Mordprozess: Guido N. will doch aussagen

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Guido N. beim Betreten des Gerichtssaals.

Leipzig/Kraiburg - Überraschende Wende im Prozess gegen den mutmaßlichen Mehrfachmörder von Groitzsch vor dem Landgericht Leipzig: Guido N. will jetzt doch aussagen.

Nach dem überraschenden Rückzug von Erhard Frank als N.s Wahlverteidiger am Montag kündigte Pflichtverteidiger Malte Heise am Dienstag "eine umfassende Einlassung meines Mandanten" an. Das Landgericht Leipzig hatte am Nachmittag ein Fax aus dem Büro Heises erhalten. "Darin wird angekündigt, dass sich der Angeklagte zu den Sachverhalten und seiner Motivation öffnen will", bestätigte Landgerichtssprecherin Katrin Seidel.

Festnahme mutmaßlicher Mörder von Groitzsch

Guido N., der im September in Kraiburg festgenommen wurde, wollte bislang keine Aussage machen. Die Kehrtwende erklärte der Pflichtverteidiger als eine Reaktion auf das Gutachten Leygrafs. "Der Sachverständige kam ja zu der Einschätzung, dass der Angeklagte gemauert und taktiert hätte. Das hat ihn dazu bewogen, sich nun doch umfassend zu äußern. Er will Antworten auf alle im Verfahren möglicherweise interessanten Fragen geben. Vielleicht eröffnen sich dadurch auch für den Sachverständigen noch Möglichkeiten neuer Sichtweisen", so Heise. Anwalt Frank hatte am Montag sein Mandat niedergelegt, weil N. in seinem Schlusswort offenbar auf Notwehr plädieren würde, so Frank.

Sollte es zu der angekündigten Aussage des Tatverdächtigen kommen, ist nicht mehr sicher, dass es in dem Verfahren wie geplant am 12. April zum Urteilsspruch kommen kann. Seidel: "Der Vorsitzende Richter, Hans Jagenlauf, hat als Konsequenz des Faxes veranlasst, dass die Sachverständigen der Rechtsmedizin und der psychiatrische Gutachter am Donnerstag nochmals an dem Verfahren teilnehmen." Ob am siebten Verhandlungstag die Plädoyers gehalten werden können, hängt insbesondere davon ab, wie ausgiebig die Einlassungen des in Untersuchungshaft sitzenden 41-Jährigen sein werden. Und zu welchen ergänzenden Schlussfolgerungen die Gutachter Vladimir Wenzel und Carsten Hädrich als Rechtsmediziner und Prof. Norbert Leygraf als Forensiker kommen werden.

Der Prozess wird am heutigen Donnerstag um 9 Uhr fortgesetzt.

Thomas Lieb (Mühldorfer Anzeiger)

Quelle: rosenheim24.de

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