Vierfachmord: Geständnisse angekündigt

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Der Vorsitzende Richter der Jugendkammer am Landgericht Ulm, Gerd Gugenhan, neben den Prozessakten des Vierfachmordes.

Ulm - Im Prozess um den Vierfachmord von Eislingen wird es voraussichtlich ein Geständnis der beiden Angeklagten geben. Das haben jetzt die Verteidiger angekündigt.

Der 19-jährige Sohn der getöteten Familie und sein gleichaltriger Freund sollen in der Nacht zum Karfreitag aus Habgier die Eltern und die beiden Schwestern mit insgesamt 30 Schüssen getötet haben.

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Der Prozess vor dem Landgericht Ulm wurde am Montag nach dem Verlesen der Anklageschrift auf Donnerstag vertagt. Laut Anklage gehen auch mehrere Diebstähle auf das Konto der beiden jungen Männer. Weil sie bei den Diebestouren noch minderjährig waren, verhandelt das Gericht ohne Zuschauer. Nur wenige Journalisten dürfen den Prozess verfolgen. Die Verhandlung begann unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen und wurde kurz darauf unterbrochen. Denn der angeklagte Sohn beantragte den Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Richter zogen sich für einige Minuten zur Beratung zurück, lehnten den Antrag dann ab und setzten die Verhandlung fort.

Laut Anklageschrift wollte der zum Tatzeitpunkt 18-jährige Sohn ein sechsstelliges Guthaben seiner Mutter allein erben - daher habe er mit seinem Schulfreund die Familie erschossen: erst die beiden Schwestern beim Fernsehen, dann die aus einer Gaststätte heimkehrenden Eltern. Zwischendurch suchten die jungen Männer noch die Eltern in dem Lokal auf. Um die Tat zu verheimlichen, bauten sie laut Anklage Schalldämpfer aus Plastikflaschen. Am Tag nach der Tat alarmierte der 18-Jährige aufgelöst die Polizei und gab an, die Leichen seines 57 Jahre alten Vaters, seiner 55 Jahre alten Mutter sowie der beiden 22 und 24 Jahre alten Schwestern entdeckt zu haben. Die Angeklagten gerieten aber schnell ins Visier der Ermittler, weil Einbruchspuren fehlten und die Polizei bei beiden Angeklagten Schmauchspuren fand - Anzeichen für einen Schusswaffengebrauch. Später entdeckten die Fahnder auch die zuvor bei einem Einbruch in der Schützengilde Eislingen gestohlenen Tatwaffen in einem Versteck, das der Freund des Sohnes angegeben hatte. Bislang hatte nur der Freund seine Beteiligung an dem Vierfachmord zugegeben und den zur Tatzeit 18-Jährigen schwer belastet. Der Sohn der Familie gestand lediglich einem Gefängnismitarbeiter, an der Tat beteiligt gewesen zu sein, behauptete aber, selbst nicht geschossen zu haben.

Zum Prozessauftakt erschienen die beiden jungen Männer in Kapuzenpullovern vor Gericht. Der Freund des Sohnes hatte die Kapuze über den Kopf gezogen und die Arme vor dem Bauch verschränkt. Einen kurzen Blick wechselte er mit seinen im Gerichtssaal anwesenden Eltern.

Im Prozess tritt der Halbbruder des erschossen Vaters als Nebenkläger auf. Er wolle die Hintergründe der Tat erfahren, sagte er nach der Verhandlung der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er fügte hinzu: “Es regt mich auf, wenn die Kerle da drin sitzen wie die Lämmle und killen dann vier Stück.“

Bislang sind zwölf Verhandlungstage angesetzt, an denen zahlreiche Zeugen und Sachverständige gehört werden sollen. Ein Gutachter soll etwa die Schuldfähigkeit der Angeschuldigten klären - auch um früheren Angaben zufolge eine mögliche Sicherungsverwahrung zu prüfen. Als vorläufig letzter Prozesstag ist der 27. Januar vorgesehen. Dann soll voraussichtlich ein Urteil gesprochen werden.

dpa

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