Prozessauftakt: Mord an Ägypterin El-Sherbini aus „bloßem Hass“

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Der Angeklagte Alex W. kam vermummt in den Gerichtssaal.

Dresden - Mord aus blankem Hass an der Ägypterin Marwa El- Sherbini hat die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten zum Auftakt des Prozesses in Dresden vorgeworfen.

Alex W. habe die Frau und ihren Mann angegriffen, “um sie zu töten“, sagte Oberstaatsanwalt Frank Heinrich am Montag bei der Verlesung der Anklageschrift. Der 28 Jahre alte Angeklagte habe auf die unmittelbar nebeneinander stehenden Eheleute “zunehmend teilweise mit großer Wucht“ und aus “bloßem Hass“ abwechselnd eingestochen. Der Ehemann wurde lebensgefährlich verletzt. Die Anklage lautet auf Mord, versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung.

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Die schwangere 31-jährige Marwa El-Sherbini war am 1. Juli während eines Berufungsprozesses am Dresdner Landgericht mit einem Küchenmesser erstochen worden. Der dreijährige Sohn des Paareswurde Zeuge der Bluttat. In dem damaligen Prozess ging es um eine Beleidigung gegen die Kopftuch tragende Frau im Jahr 2008. Der jetzt Angeklagte war damals wegen eines gegen ihn verhängten Bußgeldes in Berufung gegangen. Er stammt aus Perm in Russland und war 2003 als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen. “Der Angeklagte wusste, dass die beiden keinen Angriff erwarteten und ihm hilflos ausgesetzt waren“, so der Staatsanwalt. Die Tat sei durch die räumliche Enge des Gerichtssaales begünstigt worden. Alex W. “nutzte bewusst diese Umstände aus, um aus bloßem Hass auf Nichteuropäer und Moslems, denen er kein Lebensrecht zubilligt, das Leben der beiden auszulöschen“. Er habe El-Sherbini aus Heimtücke und niederen Beweggründen getötet und versucht, einen weiteren Menschen zu töten.

Der Angeklagte, der an Händen und Füßen gefesselt in den Gerichtssaal gebracht worden war, verweigerte zum Prozessauftakt zunächst jegliche Auskünfte. Er saß mit dem Rücken zum Saal. Sein Gesicht verdeckte er mit der Kapuze seines Pullovers und einer Sonnenbrille.

Die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand machte zum Prozessbeginn deutlich, dass es sich um kein politisches Verfahren handle. Alle Beteiligten sollten dem Rechnung tragen. Es gehe darum, den Tod einer jungen Frau aufzuklären, “deren Würde in diesem Verfahren auch gewahrt werden muss“, mahnte sie zudem.

Der Mann des Opfers erschien am Vormittag - gestützt auf zwei Krücken - im Gericht. Acht Anwälte vertreten den Witwer, den gleichfalls im Prozess anwesenden Bruder der Toten und deren Eltern als Nebenkläger. Das Ehepaar lebte seit mehreren Jahren in Dresden. Der Mann schrieb am Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik seine Doktorarbeit, die Frau war in einer Apotheke beschäftigt.

Unter den Prozessbeobachtern am Montag war auch Ägyptens Botschafter in Deutschland, Ramzy Ezzeldin Ramzy. Er erwarte einen fairen Prozess: “Ich habe großes Vertrauen in die deutsche Justiz.“

Der Mord im Gerichtssaal hatte weltweit Entsetzen ausgelöst, in der arabischen Welt waren Rufe nach Vergeltung laut geworden. Im Vorfeld des Prozesses gab es einen Mordaufruf gegen den Angeklagten. Daher wurden scharfe Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Das Gericht glich am Montag einer Festung.

dpa

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