„Ich bin traurig, weil Papa nicht mehr da ist“

Drama am Nikolaustag: Vater stirbt völlig unerwartet - nur eines gibt der Familie Hoffnung

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Mutter Lydia mit ihren Söhnen Maxi, Simon und Raphael. (von hinten)
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Am Nikolaustag 2018 klagt Familienvater Carsten Steinleitner plötzlich über starke Schmerzen - am nächsten Tag ist er tot. Die Familie trauert - doch es gibt auch Hoffnung.

  • Einen Tag nach Nikolaus 2018 starb Carsten Steinleitner unerwartet an einer unerkannten Krankheit.
  • Der Vater dreier kleiner Söhne steckte grade mitten in den Vorbereitungen für den Hausbau.
  • Trotz Trauer und vieler offener Fragen ist die Familie für die große Unterstützung dankbar.

Pastetten – Es sollte ihr Traumhaus werden. Ein gemütliches Nest für sich und die drei Kinder. Lange haben Lydia und Carsten Steinleitner aus Pastetten auf ihr Eigenheim hingefiebert, die Finanzen genau durchgeplant, damit der Kredit bezahlt werden kann. Doch dann stirbt Carsten überraschend. Und seine Frau muss schauen, wie sie die finanzielle Doppelbelastung stemmen kann. „Ich hoffe so, dass wir es schaffen“, sagt Lydia Anfang des Jahres.

Und tatsächlich, viele Leserinnen und Leser des Erdinger Anzeigers, der von dem Schicksal der Familie berichtete, haben geholfen, dass die Familie aus Pastetten es schafft – mit Ihren Spenden im Rahmen des Leserhilfswerks Licht in die Herzen.

Familienvater stirbt unerwartet - Ärzte konnten ihn nicht mehr retten

Fast ein Jahr ist es her, da war das Leben der Steinleitners von einem Tag auf den anderen nicht mehr dasselbe. Es ist der 6. Dezember 2018, Nikolaustag. Carsten Steinleitner klagt urplötzlich über extreme Schmerzen. Der Krankenwagen kommt und bringt ihn nach Erding ins Klinikum. Doch die Ärzte können Carsten nicht helfen, er wird mit dem Rettungshubschrauber nach Augsburg geflogen. Schon auf dem Flug wird der 52-Jährige das erste Mal reanimiert.

Die ganze Nacht lang kämpfen die Ärzte um sein Leben. Als Lydia Steinleitner am Morgen des 7. Dezember im Krankenhaus anruft, ist er immer noch im OP. Kurz darauf klingelt das Telefon. Der Arzt sagt:„Er hat es nicht geschafft.“ Später erfährt sie, dass sich die Innenwände von Carstens Aorta aufgelöst hatten. So etwas passiere schleichend, und wenn man es bemerke, sei es meist schon zu spät.

Plötzlicher Tod des Vaters - Familie mit großen Geldsorgen - Hausbau gefährdet

Lydia Steinleitner, die kürzlich ihren 42. Geburtstag gefeiert hat, muss auf einmal nicht nur mit dem Tod ihres Mannes klarkommen. Sie muss für ihre drei Söhne Raphael (6), Simon (8) und Maxi (10) doppelt stark sein. Hinzu kommen finanzielle Probleme, die nach dem Tod ihres Mannes, der als Technical Assistance Manager Tiefgaragen und Parkplätze betreut hat, auf die Witwe zukommen.

Plötzlich steht der Kredit für das Haus auf wackligen Beinen. Schon zwei Jahre zuvor hatte die Familie den Bauplatz gekauft, kurz darauf das Fertighaus. Von der Fassadenfarbe bis zu den Böden – alles war schon ausgesucht oder bestellt. Doch der Baubeginn verzögert sich wieder, im Herbst 2018 kommt ein Baustopp hinzu.

Dank großer Unterstützung und Spenden - Dankbare Familie kann Haus bauen

Inzwischen konnte die Familie umziehen, im Juli musste sie raus aus der Mietwohnung. „Gottseidank durften wir weiter bauen“, sagt Lydia Steinleitner. Die Erleichterung ist groß, auch wenn vieles im Haus noch Baustelle ist und es noch immer große Sorgen gibt. Denn die 42-Jährige hat nach wie vor keinen Bescheid über die Witwenrente.

Umso dankbarer sie für die finanzielle Unterstützung aus dem Leserhilfswerk: „Ohne das wäre ich voll in der Bredouille.“ Lydia Steinleitner ist stark. Für sich, vor allem aber für ihre Kinder. Immer wieder gibt es schwierige Momente – beim Straßenfest im Sommer zum Beispiel, wo Pärchen gemeinsam am Grill stehen oder zusammen beim Essen sitzen. „Aber meistens geht’s ganz gut“, sagt sie tapfer.

Söhne haben schwer zu kämpfen: „Ich bin traurig, weil der Papa nicht mehr da ist.“

Zu kämpfen habe vor allem der achtjährige Simon. „Manchmal sagt er, dass er zurück in die alte Wohnung will, weil dort der Papa war“, erzählt seine Mama, die froh ist, dass ihre Kinder offen mit ihr über ihre Gefühle sprechen und auch mal sagen: „Ich bin traurig, weil der Papa nicht mehr da ist.“ Bei all der Trauer findet die Familie aber auch Trost darin, dass in ihrem Haus so viel von Carsten steckt.

Das leuchtende, fröhliche Gelb der Fassade hat das Paar noch zusammen ausgesucht. Die Schiebetür zwischen Ess- und Wohnzimmer, die Treppe aus Eschenholz, die elektrischen Rollos – all das hatte sich Carsten gewünscht. „Ich hätte das nicht gebraucht, aber heute bin ich froh, dass er sich durchgesetzt hat“, sagt Lydia Steinleitner, der auf einmal bewusst geworden ist, um wie viel sich ihr Mann eigentlich gekümmert hat. „Auf einmal musste ich alles selbst machen“, sagt die 42-Jährige. „Ich weiß jetzt, was eine Kernlochbohrung ist und wo man eine Dichtungsschlämme braucht.“

Nach Tod von Familienvater - Weitere Unterstützung von der ganzen Gemeinde

Und die Söhne, die sich jahrelang in der viel zu kleinen Wohnung ein Zimmer geteilt haben, haben jetzt ihre eigenen Reiche. Jeder hat sich den Teppichboden dafür selbst ausgesucht. „Meiner ist der weichste“, sagt Simon strahlend,

Mittlerweile arbeitet Lydia Steinleitner wieder Vollzeit, als Erzieherin in einem Kindergarten in Markt Schwaben. Die drei Jungs werden deshalb ganztags betreut – im Kindergarten, in der Mittagsbetreuung, in der Offenen Ganztagsschule. Nur so kann Lydia Steinleitner ihre Familie ansatzweise finanzieren.

Vielen Lesern der örtlichen Tageszeitung, aber auch Pastettens Bürgermeisterin Cornelia Vogelfänger und vielen weiteren Bürgern ist die Geschichte der Steinleitners sehr ans Herz gegangen. Sie haben deshalb beschlossen, ihnen ebenfalls finanziell unter die Arme zu greifen – mit 2500 Euro aus der Einstimmung in den Advent rund ums Rathaus. „Das tut so unheimlich gut“, sagt Lydia Steinleitner gerührt.

Spendenaktion hilft Familie nach Tod des Vaters: „Ich bin unendlich dankbar.“

Wie gerufen kam da auch eine Aktion der BayWa Baugefühlhelden, die Vogelfänger auf Facebook entdeckt hatte: Man konnte Menschen vorschlagen, die Hilfe bei einem Bauprojekt brauchen. Kurzerhand hat sie sich für Familie Steinleitner beworben – und wurde ausgewählt.

Die freudige Botschaft überbracht wurde bei einem Spiel des FC Bayern Basketball, wo Simon und Maxi sogar als Einlaufkinder mitmachen durften. „Das war eine richtige Überraschung, ich hatte keine Ahnung.“ Inzwischen waren die Handwerker da und haben den Garten angelegt. „Auch dafür bin ich unendlich dankbar. Wir hatten schon damit gerechnet, dass der die nächsten zehn Jahre nur aus Erdhügeln besteht.“ Denn dafür noch etwas abzwacken, „das wäre nicht drin gewesen“.

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