Prozess um Vierfachmord von Eislingen eröffnet

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In diesem Haus erschoss der 18-Jährige zusammen mit seinem Freund (19) seine Eltern und seine Schwestern. Jetzt wurde der Prozess gegen die beiden eröffnet.

Ulm - Unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit begann jetzt der Prozess gegen die Vierfachmörder von Eislingen vor dem Ulmer Landgericht.

Der Vierfachmord von Eislingen in Baden- Württemberg sorgte für Entsetzen. In Killermanier soll ein 18- Jähriger mit einem 19 Jahre alten Schulfreund zu Ostern 2009 seine Eltern und seine zwei Schwestern erschossen haben. Die Fakten rund um den Prozess vor dem Landgericht Ulm:

DIE TAT:

Nach Darstellung der Polizei verlassen die Eltern des 18-Jährigen am Gründonnerstag um 21.00 Uhr ihre Wohnung, um sich mit Freunden in einer Gaststätte zu treffen. Zeitgleich machen sich die beiden jungen Männer auf den Weg zur elterlichen Wohnung des 18- Jährigen. Dort schauen die beiden Schwestern Annemarie und Christine gerade vom Bett aus Fernsehen, als die Täter das Feuer eröffnen. Neun Kugeln treffen die 24-jährige Schwester, mit zehn Kugeln wird die 22- Jährige getötet. Gegen 23.00 Uhr gehen die zwei jungen Männer nach Polizeiangaben in die Gaststätte und setzen sich dort an den Tisch der ahnungslosen Eltern. Nach einer halben Stunde verlassen sie das Lokal und kehren an den Tatort zurück. Dort warten sie auf die Eltern des 18-Jährigen und erschießen sie, als sie in die Wohnung kommen. Acht Kugeln töten den Vater, drei die Mutter.

DER TAG NACH DER TAT:

Am Karfreitag um 10.42 Uhr alarmiert der 18-Jährige völlig aufgelöst die Polizei. Mit einem Freund habe er die Leichen seines 57 Jahre alten Vaters, seiner 55-jährigen Mutter sowie der beiden Schwestern entdeckt. Die Ermittler nehmen die beiden Freunde aber schon früh ins Visier, da Einbruchsspuren fehlen.

DER TATORT:

Die Familie lebte im ausgebauten Dachgeschoss eines ihnen gehörenden Mehrfamilienhauses. Die Nachbarn haben früheren Angaben zufolge nichts von der Tat mitbekommen.

DIE TATWAFFEN:

Die Opfer sind mit zwei Sportpistolen der Marken Hämmerli und Ruger erschossen worden. Die Tatwaffen sind Kleinkaliberwaffen (Kaliber 22). In jedes Magazin passen neun Patronen. Vermutlich wurden die Sportpistolen gemeinsam mit 15 weiteren Waffen bei einem Einbruch in die Eislinger Schützengilde im vergangenen Oktober gestohlen. Die Polizei fand die Waffen, Patronenhülsen und Munition in zwei Verstecken der Angeklagten.

DAS MOTIV:

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 Die Tatverdächtigen sollen die Familie aus Habgier erschossen haben. Laut Anklageschrift wollte der 18-Jährige bei seinen Eltern ausziehen - hatte dafür jedoch kein Geld. Im Februar 2009 erhielt er von seiner Mutter die Vollmacht für ein Konto bei einer Schweizer Bank mit einem sechsstelligen Guthaben. Doch um an das Geld zu kommen, brauchte er die Unterschriften der Schwestern. So soll er auf die Idee gekommen sein, seine Familie zu töten, um Alleinerbe zu werden. Die Angeklagten schweigen bislang zu ihrem Motiv.

DIE TATVERDÄCHTIGEN:

Die beiden Angeklagten werden immer wieder als “nette Jungs“ beschrieben. Bei ihren Mitschülern und Lehrern sollen sie beliebt gewesen sein. Zudem galten sie als offen, gut integriert, hilfsbereit und freundlich. Der 18-Jährige war auf dem Jakobsweg gewandert. Er soll bei der Deutschen Lebens-Rettungs- Gesellschaft (DLRG) kleinen Mädchen das Schwimmen beigebracht haben. Außerdem war er Schulsprecher in der Realschule. Der 19-Jährige sei eher introvertiert, scheuer und feinsinniger. Er hatte ein Händchen für Tiere, pflegte junge Eichhörnchen. Beide waren Mitglied im Schützenverein.

DIE ANKLAGE:

Die Staatsanwaltschaft hat die beiden jungen Männer wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt. Außerdem müssen sich die beiden Angeklagten wegen diverser Diebstähle vor dem Landgericht Ulm verantworten. Sie sollen die Tatwaffen gestohlen haben und im Sommer 2007 in eine Schule eingebrochen sein. Dort sollen sie einen Computer und einen Beamer gestohlen haben. Außerdem seien sie zweimal in das Vereinsheim eines Sportvereins und in einen Supermarkt eingestiegen.

DER PROZESS:

Das Landgericht Ulm verhandelt in einer nichtöffentlichen Sitzung ohne Zuschauer. Denn die beiden jungen Männer waren bei den Diebstählen noch minderjährig.

Für die Berichterstattung über den Prozess um den Vierfachmord von Eislingen hat das Landgericht Ulm lediglich neun Journalisten erlaubt, im Gerichtssaal die Hauptverhandlung live zu verfolgen. Diese neun Medienvertreter wurden nach Darstellung des Gerichts per Losverfahren bestimmt. Der Nachrichtenagentur AP wurde zum Prozessauftakt am Montagmittag der Zutritt zum Gerichtssaal verwehrt. Die AP hat - wie auch weitere Medien, die sich vergeblich um eine Akkreditierung bemüht hatten - vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde sowie einen Eilantrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung eingereicht. Die AP sieht in der Entscheidung des Landgerichts Ulm eine Verletzung ihrer Grundrechte. Über die Anträge hat das Bundesverfassungsgericht bislang noch nicht entschieden.

Anwalt will Öffentlichkeit ganz ausschließen:

Zu Beginn des Prozesses um den Vierfachmord von Eislingen hat ein Verteidiger vor dem Landgericht Ulm beantragt, die Öffentlichkeit ausnahmslos auszuschließen. Die Jugendstrafkammer hatte nur neun Medienvertreter zugelassen. Rechtsanwalt Hans Steffan, der den inzwischen 19-jährigen Sohn der getöteten Familie, Andreas H., verteidigt, stellte den Antrag noch vor Verlesung der Anklage. Daraufhin unterbrach die Kammer die Verhandlung, um darüber zu beraten.

dpa/AP

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