Verband: Bahn soll großzügig entschädigen

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Berlin - Der Fahrgastverband Pro Bahn hat die Deutsche Bahn aufgefordert, Fahrgäste aus überhitzten Zügen deutlich besser zu entschädigen als geplant. Reisegutscheine seien nicht angemessen.

“Die Bahn sollte sich großzügig zeigen“, sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung “Maybrit Illner“. “Reisegutscheine sind nicht angemessen.“

Die Bahn hat jenen Hitzeopfern, die ärztlich versorgt werden mussten, Fahrgutscheine in Höhe des Anderthalbfachen des ursprünglichen Fahrpreises zugesagt. Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg sagte ihm ZDF, man wolle auf die Betroffenen zugehen und mit ihnen über eine Wiedergutmachung ins Gespräch kommen.

Keine Mängel bei Wartung und Konstruktion

Am vergangenen Samstag waren in einem überhitzten ICE mit Temperaturen von mehr als 50 Grad mehrere Schüler kollabiert, neun von ihnen wurden in Bielefeld ins Krankenhaus gebracht. Wie die Bahn mitteilte, ist in der zurückliegenden Woche bei 48 Fahrten von Fernzügen die Klimaanlage ausgefallen. Die genaue Ursache für das Versagen ist noch nicht gefunden.

Die Bahn hatte kurz nach den dramatischen Ereignissen von Bielefeld eine gemeinsame Arbeitsgruppe mit den Herstellern gebildet. Sie entdeckte bei der überwiegend von Ausfällen betroffenen Baureihe ICE 2 weder Mängel bei der Wartung noch bei der Konstruktion. “Wir haben nicht ein defektes Bauteil gefunden“, sagte Homburg. “Warum diese Klimaanlagen ausfallen, das ist für uns nach wie vor nicht geklärt.“

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer in der Kritik

Offensichtlich entstehe in einem Kühlkreislauf ein Druck, der einen Sensor auslöse. Ab einer bestimmten Temperaturschwelle führe dies zu einer Abschaltung der Anlage. Später seien die Anlagen dann aber wieder funktionsfähig.

Angesichts der Klimaprobleme der Bahn hat Florian Pronold, bayerischer SPD-Chef und Vizevorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, das Krisenmanagement von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kritisiert. “Von einem Bundesverkehrsminister sollte man erwarten können“, dass er sehr schnell aufklärt und alles für die Sicherheit der Passagiere unternimmt, sagte Pronold der “Passauer Neuen Presse“. Doch Ramsauer habe lediglich gesagt, dass die Züge bei minus 40 Grad ebenso fahren müssten wie bei plus 40 Grad. “Das ist kein besonderer Beitrag zum Krisenmanagement.“

Bahnchef: Bei Fernzug-Wartung wurde nicht gespart

Bahnchef Rüdiger Grube hat Vorwürfe zurückgewiesen, ein Sparkurs für den geplanten Börsengang sei Schuld an den massiven Klimaanlagen-Problemen der ICE. Bei der Wartung der Fernzüge seien sowohl der Material- als auch der Personalaufwand in den vergangenen Jahren gestiegen, sagte Grube am Freitag im Deutschlandfunk. Für die Fernverkehrsflotte seien die Materialausgaben von 298 Millionen Euro 2004 auf 405 Millionen Euro im vergangenen Jahr gestiegen.

Der Personalaufwand sei von 84 Millionen auf 96 Millionen Euro erhöht worden. Grube betonte, dass bei der anstehenden Generalüberholung der 44 ICE-2-Züge wegen der Ausfälle überlegt werde, “ob es nicht besser ist, dass wir auch die Klimaanlage entsprechend überarbeiten.“ Der Bahnchef sagte mit Blick auf erwartete weitere Hitzetage: “Wir geben uns alle Mühe, dass so etwas nicht vorkommt.“ Völlig ausschließen könne er Klimaanlagen-Störungen aber auch nicht.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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