Rauschtrinken nicht nur Problem von Jugendlichen

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Berlin - Rauschtrinken ist sowohl bei Jugendlichen als auch bei über 70-Jährigen ein Problem. In Verbindung damit stehen auch Gewaltdelikte. Außerdem ging es in der Studie um Rauchen und Medikamentenmissbrauch.

Die Zahl der Alkoholvergiftungen sei 2008 auf insgesamt 109.283 Fälle gestiegen, erklärte der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gaßmann, am Mittwoch bei der Vorstellung des Jahrbuchs Sucht 2010. In der Gruppe der zehn- bis 20-Jährigen gab es 170 Prozent mehr Fälle, bei den über 70-Jährigen sogar 200 Prozent mehr. “Akuter Rausch und sogenanntes Komasaufen ist nicht allein ein jugendspezifisches Alkoholproblem“, erklärte Gaßmann. Durch Alkohol verursachte Gesundheitsstörungen führten jährlich zu mehr als 73.000 Toten.

Die zehn kuriosesten Versicherungen

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“Gut ein Fünftel aller Todesfälle zwischen 35 und 65 Jahren sind alkoholbedingte Todesfälle“, sagte der Geschäftsführer. Deutschland steht im Vergleich der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit einem Konsum der über 15-Jährigen von zwölf Liter reinem Alkohol pro Jahr nach Luxemburg, Irland, Ungarn und Tschechien an fünfter Stelle aller Staaten. Gaßmann sagte, auf alle Einwohner vom Baby bis zum Greis hochgerechnet habe der Alkoholkonsum 2008 bei 9,9 Liter gelegen. Zwar steige der Verbrauch seit Jahren nicht mehr. Die schlechte Nachricht sei: “Er ist natürlich viel zu hoch.“

“Frauen trinken, wenn sie geschlagen werden“

Laut Jahrbuch konsumieren insgesamt 9,5 Millionen Bundesbürger Alkohol in gesundheitlich riskanter Weise. Davon spricht man, wenn Frauen mehr als 12 Gramm reinen Alkohol - etwa ein kleines Bier - und Männer mehr als 24 Gramm täglich trinken. Zwei Millionen davon konsumieren missbräuchlich, 1,3 Millionen sind vom Alkohol abhängig.

Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Experten in diesem Jahr dem Thema Alkohol und Gewalt. Projektmanagerin Christina Rummel sagte, drei von zehn Gewaltdelikten wie schwere Körperverletzung, Totschlag oder Vergewaltigung würden unter Alkoholeinfluss verübt. Opfer seien vor allem Frauen und Kinder. Frauen schlügen in der Regel nicht, wenn sie getrunken hätten. “Frauen trinken, wenn sie geschlagen wurden“, sagte Rummel.

Rauchen als “Zeichen der Unvernunft“

Oft unterschätzt wird die Zahl der tabakbedingten Todesfälle in Deutschland. Gaßmann bezifferte sie auf 110.000 bis 140.000 pro Jahr. Es sei erfreulich, dass der Tabakverbrauch 2008 zurückgegangen sei, allein bei Zigaretten um 3,8 Prozent auf immerhin noch 87,5 Milliarden Stück.

Noch immer raucht laut Statistik jeder fünfte Bundesbürger. 3,8 Millionen gelten als abhängig. Gaßmann sagte, in den vergangenen Jahren habe sich die gesellschaftliche Einschätzung geändert. Raucher würden eher schräg angesehen. Rauchen gelte als “Zeichen der Unvernunft“.

Dauergabe statt Entzug

Ein weiterer Schwerpunkt des Jahrbuchs ist der Missbrauch von Medikamenten. Mit der Zahl der älteren Menschen wächst auch ihre Bedeutung als Risikogruppe. Inzwischen würden 70 Prozent aller Medikamente von Menschen über 65 Jahren eingenommen, sagte Projektmanager Armin Koeppe. Genaue Zahlen gebe es nicht, sagte Koeppe. Nach Schätzungen haben 1,7 bis 2,8 Millionen der über 60 Jahre alten Menschen ein Problem mit Arzneimitteln oder sind sogar medikamentenabhängig.

In der stationären Altenpflege werde der Anteil der Abhängigen auf mindestens 25 Prozent geschätzt. Die im Alter oft auftretenden Schlafstörungen würden häufig mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln behandelt, den sogenannten Benzodiazepinen. Gaßmann sagte, vier bis fünf Prozent aller häufig verordneten Arzneimittel besäßen ein eigenes Suchtpotenzial. “Schätzungsweise ein Drittel dieser Mittel werden nicht wegen akuter Probleme, sondern langfristig zur Suchterhaltung und zur Vermeidung von Entzugserscheinungen verordnet.“ Nötig sei eine bessere Aufklärung von Ärzten und Patienten.

DAPD

Rubriklistenbild: © dpa

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