Sturmtief “Xynthia“: Tote in Deutschland

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Feuerwehrleute stehen an der B500 bei der Gemeinde Feldberg im Hochschwarzwald um ein Fahrzeug, das von einem durch Windböen umgestürzten Baum getroffen wurde.

Feldberg - Das Orkantief "Xynthia", das bereits in Frankreich wütete, hat auch in Deutschland Todesopfer gefordert. Drei Menschen wurden von Bäumen erschlagen.

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Das gewaltige Orkantief “Xynthia“ hat in Baden-Württemberg ein Todesopfer gefordert. Auf der Schwarzwaldhochstraßenahe der Gemeinde Feldberg stürzte am Sonntag ein Baum auf ein Auto.

Die beiden Insassen wurden im PKW eingeklemmt. Der 74-jährige Fahrer starb an der Unfallstelle, während seine 69-jährige Ehefrau von der Feuerwehr schwer verletzt aus dem Fahrzeug geborgen und mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen wurde. Die Straße war zunächst blockiert.

Ein 69 Jahre alter Mann wurde am Sonntag im Wald bei Taunusstein nahe Wiesbaden von einem umstürzenden Baum erschlagen. Wie die hessische Polizei berichtete, war der Mann mit einer Wandergruppe unterwegs, als der Baum entwurzelt wurde. Der 69-Jährige starb noch an der Unfallstelle.

In Pulheim bei Köln wurde eine Joggerin am Sonntagnachmittag von einem umstürzenden Baum erschlagen. Wie die Polizei mitteilte, war die Frau durch einen Wald gelaufen. Die Identität der Toten war am Sonntagnachmittag zunächst unklar. Die Polizei sperrte den Wald.

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Viele Straßen mussten gesperrt werden, nachdem Bäume auf die Fahrbahnen gestürzt waren. Auch auf der Autobahn 5 in der Nähe von Rastatt blockierte ein Baum die Fahrbahn, die Polizeiangaben zufolge aber nicht gesperrt werden musste. Bis Sonntagabend sagten die Meteorologen für den Norden und Westen von Baden-Württemberg sowie für das Saarland und Nordrhein-Westfalen schwere Sturmböen bis zur Orkanstärke voraus.

Orkantief “Xynthia“ hat am Sonntag auch in Rheinland-Pfalz und im Saarland erhebliche Schäden angerichtet. In Landau wurde eine etwa 30 Jahre alte Frau sehr schwer verletzt, als sie ein Eisentor schließen wollte und der Sturm dies aus der Verankerung riss. Am stärksten wüteten die Sturm- und Orkanböen in der Eifel und im Hunsrück. Zahlreiche Straßen mussten wegen entwurzelter Bäume gesperrt werden. “Die Bäume knicken um wie die Streichhölzer“, hieß es beim Lagezentrum in Mainz. Mancherorts fiel der Strom aus.

“Alle fünf Polizeipräsidien des Landes sind betroffen“, hieß es in Mainz. “Alles was laufen und fahren kann, ist unterwegs. Es gehen dauernd Notrufe ein, die Feuerwehren sind alle unterwegs und die Strom-Reparaturtrupps auch.“ Im Saarland wurden zahlreiche Fahrzeuge von umgefallenen Bäumen beschädigt. “Wir haben noch keinen Überblick“, sagte ein Polizeisprecher. Verletzt worden sei hier aber zunächst niemand.

Verspätungen am Frankfurter Flughafen

Auf dem Frankfurter Flughafen kam es am Sonntag wegen heftiger Sturmböen zu zahlreichen Verspätungen und Ausfällen. Am frühen Nachmittag waren bereits 22 Starts und Landungen gestrichen worden. “Das wird noch zunehmen“, sagte ein Sprecher. Bei starkem Wind dürfen aus Sicherheitsgründen deutlich weniger Flugzeuge pro Minute landen als normalerweise. Daher waren auch viele Maschinen verspätet.

Wegen zerborstener Glasscheiben ist der Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen am Sonntag vorrübergehend gesperrt worden. Dabei handle es sich um eine Sicherheitsmaßnahme, hieß es bei Bundespolizei und Flughafen. Der Sturm habe Scheiben zerspringen lassen und einige Scherben seien umher geflogen. Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt.

800 Reisende stecken im ICE fest

Ein Intercity-Express mit etwa 800 Reisenden hat nach einer Kollision mit einem entwurzelten Baum am Sonntagnachmittag etwa drei Stunden auf freier Strecke festgesteckt. Der ICE 277 von Hamburg über Frankfurt nach Zürich sei zwischen Fulda und Hanau gegen 14.00 Uhr gegen den Baum gefahren, berichtete die Bahnpolizei in Frankfurt. Der Lokführer habe den Zusammenstoß trotz einer Notbremsung nicht mehr verhindern können. Erst nach fast drei Stunden konnte der Zug im Schritttempo nach Bad Soden-Salmünster fahren, wo die Reisenden auf einen Ersatzzug umsteigen sollten.

Meteorologe Peter Hartmann vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach warnte vor Spaziergängen im Wald. Bewegliche Sachen sollten nicht draußen herumliegen. “Und wer nicht Auto fahren muss, sollte es besser vermeiden.“ Die Orkanstärke werde sich zwar über der Mitte Deutschlands abschwächen, dennoch sei “Xyntiha“ ein Sturmtief, “wie man es nicht jedes Jahr hat“.

Zentrale Autobahn wegen Sturms gesperrt

Wegen des Sturms ist am Sonntag bei Frankfurt/Main die A3, eine der zentralen Autobahnverbindungen in Deutschland, komplett gesperrt worden. Von einer Baustelle am Flughafen seien Fassadenteile, Werbeplakate und Baumaterial auf die Autobahn geweht worden, sagte eine Polizeisprecherin in Frankfurt. Die Autobahn, die von Köln nach Würzburg führt, sei deshalb um 14.30 Uhr bei Kelsterbach bis auf weiteres ganz gesperrt worden. Der Verkehr wird weiträumig umgeleitet. “Die Sperrung wird wieder aufgehoben, wenn der Sturm vorbei ist“, sagte die Polizeisprecherin. In Frankfurt selbst sei die Polizei bereits zu mehr als 100 Einsätzen ausgerückt. “Ich habe noch nie so viele umgeknickte Bäume in Frankfurt gesehen.“

Das Sturmtief "Xynthia" sorgte in Frankreich für die schlimmsten Unwetter seit mehr als zehn Jahren.

dpa/dapd

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