Virologe empfiehlt Verlängerung der Sommerferien

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Der Virologe Alexander Kekulé empfiehlt die Sommerferien wegend er Schweinegrippe zu verlängern.

Frankfurt am Main - Zum Kampf gegen die Schweinegrippe hat der renommierte Virologe Alexander Kekulé eine Verlängerung der Schulferien angeregt. Sie seien Drehpunkte für Pandemien.

Auch Kindertagesstätten sollten einbezogen werden, da vor allem Schulen und Kitas die Drehpunkte einer Pandemie seien, sagte der Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle.

Das Bundeskabinett will kommende Woche die Impfverordnung beschließen, die ab Herbst zunächst bei Risikogruppen durchgeführt werden sollen. Die Zahl der bestätigten Schweinegrippefälle in Deutschland erhöhte sich bis zum Dienstagmittag um 786 auf 7.963, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Mittwoch mitteilte. Beim Großteil der Neuinfizierten, nämlich 597, handelt es sich weiterhin um Reiserückkehrer. Die meisten Erkrankungen gibt es mit 3.084 Fällen in Nordrhein-Westfalen.

Kekulé rechnet zum Ende der Schulferien mit einem rasanten Anstieg der Schweinegrippefälle. Die Grippe verbreite sich unter Kindern schneller, weil sie die Hygienemaßnahmen nicht so stark einhielten wie Erwachsene, sagte der Experte dem Onlineportal handelsblatt.com. In der Pandemie-Zwischenphase, in der man sich gerade befinde, sei die Ferienverlängerung eine naheliegende Maßnahme. Dies gelte aber nur, wenn die Zahl der eingeschleppten Fälle die der Ansteckungen vor Ort übersteige.

Längere Ferien in NRW

Nordrhein-Westfalen erwägt bisher als einziges Bundesland eine Verlängerung der Sommerferien, die dort am 16. August enden. Eine Entscheidung soll kommende Woche fallen. Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wo die Schule am Donnerstag wieder beginnt, sehen derzeit dagegen keinen Anlass, die Ferien zu verlängern. “Es gibt keine akuten Anzeichen für eine Gefährdung wegen der Schweinegrippe und damit keinen erheblichen Handlungsbedarf“, sagte der thüringische Kultusminister Bernward Müller im MDR. Auch in Sachsen soll der Unterricht am kommenden Montag starten.

Nächste Testphase für Impfstoff begonnen

Die Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums, Dagmar Kaiser, sagte, Mitte August werde das Kabinett die Impfverordnung beschließen, die unter anderem die Risikogruppen festlege. Empfohlene Schutzimpfungen seien Pflichtleistungen der Kassen. Die am RKI angesiedelte Ständige Impfkommission werde eine Empfehlung abgeben. “Ziel der Bundesgesundheitsministerin ist, dass jeder, der geimpft werden will, auch geimpft werden kann“, sagte Kaiser. Nach den Plänen der Behörden sollen zunächst chronisch Kranke wie Asthma-, Herz-Kreislauf- und Diabetes-Patienten und Schwangere sowie Beschäftigte im Gesundheitswesen, bei Feuerwehr und Polizei geimpft werden.

Das in Deutschland für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut wehrte sich unterdessen hat gegen den Vorwurf, Impfstoffe gegen die Schweinegrippe würden ungeachtet des Risikos möglicher Nebenwirkungen, vor allem bei kleinen Kindern und Schwangeren, im Schnellverfahren freigegeben. Im Deutschlandradio Kultur erklärte Behördenpräsident Johannes Löwer, die notwendigen Daten für die Produktion lägen vor, Ende September sei mit den ersten Zulassungen zu rechnen. Es habe bereits großflächige Immunisierungen gegen andere Grippeviren gegeben. Die Arzneimittelhersteller treiben ihre Entwicklung voran: Das Schweizer Unternehmen Novartis begann die nächste Testphase zur Entwicklung eines Impfstoffes. Einer Person in Großbritannien sei vor etwa zehn Tagen erstmals der Wirkstoff injiziert worden, teilte Novartis-Sprecher Eric Althoff mit. Der Impfstoff soll ein Jahr lang an etwa 6.000 Personen getestet werden, die Markteinführung soll aber wahrscheinlich bereits vor Abschluss aller Tests erfolgen.

AP

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