Ossis gehen mit Neid anders um als Wessis

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Ostdeutsche gehen mit Neid anders um als Westdeutsche.

Frankfurt/Main - Eine Studie beweist: Westdeutsche gehen mit Neidgefühlen anders um als Ostdeutsche.

Während Menschen im Osten, die Deutschland als Neidgesellschaft wahrnehmen, sich eher ungerechtfertigt benachteiligt fühlen und darauf mit “empört rechtendem Neid“ reagieren, neigen Westdeutsche in solchen Fällen eher dazu, ehrgeizig stimuliert zu werden und denjenigen nachzueifern, die mehr haben. Das ist das Ergebnis einer am Freitag veröffentlichten repräsentativen Studie der Universitäten Frankfurt am Main und Leipzig zum Thema “Neid und Neidbewältigung im Deutschland “.

Deutsche nehmen „Neidgesellschaft“ wahr

Der Frankfurter Soziologie-Professor Rolf Haubl und der Leipziger Professor für Medizinische Soziologie, Elmar Brähler, befragten im Juli 2008 - also noch vor der Finanzkrise - mehr als 2.500 Menschen in Ost- und Westdeutschland. Dabei kommen sie zu dem Ergebnis, dass die Deutschen ihre Gesellschaft durchaus als “Neidgesellschaft“ wahrnehmen.

45 Prozent glauben dabei an die Leistungsgerechtigkeit: Wer mehr leistet, soll auch mehr bekommen. Wer an dieses Prinzip glaubt, erlebt sich der Studie zufolge vergleichsweise weniger neidisch und ist auch weniger darauf aus, andere neidisch zu machen. Das sind insbesondere Menschen mit höherer Bildung. “Die gesellschaftliche Wirklichkeit bleibt allerdings hinter den beiden regulativen Prinzipien Chancengleichheit und Leistungsgerechtigkeit immer wieder zurück - und das fördert den Neid insbesondere bei Deutschen mit einem geringeren Bildungsstatus“, erklärt Haubl.

Demnach haben Privilegierte ein Interesse daran, die Forderungen von Unterprivilegierten als Sozialneid darzustellen und auch so zu erleben. Dagegen sehen Unterprivilegierte ihre Position als Forderungen nach mehr sozialer Gerechtigkeit und empfinden auch so.

Frauen reagieren eher passiv-traurig auf Neidgefühle

Die beiden Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Neid nicht nur “feindselig schädigend“ ist, sondern etwa auch “ehrgeizig stimulierend“, “empört rechtend“ oder auch “depressiv lähmend“ sein kann.

Menschen wählen nach den Erkenntnissen der Forscher ganz unterschiedliche Wege für den Umgang mit Neidgefühlen, die nicht nur von der Persönlichkeitsstruktur, sondern auch von den sozialen Verhältnissen abhängen.

Wie Ossis und Wessis über Reichensteuer denken

Entsprechend gehen “Ossis“ und “Wessis“ auch verschieden mit der Forderung nach einer Reichensteuer um: Während Ostdeutsche dies eher mit einer Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit verbinden, sehen Westdeutsche darin eher Sozialneid.

Männer und Frauen unterscheiden sich im Neidverhalten nur darin, wie sie auf die Ungleichverteilung von neidisch machenden Gütern emotional reagieren: Frauen sind eher traurig, wenn sie weniger haben, reagieren also vornehmlich passiv und nehmen notgedrungen hin, dass sie das begehrte wertvolle Gut nicht besitzen. Männer dagegen ärgern sich eher über sich selbst und finden sich nur schwer damit ab, das gewünschte Gut nicht zu haben.

Neid schadet der Gesundheit

Zur Auswirkung von Neid auf die Gesundheit gibt die Studie erste Ansatzpunkte für die These: Je mehr sich jemand als neidisch wahrnimmt, desto geringer ist seine psychische Gesundheit. So gibt es etwa eine positive Korrelation zwischen der Selbstwahrnehmung, neidisch zu sein, und der Belastung mit depressiven Symptomen.

AP

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