Telefonbetrug nimmt drastisch zu

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Telefon-Abzocke kann teuer werden.

Berlin - Aus einem Bericht der Aufsichtsbehörde für die Telefonbranche geht hervor, dass die Zahl betrügerischer Telefonanrufe drastisch zunimmt.

Oftmals riefen kriminell agierende Firmen mit Hilfe von Sprachcomputern massenweise Verbraucher an und teilten ihnen per Bandansage mit, sie hätten ein wertvolles Auto gewonnen. Um den Gewinn einzulösen, müsse eine 0900-Servicenummer gewählt werden. Wer das befolge, lande aber in teuren Warteschleifen und werde mit hohen Telefongebühren belastet. An die Täter komme man meist nicht heran, da sie oft im Ausland säßen, wo sie Scheinfirmen gegründet hätten.

Polizei und Justiz greifen demzufolge nur selten durch, meldete die “Süddeutsche Zeitung“ am Samstag. Selbst bei großen Betrugsfällen finde “faktisch keine Strafverfolgung statt“, heißt es in dem Bericht. Viele Ermittlungsverfahren würden “sanktionslos“ eingestellt.

Der verbraucherpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Erik Schweickert, forderte mehr Entschlossenheit bei der Strafverfolgung. “Das ist alles Andere als ein Kavaliersdelikt bei dem man ein Auge zudrücken darf“, erklärte er laut einer am Samstag verbreiteten Mitteilung. Zudem werde eine gesetzliche Korrektur immer notwendiger. “Das Gesetz der großen Koalition ist aus Verbrauchersicht ganz offensichtlich löchrig wie ein Schweizer Käse.“

Der CDU-Medienpolitiker Wolfgang Börnsen sprach von einem “Skandal“. “Ich erwarte von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, dass sie nach dem alarmierenden Bericht der Bundesnetzagentur umgehend ein umfassendes Konzept zur Eindämmung des Telefonterrors vorlegt“, sagte Börnsen der Zeitung “Schleswig-Holstein am Sonntag“. Polizei und Staatsanwaltschaften dürften auch nicht vor Hintermännern und Scheinfirmen im Ausland kapitulieren.

Bei der Bundesnetzagentur sind laut “SZ“ von Januar bis April 2010 mehr als 66 000 Beschwerden wegen unlauterer Geschäftspraktiken eingegangen. In den ersten vier Monaten des Vorjahres seien es nur 14 000 gewesen.

dpa

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