Forscher: Exoten-Viren kommen zu uns

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Eine Stechmücke: Die Insekten übertragen unter anderem Malaria

Greifswald - Tropische Virusinfektionen bei Menschen, exotische Krankheiten bei Tieren: Mit dem Klimawandel kommen Erreger nach Mitteleuropa, die es bisher hier nicht gab.

"Wir werden andere Krankheiten bekommen", warnt Thomas Mettenleiter, Chef des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und Mitveranstalter eines internationalen Forscher-Treffens in Greifswald. Hier diskutieren bis Donnerstag rund 100 Wissenschaftler aus aller Welt - Klimaforscher, Biologen, Human- und Tiermediziner. "Es ist ein wichtiges Thema", ist Mettenleiter überzeugt. "Die Zeit ist einfach reif dafür, es anzugehen."

Ein Grund für die Ausbreitung von Krankheiten: Veränderte klimatische Bedingungen ermöglichen es Überträgern wie Mücken, Zecken und Nagetieren - Wissenschaftler sprechen von "Vektoren" - neue Lebensräume zu erobern. Zudem können heimische Insekten oder Wildtiere plötzlich zu Überträgern werden, wenn neue Erreger eingeschleppt werden.

"Gerade bei Infektionen, die von Vektoren übertragenen werden, haben wir einen erheblichen Forschungsbedarf", sagt Mettenleiter. "Wir müssen herausfinden, wie sich steigende Temperaturen und zunehmende Trockenheit auf die komplizierten Verhältnisse von Infektionserregern und Wirt-Tieren auswirken." Die Klima-Folgen müssten allerdings nicht immer negativ sein: So könne es passieren, "dass bestimmte Infektionskrankheiten in manchen Regionen aufgrund von Wassermangel buchstäblich austrocknen".

Chikungunya-Virus und Blauzungenkrankheit

Das Chikungunya-Virus ist eine der neuen Krankheiten, auf die sich Deutschland nach Expertenmeinung einstellen sollte. Im Jahr 2007 tauchte das Tropenfieber plötzlich in Norditalien auf. Zuvor hatte einer ihrer Überträger - die asiatische Tigermücke - ihrer Lebensraum immer weiter vergrößert. "Dann wurde das Virus von einem infizierten Reisenden aus Indien eingetragen, und es kam zu einer lokalen Epidemie", berichtet Mettenleiter. Glücklicherweise habe diese sich nicht weiter ausgebreitet, doch: "Mit solchen Ereignissen müssen wir zunehmend rechnen."

Auch bei Tieren, wie die Blauzungenkrankheit zeigt: "Die war hier bisher nie heimisch, tritt aber seit Sommer 2006 bei uns auf. Sie befällt Wiederkäuer, also zum Beispiel Rinder, Schafe und Ziegen", berichtet Mettenleiter. Potenzielle Überträger habe es schon lange gegeben - "dann kam der Erreger hinzu, und es gab große Verluste".

West-Nil-Virus

Vor unserer Haustür steht nach seinen Worten auch das West-Nil-Virus, das innerhalb von fünf Jahren den amerikanischen Kontinent erobert habe. "Es gibt Fälle in Ungarn, es gibt Fälle in Österreich - also ist es wichtig, die Krankheit im Blick zu behalten, um Fälle möglichst frühzeitig feststellen und reagieren zu können. Möglicherweise auch mit einer Impfung", sagt der Virologe.

Malaria

Auch bei der Malaria sehe die WHO eine Tendenz zur Ausbreitung. "Wir haben Ausbreitungen von Dengue-Virus-Infektionen, von Japan-Enzephalitis, eine Tropenkrankheit, und auch hier ist noch nicht geklärt, wie sich die bereits vorhandenen Klima-Änderungen auswirken". Globalisierung, Reisebewegungen und wohl auch der Klimawandel spielten zusammen - "deshalb werden wir insgesamt eine Zunahme solcher Infektionskrankheiten sehen".

Gibt es konkrete Gegenmaßnahmen?

"Was wir sicherlich tun müssen und auch tun werden: mehr Anstrengungen investieren um herauszufinden, welche Überträger und welche potenziellen Überträger es bei uns gibt", sagt der FLI-Chef. "Unsere Überwachungsmaßnahmen müssen wir deutlich strenger fassen. Wir müssen häufiger nachsehen, was sich tut draußen in der Natur, wie sich Vektoren und Wildtiere entwickeln." Nur so ließen sich neue Gefahren frühzeitig erkennen. Unbedingt müssten Infektionen ernst genommen werden. "Und wir müssen uns auch dann mit ihnen beschäftigen, wenn sie nicht in den Schlagzeilen sind wie gerade jetzt die Amerikanische Grippe, die sogenannte Schweinegrippe." Dies sei ein Problem, "um das wir uns einfach kümmern müssen".

© ap

Quelle: rosenheim24.de

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