20 Jahre in Deutschland hat am Freitag auf der Autobahn Berlin-Rostock mindestens acht Menschen das Leben gekostet. Nach dem Unfall in einem Sandsturm lag ein ausgebrannter Lastwagen am Abend noch auf einem Auto, so dass sich die Zahl der Toten nach Angaben eines Polizeisprechers noch erhöhen könnte. Etwa 110 Menschen waren direkt an dem Unfall beteiligt. Viele von ihnen wurden verletzt, die genaue Zahl ist unbekannt.

Krankenhäuser in Güstrow und Rostock haben nach dem Massenunfall am Freitag auf der A 19 bei Rostock-Laage umgehend reagiert und Krisenstäbe eingerichtet. Das Personal sei verstärkt, Ärzte und Schwestern seien zurückgeholt worden, sagte ein Sprecher der Güstrower KMG-Klinik. Das laufende OP-Programm sei wegen des Zwischenfalls auf die aktuellen Erfordernisse umgestellt worden.

Massenkarambolage im Sandsturm auf A19

Massenkarambolage im Sandsturm auf A19: Viele Tote

In Güstrow wurden zunächst 23 Verletzte eingeliefert, drei davon kamen auf die Intensivstation. An der Rostocker Uniklinkum wurde zwischenzeitlich ebenfalls das Personal aufgestockt. In die Klinik kamen nach Angaben eines Sprechers anfangs weniger Verletzte als von der Polizei angekündigt.

Nach der Massenkarambolage ist die Fahrbahn in Richtung Berlin geräumt. Etwa zwei Dutzend Unfallautos wurden mit Abschleppautos abtransportiert. Die Autobahn bleibe dennoch weiterhin gesperrt, sagte ein Polizeisprecher. Auf der Fahrbahn Richtung Rostock sei damit begonnen worden, die ausgebrannten, teilweise ineinander verkeilten Lkw und Pkw voneinander zu trennen.

Sandsturm behindert Bergungsarbeiten

Der Sandsturm erschwert die Bergungsarbeiten. Zwei Tankwagen vom nahegelegenen Gut Dummerstorf besprühten zwar das frisch gepflügte Feld nahe der Autobahn mit Wasser. Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 Kilometern pro Stunde wirbelten dennoch so viele Sandkörner auf, dass Rettungskräfte zeitweise nur mit Schutzbrille und Mundtuch arbeiten konnten.

Die Fahrer der Tankwagen wollten das Feld bis zum Einbruch der Dunkelheit weiter bewässern. Sie seien etwa eineinhalb Stunden nach dem Unfall, der sich gegen Mittag nahe der Anschlussstelle Rostock-Laage ereignete, vom Rettungsdienst um Hilfe gebeten worden, sagte ein Mitarbeiter des Gutes Dummerstorf. Pro Tankladung würden zehn Kubikmeter Wasser versprüht. “Sie sehen aber, es hilft nicht viel“, sagte der Fahrer.

Die Autobahn Richtung Rostock wird voraussichtlich noch bis tief in die Nacht, eventuell noch bis zum Morgen gesperrt sein. Mit der Öffnung der Fahrbahn Richtung Berlin sei eher zu rechnen. Am Abend wurden Lastwagen mit riesigen Leuchtern herangefahren, damit die Bergung der Wracks fortgesetzt werden kann. Die Autobahn sei taghell beleuchtet, hieß es.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zeigte sich schockiert über die Massenkarambolage. Der Politiker sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Beileid und tiefes Mitgefühl aus und erklärte mit Blick auf die Unglücksursache: “Das zeigt, selbst höchsten Anstrengungen bei der Verkehrssicherheit werden durch solche extremen Naturgewalten Grenzen gesetzt.“

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sagte: “Das ist ein schreckliches Unglück, mit so vielen Toten und Verletzten. Ich hoffe sehr, dass es gelingt, schnell zu helfen. Mein Dank gilt allen Feuerwehrleuten, den Rettungskräften und all den anderen Helfern“, erklärte der Schweriner Regierungschef.

DRK richtet Hotline für Angehörige ein

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat inzwischen eine Auskunftsstelle für Angehörige der Opfer eingerichtet. Sie ist unter der Nummer 0385-5914777 zu erreichen, wie die Behörden am Freitag mitteilten. Die Stelle informiert bei allen Fragen zu vermissten oder verletzten Menschen.

Bei dem durch einen Sandsturm ausgelösten Massenunfall starben am Freitag nach Polizeiangaben mindestens acht Menschen. Rund 60 wurden verletzt, darunter viele schwer. An der Anschlussstelle Rostock-Laage waren rund 80 Autos ineinander gefahren. Zahlreiche Fahrzeuge brannten aus.

dpa/dapd

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