Odenwaldschule: Missbrauch noch nicht verjährt

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Die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule könnten möglicherweise ein gerichtliches Nachspiel haben.

Heppenheim - Der Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule könnte ein gerichtliches Nachspiel haben. In einem Fall sei die Straftat noch nicht verjährt, sagte Brigitte Tilmann.

Details könnten mit Rücksicht auf das Opfer nicht genannt werden, sagte die frühere Präsidentin des Oberlandesgerichts Frankfurt. Tilmann erstellt zusammen mit der Rechtsanwältin Claudia Burgsmüller im Auftrag des reformpädagogischen Eliteinternats einen Bericht über das Ausmaß der Übergriffe. Knapp drei Monate nach dem Bekantwerden der Fälle sucht die Schule im südhessischen Heppenheim mit einem neuen Vorstand einen Neuanfang. Erste Ergebnisse des Berichts waren am Wochenende vorgestellt worden. Demnach gab es von Ende der 1960er bis Anfang der 1990er Jahre etwa 50 missbrauchte Schüler. Unter den mutmaßlichen Tätern befänden sich auch Frauen. Opfer seien von der Schulleitung und sogar von ihren Eltern nicht ernst genommen worden.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

In dem Bericht heißt es: “Alle potenziellen Beschuldigten können jetzt schon einmal für sich ihre Lebenslügen und ihre Fehler Revue passieren lassen und sich mit der Möglichkeit von Strafverfolgung auseinandersetzen.“ Es werde aber niemand beschuldigt, der noch aktuell an der Odenwaldschule tätig ist. Im September soll eine abschließende Fassung vorliegen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt sagte, der neue Fall sei noch nicht bekannt. “Dazu sind noch Gespräche mit dem Opfer zu führen“, sagte Tilmann. In dem Bericht heißt es, eine Weitergabe der Daten an die Staatsanwaltschaft erfolge nicht automatisch.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sechs ehemalige Lehrer und einen früheren Schüler. Zu den Verdächtigen gehört auch Gerold Becker, der von 1969 bis 1985 Mitarbeiter und auch Leiter der Schule war. Er hat sich für die Übergriffe entschuldigt. Wie es in den sieben Fällen mit der Verjährung aussieht, könne “noch nicht abschließend beurteilt“ werden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Wann die Ermittlungen abgeschlossen sein könnten, sei noch offen.

dpa

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