Seitensprung: Das denken Frauen wirklich

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Hamburg - Ist der Seitensprung besserer Sex als in der Beziehung? Kultautorin Mia Ming hat 33 Frauen - die fremdgegangen sind oder betrogen wurden - zum Thema Seitensprung befragt. Die offene Wahrheit.

Nach ihrer Reihe "Schlechter Sex" widmet sich Autorin Mia Ming dem Thema "Seitensprung". In ihrem Buch erzählen 33 Frauen offen, warum sie fremdgegangen sind, wie sich heimlicher Sex anfühlt oder aber, wie sie ihrem Partner auf die Schliche gekommen sind.

Im Interview erzählt Mia Ming, was Frauen über Seitensprünge denken: Wo das Fremdgehen anfängt, warum Frauen es tun und ob der Sex besser ist als in einer Beziehung.

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Wie sind Sie auf das Thema Seitensprünge gekommen und was genau reizt Sie daran?

Mia Ming: Keiner wird gern betrogen, und doch sind Seitensprünge ein Thema, das jeden betrifft, ähnlich wie "Schlechter Sex". Tatsächlich hat jeder, den ich befragt habe, schon einmal jemanden betrogen oder wurde selbst betrogen, meist jedoch beides.

Interessant ist, wie unterschiedlich Frauen und Männer reagieren, wenn der Begriff "Seitensprung" fällt.

Mia Ming: Männer reagieren nüchtern. Sie haben die Schuldfrage bereits für sich geklärt, die Ursache für ihre Seitensprünge liegt für sie in der bestehenden Beziehung, das Fremdgehen ist einfach die Suche nach einem Abenteuer.

Sind Seitensprünge eher guter oder schlechter Sex?

Mia Ming: So lange alles gut läuft, haben Fremdgeher "außer Haus" den besseren Sex, sonst würden sie ihre Affären ja nicht fortsetzen. Doch schlechten Sex gibt es überall und so bergen insbesondere spontane Seitensprünge oft ungeahnte Überraschungen.

Macht die Heimlichkeit eines Seitensprungs den Sex noch aufregender? Oder stört das schlechte Gewissen eher beim Sich-fallen-lassen?

Mia Ming: Über die Hälfte aller Fremdgeher fühlt sich nicht sonderlich schuldig, solange ihr Betrug nicht auffliegt. Man hat zahlreiche Gründe und Rechtfertigungen zur Hand – Langeweile, Neugier, Sehnsucht oder gar Beziehungspflege. Nach der Entdeckung sieht das alles ganz anders aus.

Party, Urlaub, Kuraufenthalt oder Betriebsfeier – bei welchen Gelegenheiten kommt es eigentlich am häufigstem zum Seitensprung?

Mia Ming: Wenn sie nicht im Internet geplant werden, ereignen sich fast alle Seitensprünge bei besonderen Anlässen, also tatsächlich nach Betriebsfeiern, auf Partys, Reisen und so weiter.

Gibt es typische Phasen in einer Beziehung, in der Seitensprünge häufiger vorkommen?

Mia Ming: Bei manchen kann die Lust auf "Abwechslung" bereits nach kurzer Zeit aufkommen, bei anderen nach Jahren oder im besten Falle gar nicht. Ein Seitensprung zeigt immer ein Defizit auf, er verspricht etwas, das in der Gemeinschaft mit dem Partner fehlt. Es gibt in der Liebe keinen anhaltenden allumfassenden Glückszustand, der ein beständiger Schutz gegen das Fremdgehen wäre.

Wo fängt ein Seitensprung Ihrer Meinung nach eigentlich an? Schon beim Kuss oder erst dann, wenn man miteinander schläft?

Mia Ming Seitensprünge, 288 Seiten, 9,90 EUR ISBN 978-3-89602-953-9, erhältlich ab 1. Mai

Mia Ming: Es gibt keine klare Definition, wann Fremdgehen beginnt, zwar sind die meisten Paare sich einig, dass Treue zur Liebe gehört, doch kaum je darüber, wo Untreue anfängt. Im Kopf, beim Flirten, beim Küssen, beim Sex – es gibt keine festen Normen, was an Monogamie gefordert werden darf, und so legt in den meisten Beziehungen der Durchsetzungsfähigere die Regeln fest. Für mich persönlich beginnt Untreue beim ersten richtigen Kuss – mit Zunge, um genau zu sein

Männer gelten gemeinhin als das untreuere Geschlecht. Können Sie das so bestätigen?

Mia Ming: Ganz entschieden: Ja! Männer gehen aus Langeweile fremd, aus Geilheit, aus Neugier, um in Form zu bleiben, zum Ausgleich, weil sie denken, dass es ihnen zusteht, weil sich eine Gelegenheit bietet, aus pathologischen Gründen … es nimmt kein Ende.

Gibt es denn für Frauen andere Gründe fremdzugehen?

Mia Ming: Frauen gehen nicht einfach fremd, nur weil ihnen jemand Komplimente macht. Wenn Frauen sich mit einem Liebhaber einlassen, lag in ihrer Beziehung bereits vorher etwas im Argen. Es ist die Reaktion auf einen Mangel – an Zuwendung, Aufmerksamkeit, Sex, Kommunikation.

Und wer ist geschickter, wenn es darum geht, Seitensprünge zu vertuschen?

Mia Ming: Frauen sind wesentlich geschickter, wenn es darum geht, Seitensprünge zu planen, zu vertuschen und zu koordinieren. Sie kommen niemals rasierwasserumwölkt oder mit einem Schamhaar zwischen den Schneidezähnen nach Hause. Frauen geben nicht mit der Zahl ihrer Liebhaber an. So banal es klingt: Männer, die mit ihren Eroberungen prahlen, sind noch immer tolle Hechte, Frauen sehr schnell Schlampen.

Haben Sie selbst schon Fremdgeher gedeckt?

Mia Ming: Ja. Ich bin meinen Freundinnen gegenüber grundsätzlich loyal und hoffe, dass sie wissen, was sie tun. Da habe ich auch schon Alibifunktionen übernommen. Es gibt allerdings gewisse Grenzen, die ich ungern überschreiten würde – beispielsweise jemanden direkt anlügen, um eine Person zu decken.

Sollte man Seitensprünge eher für sich behalten oder lieber ehrlich sein und beichten?

Mia Ming: Ich persönlich möchte nicht unbedingt wissen, wenn ich betrogen werde – solange es sich nicht auf meine Beziehung auswirkt und kein Dauerzustand ist. Ich könnte dieses Wissen nur schwer verwinden und möchte nicht unnötig leiden. Wenn man keine Zweifel an der Liebe hegt, muss man den anderen nicht verletzen. Doch darf diese Haltung natürlich kein Freifahrtsschein sein, alles zu tun, solange man sich nur nicht erwischen lässt! Es ist eine Gratwanderung.

Was halten Sie von der berühmten Ausrede, dass man den Seitensprung nur begangen hat, weil man so betrunken war?

Mia Ming: Da mag zwar Wahres dran sein, doch für den Betrogenen ist das sicherlich kein Trost.

Gibt es eine Geschichte in Ihrem Buch, die Sie besonders mögen?

Mia Ming: Ja, eine Geschichte, die auf Sylt spielt. Der Freund der Erzählerin erwischt sie mit einem fremden Jungen inflagranti im Zelt, beschimpft die beiden und als die Ertappten nicht rauskommen wollen, zerschneidet er das Zeltdach mit einem Messer. Der Junge guckt aus dem Loch und sagt: "Ich bin der Heinz."

Rubriklistenbild: © dpa

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