Weitere Ermittlungen gegen mutmaßliche NS-Verbrecher

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Josias Kumpf, der ebenfalls Wachmann im Zwangsarbeitslager Trawniki gewesen war, bestritt bis zu seinem Tod im Jahr 2009, an der Ermordung von 8000 Juden beteiligt gewesen zu sein.

Ludwigsburg/München - Die Ludwigsburger Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen hat die Ermittlungen gegen zwei weitere mutmaßliche Nazi-Täter abgeschlossen.

Ohne Einzelheiten zu nennen, bestätigte der Leiter der Zentralstelle, Kurt Schrimm, am Samstag entsprechende Medienberichte. Laut “Spiegel“ sind Vorermittlungen gegen einen ehemaligen Bundesbeamten beendet. Die Ergebnisse würden an die Staatsanwaltschaft Dortmund geleitet. Der Beschuldigte soll zwischen Ende November 1941 und Frühjahr 1943 als Aufseher im NS-Vernichtungslager Belzec in Polen an der Ermordung von mindestens 430 000 Juden mitgewirkt haben.

Wie die “Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Samstag) berichtet, hat die Zentralstelle auch ihre Ermittlungen gegen einen im US-Bundesstaat Michigan wohnenden gebürtigen Ukrainer abgeschlossen. Ob er angeklagt wird, muss dem Bericht zufolge die Staatsanwaltschaft München entscheiden. Das Verfahren sei von Ludwigsburg angekündigt, bestätigte die Münchner Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger am Sonntag. “Der Vorgang wird von uns geprüft werden.“ Der letzte inländische Wohnsitz des Mannes sei im Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft München I gewesen, die damit das Verfahren zur Prüfung bekomme. Der Mann hat nach Erkenntnissen der Ludwigsburger Ermittler für die deutschen Besatzer in der Ukraine als Hilfspolizist gearbeitet. 1942 habe er eigenhändig einen Juden erschossen. Eine Notiz darüber soll Ende Januar noch mit handschriftlichen Notizen des Beschuldigten im ukrainischen Lemberg abgeglichen werden.

In München laufen darüber hinaus Vorermittlungen gegen einen weiteren mutmaßlichen Helfer der Nazis, der wie der mutmaßliche NS-Verbrecher John Demjanjuk im SS-Lager Trawniki zum Wachmann ausgebildet worden sein soll. Den bisherigen Erkenntnissen zufolge kannte er Demjanjuk. Dieser war als Rotarmist in die Hände der Deutschen gefallen, ehe er sich zur Kollaboration entschlossen und zum “Hilfswilligen“ geworden sein soll. Der gebürtige Ukrainer muss sich in München wegen Beihilfe zum Mord an 27 900 Juden im Vernichtungslager Sobibor verantworten. Der Prozess gegen ihn wird am Dienstag (19. Januar) mit der Vernehmung von zwei Sobibor-Überlebenden fortgesetzt.

Im Fall des mutmaßlichen Aufsehers im NS-Vernichtungslager Belzec, dessen Verfahren nun in Dortmund geführt wird, zitiert der “Spiegel“ aus dem Ermittlungsgericht. Danach soll ein mittlerweile gestorbener Kamerad ausgesagt haben, dass der Beschuldigte selbst mehrere Juden erschossen habe - einmal Angehörige eines Arbeitskommandos und einmal Häftlinge nach einem Fluchtversuch. Ein Überlebender von Belzec habe ihn als “einen der größten Mörder“ im Lager bezeichnet. Der Aufseher lebt dem “Spiegel“- Bericht zufolge fast 90-jährig als Ruhestandsbeamter in der Nähe von Bonn. Zuvor habe er als Amtsgehilfe im Bundesministerium für Raumordnung und Städtebau gearbeitet.

dpa

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