Trauung online: Webcams in Standesämtern

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Ein Ehepaar wird vor einer Webcam von der Leiterin des Standesamtes Monika Hochwald (r.) in Münster verheiratet. Die Trauung wird per Kamera, im Internet übertragen, so dass Verwandte in Russland die Zeremonie live verfolgen können.

Hamburg - Immer mehr deutsche Standesämter übertragen Trauungen im Internet. Auf Wunsch können Ehepaare das Ja-Wort live per Web-Kamera in alle Welt übertragen lassen.

Bisher gibt es diesen Service unter anderem in etwa in Düsseldorf, Gelsenkirchen, Grimma, Darmstadt oder Münster. “Aufregend ist das schon“, sagt Danica Reher, die in Münster vor einer Web-Kamera geheiratet hat. “Wir haben Bekannte, die nicht anreisen konnten. Einer schaute sich unsere Hochzeit online vom Baumarkt aus an.“ Und selbst konnte die 25-Jährige vor der Feier online “schon mal rumschnüffeln, was andere Bräute so anhaben“.

Den Anfang machte vor zehn Jahren die Stadt Münster. Etwa jedes zehnte Paar dort lässt die Kamera einschalten - Tendenz steigend. In Münster sind es noch Einzelbilder, die übertragen werden - alle 10 Sekunden eines und aus Datenschutzgründen ohne Ton. “Der Kuss muss mindestens solange dauern, sonst kriegt man ihn online nicht mit“, sagt Standesbeamtin Monika Hochwald. “Einige lächeln auch extra mal in die Kamera oder winken. Die Paare sind da ganz selbstbewusst.“ Nervös mache die Webkamera niemanden, sie selbst spüre nur so ein “kleines Kribbeln“.

Nicht immer kostenlos

In Münster ist die Online-Übertragung kostenlos. Das ist nicht überall so. In Füssen zum Beispiel kostet es 20 Euro und in Lüneburg, wo seit April fast jede zweite Trauung aus dem historischen Wasserturm ins Netz übertragen wurde, 50 Euro. Das Geld geht an einen Trägerverein, der die Technik bereitstellt. In Lüneburg wird in Echtzeit Ton und Bild übertragen, passwortgeschützt und sichtbar nur für informierte Gäste. Ein aufwendiges Verfahren, aber notwendig, meint die Leiterin des Standesamtes, Susanne Twesten. “Eine Hochzeit ist kein Theaterstück, sondern immer noch eine private Angelegenheit“. Dass nicht jedermann zuschauen kann, ist auch den Bezirks-Politikern in Hamburg-Altona wichtig, die vor kurzem den Beschluss zum Online-Heiraten fassten und für den Service eine Gebühr verlangen wollen. Hamburg wird damit voraussichtlich die erste deutsche Millionenstadt, die Online-Trauungen möglich macht.

Trauungen mit Web-Kameras gibt es nach bisher vorliegenden Informationen unter anderem in Düsseldorf, Gelsenkirchen, Bonn, Paderborn, Krefeld, Darmstadt, Hatten, Düren, Grimma, Füssen und bald in Hamburg-Altona. Eines gilt trotz moderner Technik aber weiter für alle Standesämter: Mann und Frau müssen zur Trauung persönlich anwesend sein. Das Online-Jawort gibt es noch nicht.

dpa

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