Wasser Marsch: Kölner U-Bahn soll geflutet werden

Köln - Wasser marsch: Die Flutung der gefährdeten U-Bahn-Baustelle in der Kölner Innenstadt soll am Samstagmittag beginnen.

Nach dem Pfusch beim Bau der Kölner U-Bahn machen die Verkehrs-Betriebe ernst: Die vorsorgliche Flutung einer der gefährdeten Baugruben in der Innenstadt beginnt am (morgigen) Samstag um 12.00 Uhr. Weil sich der Grundwasseranstieg trotz steigenden Rhein-Pegels in den vergangenen Stunden etwas verlangsamt hat, handele es sich allerdings nur um eine erste Stufe, erklärten Stadt und KVB am Freitag. Ob und wann die Baugrube komplett geflutet wird, soll abhängig von der weiteren Entwicklung des Grundwasserstandes entschieden werden. Die Vorbereitungen für ein schnelles Einschreiten seien aber bereits getroffen, hieß es weiter. Dazu zähle etwa das Aufstellen von Gerüsten für zusätzliche Schlauchleitungen, über die im Bedarfsfall auch Rheinwasser in die Baustelle gepumpt werden könne.

Eisenbügel gestohlen

Die Schutzmaßnahme ist nach Meinung von Experten nötig, da in den Wänden des Bauschachts am Heumarkt ein Großteil stabilisierender Eisenbügel fehlt. Mitarbeiter der zuständigen Baufirma sollen diese gestohlen und an Schrotthändler verkauft haben. Durch die Flutung der Baustelle soll der steigende Grundwasserdruck auf die seitlichen Schlitzwände des Bauwerks ausgeglichen und die Grube hochwasserfest gemacht werden. Bis Sonntagfrüh werden den Angaben zufolge in einem ersten Schritt 14,5 Millionen Liter Wasser eingepumpt. Sorgen machen müssten sich die Anwohner aber nicht, erklärten Stadt und KVB. Es komme weder zu einem Überlaufen der Baustelle, noch sei die Grube einsturzgefährdet. Auch der Bahnverkehr werde durch die vorsorglichen Sicherheitsmaßnahmen nicht beeinträchtigt. Die Vorflutung am Samstag ermöglicht es der KVB zufolge auch, die ursprünglich erst für Mitte März geplante Betonierung der Zwischendecke in dem Haltestellenbauwerk bereits am Dienstag zu beginnen. Durch die betonierte Decke soll die Stabilität des Gesamtbauwerks soweit erhöht werden, dass es auch für extreme Hochwasserlagen abgesichert ist.

Unsicherheit groß

Knapp ein Jahr nach dem Einsturz des Stadtarchivs, das an einer der vom Pfusch betroffenen U-Bahn-Baustellen lag, ist die Unsicherheit in Köln groß. Bei dem Unglück starben zwei Menschen; zahllose wertvolle Unterlagen, Briefe und Fotos wurden verschüttet. Die genaue Ursache für den Einsturz ist trotz monatelanger Ermittlungen noch unklar. Die fehlenden Eisenbügel sollen laut Staatsanwaltschaft nicht der Grund sein. Die Stadt bezifferte den Gesamtschaden des Einsturzes auf mindestens eine halbe Milliarde Euro. Die Restaurierungsarbeiten dürften nach Einschätzung noch bis zu 50 Jahre dauern.

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