Spektakuläre Entführung in Chieming

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Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hat den Mann befreit.

Chieming - Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hat in der Nacht auf Samstag einen im Gemeindebereich Chieming gewaltsam festgehaltenen Mann befreit.

Der 56-Jährige war vier Tage zuvor in Speyer entführt und in einer privaten Wohnung eingesperrt gewesen. Insgesamt wurden fünf Tatverdächtige vorläufig festgenommen.

Am späten Freitagabend teilte ein bisher unbekannter Hinweisgeber über Telefon der Polizeieinsatzzentrale in Rosenheim mit, dass ein Bekannter von ihm aus Speyer (Rheinland-Pfalz) von Unbekannten offensichtlich gewaltsam im Raum Traunstein festgehalten wird. Über die Polizei in Speyer konnte in Erfahrung gebracht werden, dass der besagte Mann dort seit vergangenen Dienstag abgängig und als vermisst gemeldet war. Die Polizei ging von einer gewaltsamen Entführung aus. Als möglicher Aufenthaltsort des Vermissten wurde eine private Wohnung in der Gemeinde Chieming ermittelt.

Noch in der Nacht plante die Polizei den Zugriff. Etwa um vier Uhr morgens drang ein Sondereinsatzkommando aus München von mehreren Seiten gleichzeitig gewaltsam in das betreffende Anwesen ein. Im Keller des Hauses fanden die Beamten in einem abgesperrten Raum dann tatsächlich den Vermissten. Er war leicht verletzt.

Im Haus befanden sich auch die Bewohner, ein Seniorenehepaar, sowie ein normalerweise offensichtlich im Ausland lebender Mann. Der 74-jährige Ehemann und seine 79-jährige Ehefrau, sowie der 60-jährige Amerikaner ließen sich widerstandslos festnehmen.

Nach ersten Ermittlungen der Kripo Traunstein war das 56-jährige Opfer tatsächlich gegen seinen Willen von den beiden festgenommenen Männern von seiner Wohnung in Speyer zu dem Haus im Chiemgau gebracht worden.

Die Männer hatten ihn am Dienstagabend an seiner Wohnung abgepasst und ihn anschließend mit Klebeband gefesselt. Auch geschlagen wurde er offensichtlich, wobei er Prellungen und zwei gebrochene Rippen davon trug. Schließlich wurde der Überfallene gefesselt im Kofferraum des Autos des 74-Jährigen verstaut und über Nacht nach Bayern transportiert.

Im Keller des Wohnanwesens in der Gemeinde Chieming wurde er die nächsten vier Tage in einem versperrten Raum ohne Möglichkeit zur Kontaktaufnahme nach außen eingesperrt. Ein Fluchtversuch bei einer „Zigarettenpause“ misslang.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand sind die Hintergründe für die gewaltsame Entführung in Geschäftsverbindungen unter den Beteiligten mit angeblich offenen erheblichen Geldforderungen zu finden. In diesem Zusammenhang wurde dem Opfer auch ein Telefonat genehmigt.

Dabei gelang es dem Mann, den vermutlichen späteren Hinweisgeber auf seine prekäre Situation und auf seinen Aufenthaltsort aufmerksam zu machen. Dies war der ausschlaggebende Punkt für den Polizeieinsatz.

In den polizeilichen Vernehmungen zeigten sich die Schilderungen von Opfer und Tatverdächtigen zum Geschehen ziemlich deckungsgleich. Von Anfang an war die Staatsanwaltschaft Traunstein in den Fall mit eingebunden. Im Laufe der ersten Ermittlungen geriet auch noch ein Ehepaar aus dem Raum Schliersee ins Visier der Behörden. Angeblich bestehen auch ihrerseits offene Geldforderungen an den 56-Jährigen.

Das Paar war während der vier Tage der Entführung auch einmal deswegen in dem Haus im Chiemgau. Im Laufe des Samstages wurden beide wegen Tatverdachtes der möglichen Beteiligung vorläufig festgenommen.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein stellte wegen Beteiligung an der Entführung und Geiselnahme Antrag auf Haftbefehl gegen alle fünf Festgenommenen. Die Tatverdächtigen werden am Sonntag dem zuständigen Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Traunstein vorgeführt.

mm/tz

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