Unfallopfer fordert 7,2 Millionen Euro von Generali

Prozessbeginn: Unfallopfer klagt auf Rekordsumme

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Sarah T., links, und ihre Mutter: Vor dem Hamburger Landgericht beginnt kommende Woche ihr Prozess um die höchste Schadenersatzsumme für ein Unfallopfer, die je in Deutschland eingeklagt worden ist.

Hamburg - Vor dem Hamburger Landgericht hat am Donnerstag der Prozess um die höchste je in Deutschland eingeklagte Entschädigungssumme begonnen.

7,2 Millionen Euro fordert die 23 Jahre alte Sarah T. aus Niedersachsen von der Generali-Versicherung. Die junge Frau ist seit einem Autounfall im Jahr 2004 schwerstbehindert und braucht 24 Stunden Betreuung am Tag. Die Münchener Versicherung lehnt die Höhe der Forderung ab, sie hat bisher eine Million Euro geboten und zahlt eine Rente. Der Anwalt der Frau begründet die Höhe der Forderung auch damit, dass diese möglicherweise noch 50 oder 60 Jahre Pflege brauchen werde. Sarah T. aus dem Ort Buchholz kam im Rollstuhl mit ihrer Mutter und ihrem Anwalt Jürgen Hennemann zum ersten Verhandlungstermin. Hennemann zeigte sich siegesgewiss. “Ich erwarte, dass das Verfahren einen positiven Fortgang nimmt“, sagte er der Nachrichtenagentur AP. Die junge Frau war 2004 mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn auf Urlaubsreise in Italien. Bei 110 Stundenkilometern verlor ihr Mann die Kontrolle über den Wagen. Ein Lastwagen habe ihn ausgebremst, sagte er später aus. Der Wagen raste in die Leitplanke, Sarah und das neun Monate alte Baby wurden aus dem Wagen geschleudert. Ihr Mann brach sich mehrere Knochen, ein Ohr wurde abgerissen. Das Baby blieb unverletzt. Am schlimmsten erwischte es die junge Mutter: Hirnverletzung, Lungenquetschung, Unterschenkelbruch. Auch nach vielen Operationen und Therapien kann sie nicht alleine laufen, essen oder das Bad benutzen. Sie ist zudem geistig behindert. Betreut wird sie von ihrer 56 Jahre alten Mutter in einer nicht behindertengerechten Wohnung. Ihr Mann lebt nicht mehr mit ihr zusammen.

Versicherung bietet eine Million

Die Haftpflichtversicherung des Unfallwagens kam von der Volksfürsorge-Versicherung, mittlerweile fusioniert mit der Generali. Die Versicherung zahlte nach eigenen Angaben bisher 400.000 Euro, etwa für Schmerzensgeld, Behandlungskosten und Pflege. Zudem zahlt sie monatlich gut 4.000 Euro. Im Rahmen einer “pauschalen Restentschädigungssumme im Wege einer Generalabfindung“ bietet sie eine Million Euro. Sarahs Anwalt Jürgen Hennemann aber fordert 7,2 Millionen Euro. “Es geht im Wesentlichen um drei Komponenten: Schmerzensgeld, Therapiekosten und die Pflege“, sagte er vor Prozessbeginn. Den größten Batzen der Forderung mache die Pflege aus: Bei 24-Stunden-Pflege zum aktuellen Stundensatz von 33 Euro seien das pro Jahr fast 300.000 Euro. Die Versicherung lehnt die Forderung ab. “Grundsätzlich hat die Generali erhebliche Bedenken gegen die Kapitalisierung von Pflegekosten und Behandlungskosten. Denn dadurch läuft die Geschädigte Gefahr, die notwendigen Aufwendungen wegen eines durchaus möglichen Kapitalverzehrs und nicht absehbarer Kostensteigerungen nicht bis an ihr Lebensende bestreiten zu können“, sagte Firmensprecher Wolfgang Leix auf Anfrage. Laut Anwalt Hennemann aber gibt das Bürgerliche Gesetzbuch in Paragraf 843 dem Unfallopfer “in einem wichtigen Grund“ ein Wahlrecht, ob eine Gesamtabfindung gewünscht wird Zwtl: Gericht gewährt Prozesskostenhilfe Hennemann sieht gute Chancen, den für deutsche Verhältnisse ungewohnt hohen Entschädigungbetrag durchzusetzen: Das Landgericht habe einen Antrag auf Prozesskostenhilfe akzeptiert. “Das bedeutet, das Gericht sieht Aussichten auf einen Erfolg für Sarahs Anliegen“, sagt Hennemann. Dieselben Richter, die über die Prozesskostenhilfe entschieden, führen auch den Prozess. Unabhängige Juristen warnen jedoch: Die positive Entscheidung für Prozesskostenhilfe sei keine Vorfestlegung des Gerichtes, schon gar nicht über die Höhe einer eventuellen Abfindungssumme.

ap

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