Sturm "Xynthia" fordert Tote und Verletzte

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Offenbach - Sturmtief “Xynthia“ hat am Sonntag über Westeuropa gewütet und mindestens 55 Menschen in den Tod gerissen, 45 allein in Frankreich. In Deutschland starben mindestens sechs Menschen.

In Niedersachsen wurde ein 46 Jahre alter Mann bei Bückeburg mit seinem Auto von der Fahrbahn geweht. Er krachte gegen einen Baum und starb an der Unfallstelle, teilte die Polizei am Montagmorgen mit.

Im südhessischen Biblis wurde ein Zweijähriger in einen Fluss geweht und konnte nur noch tot geborgen werden. Im Schwarzwald kam ein 74-jähriger Autofahrer ums Leben, bei Wiesbaden ein 69 Jahre alter Wanderer. In Nordrhein-Westfalen starben eine Joggerin und eine Autofahrerin.

Insgesamt vier Opfer meldeten auch Spanien und Portugal. Der Orkan erreichte in Spanien einen Rekord von 228 Stundenkilometern.

Bilder: "Xynthia" wütet über Deutschland

Orkantief "Xynthia" wütet über Deutschland

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Sturmtief "Xynthia" rast auf Deutschland zu

In Deutschland wüteten die bis zu 166 Kilometer schnellen Böen am heftigsten in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Im südhessischen Biblis wurde ein Zweijähriger in einen Fluss geweht und konnte nur noch tot geborgen werden. Im Schwarzwald kam ein 74-jähriger Autofahrer ums Leben, bei Wiesbaden ein 69 Jahre alter Wanderer. In Nordrhein-Westfalen starben eine Joggerin und eine Autofahrerin. Der Sturm richtete Millionenschäden an.

“Xynthia“ forderte mehr Menschenleben in Europa als die zerstörerischen Orkane “Lothar“ (1999) und “Kyrill“ (2007). Die Europäische Union erklärte sich zur Hilfe bereit. Die EU-Kommission werde Unterstützung für die am meisten betroffenen Länder prüfen, erklärte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Brüssel. Demnach sind Zahlungen aus dem EU-Solidaritätsfonds möglich.

Der Sturm richtete bundesweit große Schäden an. Orkanböen entwurzelten Bäume, deckten Dächer ab und wirbelten Baustellenteile durch die Luft. Im Reiseverkehr brach ein Chaos aus: Züge standen still, Flüge fielen aus, Straßen waren blockiert. Reisende müssen auch am Montag mit Beeinträchtigungen rechnen. Nachdem in einigen Regionen der Zugverkehr eingestellt wurde, stehen nach Angaben der Bahn viele Züge nicht dort, wo sie am Montag gebraucht werden.

Züge stehen still

Nach dem Durchzug des Orkantiefs “Xynthia“ gab es am Montagmorgen in Deutschland vielerorts noch Behinderungen im Reiseverkehr. Sowohl bei der Bahn als auch bei Flugreisen gab es Verspätungen. Auf dem Rhein-Main-Airport in Frankfurt wurden in den Morgenstunden rund 15 innerdeutsche und innereuropäische Flüge gestrichen, teilte eine Sprecherin des Flughafenbetreibers Fraport mit. Die Passagiere sollten sich auf Verspätungen von bis zu zwei Stunden einstellen. “Wir hoffen aber, dass sich die Lage im Verlauf des Tages entspannt“, sagte die Sprecherin. Am Sonntag waren am Frankfurter Flughafen etwa 250 von 1270 Starts und Landungen gestrichen worden.

Auf der Schiene war der Verkehr am Sonntag sowohl in Nordrhein- Westfalen als auch im Saarland komplett eingestellt worden. In der Nacht waren nach Angaben der Bahn hunderte Mitarbeiter unterwegs, um die Folgen des Sturm-Chaos zu bekämpfen. Zumindest der Fernverkehr rollte am Montagmorgen weitgehend wieder normal. Die Sperrung des Fernbahnhofs Frankfurt-Flughafen wurde aufgehoben. Im Regionalverkehr kam es noch zu Behinderungen, Ausfällen und Verspätungen. Der Berufsverkehr sei dennoch verhältnismäßig stabil angelaufen, teilte die Bahn mit. Allerdings gebe es immer noch Orte, wo sich der Stau gestrandeter Züge nur langsam auflöse.

Straßen von entwurzelten Bäumen blockiert

Viele Straßen Baden-Württembergs waren von entwurzelten Bäumen blockiert. Im Raum Stuttgart fiel der Bahnverkehr aus, ein Ersatzverkehr über die zum Teil verwüsteten Straßen war nicht möglich. Bei Würzburg in Bayern erlitt ein Mann schwere Quetschungen, als er im Sturm die Arretierung eines Krans lösen wollte.

Thüringen meldete am frühen Abend Stromausfälle und Straßensperrungen. Bei Eisenach wurde eine Mittelleitplanke einfach umgeweht. “Man sollte nicht denken, dass so etwas geht“, sagte ein Polizeisprecher. Für die Nacht rechneten die Meteorologen auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit orkanartigen Stürmen. Im südlichen Niedersachsen meldete die Polizei “Notrufe im Sekundentakt“.

“Xynthia“ sei ein Sturmtief, “wie man es nicht jedes Jahr hat“, sagte Meteorologe Peter Hartmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Die höchste Windgeschwindigkeit in Deutschland wurde nach DWD-Angaben mit 166 Kilometern pro Stunde am 557 Meter hohen Weinbiet bei Neustadt/Weinstraße (Rheinland-Pfalz) gemessen.

“Meteorologische Bombe“

In Spanien, wo die Wetterexperten von einer “meteorologischen Bombe“ gesprochen hatten, erreichte “Xynthia“ die Rekordgeschwindigkeit von 228 Stundenkilometern. Der am Samstag gegen 21.00 Uhr in der baskischen Kleinstadt Orduña gemessene Wert liegt noch über den 213 Stundenkilometern, die Jahrhundert-Orkan “Lothar“ 1999 im Schwarzwald erreichte - den bislang höchsten Wert seit Beginn der wissenschaftlichen Wetterbeobachtung Ende des 19. Jahrhunderts.

In Frankreich hatten eine Million Einwohner keinen Strom. An den Küsten habe der Wind eine Geschwindigkeit von bis zu 150 Stundenkilometern erreicht, berichtete der Sender France- Info. Präsident Nicolas Sarkozy sprach den Angehörigen der Opfer seine Anteilnahme aus und wollte am Montagvormittag mit mehreren Ministern die am schlimmsten beschädigten Regionen besuchen. Am Sonntagnachmittag gab es beim Premierminister François Fillon ein Krisentreffen. Wirtschaftsministerin Christine Lagarde appellierte an die Versicherungen, so schnell wie möglich Entschädigungen zu zahlen.

In zahlreichen Orten in der Nähe von La Rochelle stand das Wasser bis zu 1,50 Meter hoch in den Straßen. Air France strich etwa 100 von insgesamt 700 Flügen am Pariser Flughafen Charles de Gaulle. In den Pyrenäen stürzten Felsbrocken auf die Straßen. Die Grenze zu Spanien wurde zeitweise geschlossen.

In Portugal und Nordspanien hatte “Xynthia“ zuerst getobt und vier Menschenleben gefordert. In Spanien starben zwei Männer, als ihr Auto gegen einen umgestürzten Baum prallte. Eine 82-jährige Frau wurde von einer Mauer erschlagen. Im Norden Portugals tötete ein abbrechender Ast einen zehnjährigen Jungen. In Nordspanien unterbrachen umgestürzte Bäume die Stromversorgung für 130 000 Haushalte.

dpa/apn

Rubriklistenbild: © dpa

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