Neue Grippe: Hohe Dunkelziffer

Rosenheim/Landkreis - Die Aufregung um die ersten Schweinegrippe-Fälle im Landkreis ist inzwischen abgeklungen. Mittlerweiler werden nur noch Risikopatienten auf H1N1 getestet.

Tagelang beschäftigte das Thema die Menschen, täglich wurden die aktuellen Zahlen der Infizierten veröffentlicht. Für den Herbst sagten die Experten eine Welle von H1N1-Infektionen voraus.

Mittlerweile ist die Schweinegrippe da, aber sie wird nicht als solche wahrgenommen. Viele Menschen, die derzeit unter Erkältungs-Symptomen leiden, haben wohl die Neue Grippe, werden es aber nie erfahren. Da in vielen Fällen die Krankheit recht undramatisch verläuft, werden mittlerweile nur noch Risikopatienten auf H1N1 getestet.

"Eine Erkältung und eine Infektion mit leichtem Verlauf sind von den Symptomen her kaum zu unterscheiden", erklärt Dr. Bernhard Kofler. Der Allgemeinmediziner, der in Rosenheim eine Hausarztpraxis betreibt, ist Sprecher des Forums Rosenheimer Hausärzte und Bezirksvorsitzender für Oberbayern im Bayerischen Hausärzteverband. Seiner Erfahrung nach verläuft die Mehrzahl der Fälle der Neuen Grippe relativ leicht: "Wir hatten Fälle, bei denen der Labortest positiv ausfiel, die Patienten aber nicht wirklich krank waren."

Aufgrund dieser Erfahrungen haben die Gesundheitsämter ihren Umgang mit der Neuen Grippe geändert. Im Juli wurden noch alle verdächtigen Fälle auf H1N1 getestet und es wurde versucht, auch Familie und Freunde eines Schweinegrippe-Patienten von der Umwelt zu isolieren. Eine Woche lang durften die Betroffenen ihre Wohnungen nicht verlassen.

Angesichts der steigenden Fallzahlen entschied man sich aber für eine andere Strategie. Jetzt werden nur noch bestimmte Risikogruppen wie Schwangere oder Menschen mit chronischen Erkrankungen auf den H1N1-Virus getestet, ebenso wie Menschen, die mit Risikogruppen häufig in Kontakt kommen, etwa Krankenschwestern, Ärzte oder Pflegepersonal.

Wer nicht zu einer dieser Risikogruppe gehört, sich aber trotzdem auf den H1N1-Virus testen lassen will, muss die Kosten dafür selbst tragen - zumindest wenn er gesetzlich versichert ist. Kostenpunkt für die Laboranalyse des Abstrichs: 99 Euro.

Der alternative Schnelltest - er kostet 20 Euro - ist nicht besonders aussagekräftig. "Selbst ein negatives Ergebnis schließt nicht das Vorliegen einer Erkrankung durch dass neue Virus aus", heißt es beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Ein positives Ergebnis sagt nur aus, das eine Influenza vorliegt, die H1N1-Variante lässt sich aber nicht bestimmen. Wie viele Menschen in Stadt und Landkreis Rosenheim an der Neuen Grippen erkrankt sind, lässt sich deshalb nicht sagen.

Zehnfache an Erkrankungen

Wer auf die Internet-Seite des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit schaut, kann sich täglich über die offiziellen Infektionszahlen informieren. Für den Landkreis Rosenheim waren gestern 250 Fälle gemeldet, in der Stadt Rosenheim wurden 44 Infektionen gezählt. Der Landkreis Traunstein ist mit 41 Fällen mit dabei. Doch die tatsächliche Zahl der Infektionen dürfte deutlich höher liegen. Das Robert-Koch-Institut geht von mindestem dem Zehnfachen an Erkrankungen aus.

Der Impfstoff gegen die Neue Grippe soll ab Ende Oktober verfügbar sein. Wer sich impfen lassen möchte, kann das bei seinem Hausarzt tun. Grundsätzlich soll sich nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministers Markus Söder (CSU) jeder impfen lassen können, Vorrang haben aber Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, Herz- Kreislauf-Schwäche oder Asthma. Die Impfung soll für Patienten nichts kosten. Die interne Aufteilung der Kosten zwischen den Krankenkassen und dem Bund ist allerdings noch umstritten.

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Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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