Der Weg der Sauerland-Terroristen

Düsseldorf - Nach dem Urteil im Ilamistenprozess gegen die Sauerland-Terroristen ist klar, dass die Männer viele Jahre hinter Gitter müssen. Wie es überhaupt so weit kam, lesen Sie in unserer Chronik.

Fast ein Jahr nach Beginn einer der größten Islamistenprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik ist am Donnerstag das Urteil gegen die vier angeklagten Sauerland-Terroristen gefallen. Die Männer im Alter zwischen 24 und 31 Jahren haben Anschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland geplant.

Nachfolgend eine Chronik der Ereignisse:

Mitte 2006: Fritz Gelowicz, Adem Yilmaz und Daniel Schneider werden Mitglieder der Terrorvereinigung Islamische Dschihad Union (IJU), die auch Kontakte zum Terrornetzwerk Al Kaida unterhält. Die Männer durchlaufen eine ideologische und militärische Schulung in einem Ausbildungslager der IJU.

Februar 2007: Den Ermittlungen zufolge tut sich der als Rädelsführer geltende Gelowicz spätestens jetzt mit Yilmaz, Schneider und dem ebenfalls beteiligten Attila Selek zu einer eigenen Zelle der IJU zusammen, die Sprengstoffattentate in Deutschland plant.

2. September 2007: Gelowicz, Yilmaz und Schneider fahren zu einem von ihnen angemieteten Ferienhaus im sauerländischen Medebach-Oberschledorn, wo sie die Sprengsätze zusammenbauen wollen.

4. September: In einer spektakulären Polizei-Aktion werden die Verdächtigen festgenommen. 5. September: Die Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen die drei Männer, die seitdem in Untersuchungshaft sitzen.

6. November: In der türkischen Stadt Konya wird der vierte Angeklagte Attila Selek festgenommen, der unter anderem für die Beschaffung der insgesamt 26 Sprengzünder verantwortlich war. 20. November 2008: Selek wird von der Türkei nach Deutschland ausgeliefert. Er sitzt seither in Untersuchungshaft.

22. April 2009: Im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf beginnt der Prozess gegen die vier Männer.

10. August: Gelowicz gesteht vor Gericht als erster die Anschlagspläne der Gruppe. Auch seine Mitangeklagten machen umfassende Angaben.

17. August: Der Bundesgerichtshof erlässt Haftbefehl gegen ein mutmaßliches fünftes Mitglied der Gruppe. Der Türke Mevlüt K. soll geholfen haben, Zünder für geplante Anschläge nach Deutschland zu schaffen.

13. Oktober: Das OLG Frankfurt verurteilt zwei geständige Helfer der Sauerland-Gruppe zu Haftstrafen bis zu zwei Jahren und neun Monaten. Einer der Angeklagten soll Yilmaz unter anderem seine EC-Karte übergeben haben, damit dieser über das Bankguthaben für die IJU verfügen konnte.

26. Januar 2010: Ein 24-jähriger Unterstützer der Sauerland-Gruppe wird vom OLG Frankfurt zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Der Deutsch-Türke hatte zugegeben, im Sommer 2007 über eBay eine Mini-Digitalkamera und ein Nachtsichtgerät für die deutsche Zelle der IJU beschafft zu haben.

Ende Februar 2010: Die Bundesanwaltschaft erlässt Haftbefehl gegen drei mutmaßliche Terrorhelfer der IJU, die für die Organisation Geld beschafft haben. Unter ihnen soll sich auch die 28-jährige Ehefrau von Gelowicz befinden.

4. März: Die angeklagten Sauerland-Terroristen werden zu Haftstrafen zwischen fünf und zwölf Jahren verurteilt.

DAPD

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