Sylt: Vollmondparty mit Bambus-Klaus

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Bambus-Klaus feierte mal wieder seine Vollmondparty.

List - Seit 15 Jahren feiert Klaus in seiner Bambus-Bar in List auf Sylt Vollmondpartys. Dazu steigt er in Sommernächten auf das Dach seiner Hütte und gibt selbstgetextete Sylt-Schlager zum Besten.

Zwischen Wolkenfetzen schimmert fahles Vollmondlicht auf die karge Dünen- und Heidelandschaft ganz im Norden von Sylt. Eine Betonplattenstraße führt in Kurven durch die unbewohnte Fläche. Dann taucht eine Bushaltestelle in der Dunkelheit auf. Geschmückt mit einer Kette aus bunten Glühlampen, flankiert von einem Getränkeausschank und einem Imbisswagen. Einige hundert Menschen stehen vor der zu einer kleinen Bar umfunktionierten Haltestelle und recken die Hälse, warten auf den Mann auf dem Dach: Es ist wieder Vollmondparty mit Bambus-Klaus.

Bambus-Klaus heißt im wirklichen Leben nur Klaus und ist eigentlich “ein Essener Zahntechniker aus dem Ruhrpott“ - so wird der blondgesträhnte 54-Jährige auf den Vollmondpartys angekündigt. Seit 1986 ist er Besitzer der “Bar am Meer - Bushaltestelle“, kurz Bambus. Das einstige Wartehäuschen am Weststrand in List ist immer noch als solches zu erkennen, beherbergt aber inzwischen Klaus' kleine Bar. An der Wand kleben Fotos von prominenten Besuchern wie Lilo Wanders und Jürgen Drews und eine Mail von Reinhard Mey.

Die Partys feiert er seit 15 Jahren: “Vollmond sieht so toll aus, der kommt direkt hier hoch. Und hier draußen störst du keinen.“ Dazu steigt Klaus aufs Dach seiner Bar und gibt selbstgetextete Syltschlager zum Besten. Anfangs als Spaß gedacht, hat er zuerst eine Single herausgebracht, dann ein Album: “Meine Inselhits“. “Wenn der Vollmond aufs Wochenende fällt, kommen auch mal Insulaner“, erzählt er. “Die Promis kommen aus Versehen, das können Sie ruhig schreiben.“

An diesem Wochenende ist es kühl und windig, trotzdem haben sich einige Hundert Vollmondfreunde an der erleuchteten Bambus-Bar eingefunden. Um Mitternacht soll Klaus aufs Dach steigen, doch er lässt sein Publikum warten. Das hüpft zu Liedern von Andrea Berg bis Culcha Candela und ist bunt gemischt: Familien mit Kindern, Teenager, ein alter Mann an Krücken, Damen mit Perlenketten.

“War er schon da?“ fragt eine Frau und ist beruhigt, dass dem nicht so ist. “Ich wollte den unbedingt auf dem Dach sehen“, sagt ein älterer Mann zu seiner Begleitung. Und dann steht Klaus auf dem Dachfirst, hat noch mal vom grünen zum knallroten Sweater gewechselt. Er wird begleitet von Artisten des Circus Mignon, die engagiert um ihn herumwedeln. “Ich bin so gerne auf Sylt, weil es mir dort so gut gefällt...“ Schnell wird klar: Die Fans kommen nicht unbedingt wegen Klaus' Sangeskünsten, eher wegen der Entertainerqualitäten. Klaus singt von Inselorten, von Nackedeis und Surfern. Die Menge jubelt.

Klaus gibt alles. “Ihr seid doch auch verrückt, oder?“, fragt er seine Fans. Eine Gruppe junger Männer zieht zwar vorzeitig, aber beglückt ab: “Besser als Madonna“, sind sie sich einig. Klaus, der im September 25 Jahre Bambus feiern will, hört das vielleicht gar nicht so gern, denn er sagt: “Der kleine Promistatus reicht mir.“

dpa

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