Politische Passionsspiele auf dem Nockherberg

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Bußprediger Michael Lerchenberg als Bruder Barnabas

München - Bosheit ist krisenresistent. Beim alljährlichen Derblecken zum Starkbieranstich auf dem Nockherberg hat Bußprediger Michael Lerchenberg die versammelte politische Prominenz mit Hohn und Spott überschüttet.

Angesichts der aktuellen Debatte um Sponsoring und Parteispenden schlägt Bruder Barnabas vor, dass die Politik Leistung nur noch gegen Geld bringt: “Nur noch der Meistbietende wird politisch versorgt. Es gibt in Deutschland keine Parteiprogramme mehr, nur noch Preislisten!“

Starkbieranstich: Die Promis auf dem Nockherberg

Starkbieranstich: Die Promis auf dem Nockherberg

Die Opfer sitzen im Publikum und müssen gute Miene zum bösen Spiel machen. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, vier weitere Bundesminister, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und ein großer Teil der politischen Landesprominenz. Der CSU hält Lerchenberg in der Rolle des Bruder Barnabas vor, sie führe seit drei Jahren ein “immerwährendes Passionsspiel auf, mit wechselnden Christusdarstellern“.

Die echten Passionsspiele in Oberammergau kommen erst noch. Doch ein Passionsspiel ist das Derblecken für (fast) alle Politiker im Publikum: Leidensfähigkeit ist Pflicht. “Ich hoffe, dass es ordentlich deftig wird, denn ich bin anspruchsvoll“, sagt CSU- Generalsekretär Alexander Dobrindt. Wenig später verhöhnt Lerchenberg ihn als den Mann, der in Berlin für “nichts“ zuständig ist, aber einen fernsehgeeigneten Kopf hat: “Quadratisch, praktisch, gut.“

Politiker trösten sich in solcher Lage: Besser verspottet als gar nicht erwähnt. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kommt nur vor, als Lerchenberg ihm zuprostet: “Ham wir den auch erwähnt“, höhnt Bruder Barnabas auf der Bühne über den als empfindlich bekannten Ramsauer. Das Publikum lacht. Lerchenberg bescheinigt SPD-Landeschef Florian Pronold, er habe schlechte Umfragewerte, “weil ihn keiner kennt“. “Sie, Herr Seehofer haben die gleichen schlechten Umfragewerte - weil man Sie kennt“, so Lerchenberg über den CSU-Chef.

Mit bösen Scherzen verhöhnte Lerchenberg in der halb satirischen, halb sozialkritischen Rede auch den früheren Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) und die Milliardenverluste der Landesbank beim Kauf der maroden österreichischen Bank Hypo Group Alpe Adria. Stoiber habe das Erbe von Franz Josef Strauß “gemehrt“. Strauß habe die bayerische Politik balkanisiert und Stoiber eine “waschechte Balkanbank gekauft, mit frisierten Bilanzen, gefälschten Büchern, faulen Krediten, kriminellen Vorständen“.

Der FDP wirft Lerchenberg Versagen in der Bundesregierung vor. “Wenn die Umfragewerte weiter so schnell sinken, wird die FDP die erste Partei, die regiert, obwohl sie unter fünf Prozent ist“, scherzte der Lerchenberg. “Und darum dreht er jetzt völlig durch, der Herr Guido (Westerwelle), und schwingt seine sozialpolitische Abrissbirne. Alle Hartz-IV-Empfänger versammelt er in den leeren, verblühten Landschaften zwischen Usedom und dem Riesengebirge, drumrum ein großer Zaun.“

Die Predigt kommt mäßig an, am Ende vergeht manchen Zuschauern das Lachen: “Noch immer haben wir eine Bundeskanzlerin, die mit Herrn Ackermann Rührei mit Trüffeln frühstückt“, sagt der Bußprediger zum Schluss. “Noch immer gilt ein altes Sprichwort: Geld verdirbt den Charakter.“

Nach der Bußpredigt folgt das Singspiel in neuem Gewand und mit neuer Mannschaft. Weil das bisherige Autoren- und Regieteam im vergangenen Jahr unter Zensurvorwürfen ausgestiegen war, heuerte die Paulaner-Brauerei als Veranstalter Alfons Biedermann als Regisseur an - bisher bekannt als Co-Autor von Bully Herbig. Anstelle eines satirischen Theaterstücks wurde diesmal eine satirische Casting-Show nach Fernseh-Vorbild aufgeführt: “Bavaria sucht den Superpolitiker.“

dpa

Zurück zur Übersicht: Deutschland

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser