Die wichtigsten Akteure im Sauerland-Prozess

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Düsseldorf - Die vier Islamisten der Sauerland-Gruppe müssen für lange Jahre ins Gefängnis. Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Akteure in dem fast einjährigen Mammutprozess.

Ihre Autobomben sollten vor US-Einrichtungen in Deutschland Hunderte von Menschen in den Tod reißen. Nun müssen die vier Islamisten der Sauerland-Gruppe für lange Jahre ins Gefängnis. Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Akteure in dem fast einjährigen Mammutprozess am Düsseldorfer Oberlandesgericht.

ANGEKLAGTE

Fritz Gelowicz: Der 30-jährige Wirtschaftsingenieurstudent hat vor Gericht seine Führungsrolle in der Sauerland-Gruppe eingeräumt. “Ich wurde zum Anführer der Operation bestimmt,“ erklärte er. Der Konvertit aus Ulm entschloss sich nach eigener Aussage während seiner Terror-Ausbildung bei der Islamischen Dschihad Union (IJU) 2006 in Pakistan zu den Anschlägen. Von der Festnahme im September 2007 sei er überrascht gewesen: “Ich war fest überzeugt, dass alles klappen würde“, sagte er. In seinem Schlusswort sagte sich der 30-Jährige vom Terrorismus los und versprach, sich künftig von der IJU fernzuhalten. Unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung wurde Gelowicz zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Daniel Schneider: Er galt als fröhlicher HipHopper aus der saarländischen Provinz, doch mit seiner Festnahme richteten sich die Augen der gesamten Republik auf den zum Islam konvertierten jungen Mann. Als das Versteck der Terroristen gestürmt wurde, floh der heute 24-Jährige durch ein Fenster. Einem Polizisten entriss er dabei die Waffe und schoss auf ihn. Die Kugel verfehlte den Beamten jedoch. Schneider zeigte sich vor Gericht reumütig. Er bedauere sein Handeln sehr, betonte er. Bei dem Beamten entschuldigte er sich. Schneider muss für zwölf Jahre hinter Gitter.

Adem Yilmaz: Der türkische Staatsbürger, der zuletzt im hessischen Langen lebte, verzichtete als einziger der Angeklagten auf ein Schlusswort. Zu Beginn des Prozesses im April machte der 31-Jährige vor allem durch diverse Eklats von sich reden. So weigerte er sich unter anderem, beim Eintreten des Senats und zur Vereidigung der Dolmetscher aufzustehen und kassierte dafür mehrere Wochen Ordnungshaft. Die Vorwürfe gegen ihn räumte Yilmaz allerdings ebenso wie seine Komplizen umfassend ein. Bereits seit Oktober 2003 sei er fest entschlossen gewesen, sich am Dschihad zu beteiligen, gab er zu Protokoll. Gelowicz lernte Yilmaz im Ausbildungslager der IJU kennen. Der Staatsschutzsenat verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von elf Jahren.

Attila Selek: Der 25-Jährige hielt sich seit Februar 2007 in der Türkei auf und war beim Bombenbau im Sauerland nicht dabei. Nach Erkenntnissen der Ermittler war der gelernte Autolackierer jedoch für die Beschaffung der insgesamt 26 Sprengzünder verantwortlich, die bei der Festnahme seiner drei Mitangeklagten sichergestellt wurden. Im November 2007 wurde der in Ulm geborene deutsche Staatsbürger in der anatolischen Stadt Konya gefasst und etwa ein Jahr später nach Deutschland ausgeliefert. Er hatte sich vor Gericht deutlich von den Anschlagsplänen distanziert und erklärt, er wolle damit aus heutiger Sicht nichts mehr zu zu tun haben. Selek muss für fünf Jahre ins Gefängnis.

BUNDESANWALTSCHAFT

Volker Brinkmann: Der Chefankläger vertrat in dem fast einjährigen Prozess im Hochsicherheitstrakt die Bundesanwaltschaft. Unterstützt wurde er von Oberstaatsanwältin Cornelia Zacharias und Staatsanwalt Ralf Setton. Der in Terrorprozessen erfahrene Jurist war unter anderem bereits Ankläger im Verfahren gegen vier algerische Islamisten, die 2003 wegen der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags in Straßburg zu Haftstrafen zwischen zehn und zwölf Jahren verurteilt wurden. Auch beim Prozess gegen den “Kalifen von Köln“, Metin Kaplan, vertrat er 2000 die Anklage. Für die Sauerland-Terroristen hatte er Haftstrafen zwischen fünfeinhalb und 13 Jahren gefordert.

VORSITZENDER RICHTER

Ottmar Breidling: Seit November 1996 ist der 63-Jährige Vorsitzender Richter des 6. Strafsenats am Oberlandesgericht Düsseldorf. Der für seine straffe und energische Verhandlungsführung bekannte Jurist hat dort reichlich Erfahrung mit Terror-Prozessen gesammelt - unter anderem im Prozess gegen die Mitglieder der deutschen Al-Tawhid-Zelle und zuletzt gegen den so genannten Kofferbomber, den der Senat zu lebenslanger Haft verurteilte. Der Richter leitete auch das Verfahren gegen den “Kalifen von Köln“. Breidling, der in einem Medienbericht einmal als “Richter Tacheles“ bezeichnet wurde, ist dafür bekannt, die Vorworte seiner Urteilsbegründungen auch für deutliche Kritik am Gesetzgeber zu nutzen.

DAPD

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