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Drosten: „Bin schon ziemlich besorgt im Moment“

Wie ansteckend ist Omikron? Das musst Du über die neue Corona-Variante wissen

Omikron-Variante des Coronavirus
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Die neuartige Omikron-Variante ist in Deutschland am Wochenende erstmals nachgewiesen worden.

Die neue Coronavirus-Variante Omikron beschäftigt die Politik und die Wissenschaft. Genau wie die Delta-Variante scheint sie sich rasch auszubreiten. Was bislang über das Virus bekannt ist, das zuerst von Ärzten und Virologen in Südafrika nachgewiesen wurde, erfahrt Ihr hier.

  • Die neuartige Omikron-Variante ist am Wochenende erstmals in Deutschland nachgewiesen worden
  • Die WHO stuft das Risiko einer globalen Ausbreitung als „sehr hoch“ ein
  • Was über Omikron bislang bekannt ist, erfährst Du hier

München - Deutschland befindet sich mitten in der vierten Corona-Welle. Die Lage ist dramatisch, alleine am Montag (29. November) gab das RKI knapp 30.000 Neuinfektionen binnen eines Tages bekannt. Und während die Krankenhäuser immer voller werden und Intensivpatienten aus Oberbayern in andere Bundesländer verlegt werden müssen, wurden erste Fälle der Omikron-Variante in Deutschland nachgewiesen.

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Wie Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Samstag zur Auskunft gab, sei bei zwei Reiserückkehrern aus Südafrika die Variante nachgewiesen worden. Die beiden Reisenden seien am 24. November am Flughafen in München eingetroffen. Sein Ministerium forderte alle Passagiere des betreffenden Fluges sowie generell alle Rückkehrer aus Südafrika auf, sich mit ihrem zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung zu setzen.

Omikron: Weiterer Fall am Sonntag

Am Sonntag informierte das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) dann über einen weiteren Virus-Varianten-Nachweis. Am Freitag waren bei einem ankommenden Flug aus Kapstadt zwei der 50 Reisenden bei PCR-Tests am Flughafen in München positiv getestet worden. Eine Reiseanamnese und ein VOC-PCR-Test ergaben nach Angaben des LGL einen hochgradigen Verdacht auf die Omikron-Variante bei einem der positiv getesteten Reisenden. Das Ergebnis der Genomsequenzierung steht noch aus.

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Über die Omikron-Variante ist erst seit Freitag (26. November) bekannt, dass es sie überhaupt gibt. Doch schon wenige Tage später gibt es international mehrere Nachweise. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte das Risiko der außergewöhnlich viele Veränderungen im Erbgut tragende Abwandlung am Montag (29. November) als „sehr hoch“ ein. Die Wahrscheinlichkeit einer globalen Ausbreitung sei groß.

Wie ansteckend ist die neue Omikron-Variante?

Sicher kann das noch nicht abschließend gesagt werden. Omikron (auch B.1.1.529 genannt) hat Mutationen in der Nähe der sogenannten Furin Cleavage Site, einer Region, die eine Rolle bei der Aufnahme des Virus in menschliche Zellen spielt. Eine verbesserte Übertragbarkeit durch diese Änderungen sei denkbar, erklärt der Berliner Virologe Christian Drosten. „Ich bin schon ziemlich besorgt im Moment“, sagte Drosten am Sonntagabend im ZDF-“heute journal“. Man wisse nicht all zu viel über die neue Variante. Berichte über milde Verläufe hätten noch nicht sehr viel Substanz angesichts von nur gut 1000 Fällen. Hier müsse man die klinischen Verläufe abwarten.

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Aus den Zahlen in Südafrika allein lasse sich nicht zwingend auf eine erhöhte Übertragbarkeit schließen, unter anderem da das Infektionsgeschehen dort zuletzt stark reduziert gewesen sei und neu auftretende Ausbrüche vor so einem sehr kleinen Hintergrund übergroß erscheinen könnten.

Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC hält die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Einschleppung und Verbreitung der Variante in Europa für hoch. Zu bedenken beim Thema Verbreitung ist auch: Der geografische Ursprung von Omikron muss nicht in Südafrika liegen, wie Drosten erklärt. „Angrenzende Länder, die starke Reiseverbindungen mit Südafrika unterhalten, haben eine geringer ausgeprägte Virusüberwachung als Südafrika.“ Zudem liege der Flughafen Johannesburg in der Provinz, in der das Virus in Südafrika zuerst bemerkt wurde.

Wie gut schützen die derzeit verwendeten Impfstoffe gegen Omikron?

Die Laboruntersuchungen der Impfstoff-Hersteller laufen im Moment auf Hochtouren, mit ersten Ergebnissen kann in etwa zwei Wochen gerechnet werden. Die genetischen Eigenschaften von Omikron lassen Experten aber um den Impfschutz bangen. Die neuartige Virus-Variante besitzt Mutationen an mehreren dafür entscheidenden Stellen. „Nach derzeitigem Ermessen sollte man davon ausgehen, dass die verfügbaren Impfstoffe grundsätzlich weiterhin schützen“, so Drosten.

Laut dem Virologen sei aber besonders der Schutz einer Impfung gegen schwere Erkrankungen robust bei Virusveränderungen.

Auch für Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) bleibt die Impfung trotz einer eventuell verringerten Wirksamkeit die beste Option. „Alle Menschen, die sich impfen lassen, fangen nicht bei null an, wenn sie sich mit einer neuen Variante infiziert haben.“ Geimpfte Menschen hätten in jeden Fall schon einen gewissen Impfschutz, dass sei wichtig zu wissen.

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Laut Leif Erik Sander, seines Zeichens Infektionsimmunologe in Berlin, hat Omikron viele Veränderungen an Stellen, an denen gerade die besten Antikörper binden können. „Aber unser Körper bildet eine Unmenge an verschiedenen Antikörpern.“ Hinzu kämen spezielle Zellen der Immunabwehr, die in der Regel ganz andere Stellen erkennen als die Antikörper. „Also wir haben immer ein Netz und einen doppelten Boden“, sagte der Immunologe der Berliner Charité.

Wie sieht es beim Risiko für eine erneute Corona-Infektion aus?

„Die Genom-Veränderungen weisen darauf hin, dass dieses Virus einen Immunescape zeigen könnte“, erklärt Drosten. Das Geschehen in Südafrika lasse darauf schließen, dass Omikron eine gegenüber anderen Sars-CoV-2-Varianten aufgebaute Immunabwehr umgehen könnte. Die aktuell nachgewiesenen Infektionen seien im hohen Maße bei vorher bereits Genesenen nachgewiesen worden. es stecken sich also Menschen an, die schon mit Delta oder einer anderen Variante infiziert waren.

Wichtig zu wissen ist aber auch, wie Drosten betont: Für einen kompletten Ausfall des Immunschutzes wären nach wissenschaftlichem Kenntnisstand noch „bedeutend viel mehr Mutationen“ im Spike-Protein erforderlich.

Erkranken mit Omikron Infizierte schwerer?

„Für eine veränderte Krankheitsschwere gibt es derzeit keine Hinweise“, betont Drosten, Leiter der Virologie in der Berliner Charité. Nach Angaben der Mediziner-Vereinigung SAMA in Südafrika erkrankten die dort Betroffenen bisher nicht schwerwiegender. Allerdings stehen die Analysen dazu noch am Anfang, Südafrika hat zudem andere Grundvoraussetzungen - etwa eine andere Altersstruktur - als Länder wie Deutschland. Hinzu kommt, dass sich in Südafrika großteils Menschen infizierten, die schon von einer anderen Variante genesen waren, also schon einen gewissen Immunschutz haben.

Aussagen über den Krankheitsverlauf seien derzeit nicht möglich, sagt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI). „Dazu haben wir momentan einfach zu wenige Fälle.“

Wenn so viele Dinge zu B.1.1.529 noch gar nicht genau bekannt sind, warum sofort die große internationale Besorgnis?

Omikron trägt so viele Mutationen wie noch von keiner Variante zuvor bekannt, davon allein mehr als 30 beim Spike-Protein, über das das Virus an menschliche Zellen andockt. Gegen das Spike-Protein bildet der Körper bei einer Ansteckung mit dem Virus Antikörper. Auch viele der Impfstoffe regen das Immunsystem zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein an. Hinzu kommen - neben weiteren mit unbekannten möglichen Folgen - die Mutationen nahe der schon genannten Furin Cleavage Site.

Omikron vereine erstmals kritische Mutationen in der Rezeptorbindungsstelle aus den Varianten Alpha (erstmals nachgewiesen Ende 2020 in England), Beta (Südafrikanische Epidemie im zweiten Halbjahr 2020), Gamma (Brasilien 2020) und Delta (Indien 2021 und jetzt global vorhanden), erklärte Drosten. Für eine Bewertung und Einordnung der Veränderungen brauche es nun weitere Daten. Reisebeschränkungen als Vorsichtsmaßnahme hält der Virologe für sinnvoll: „Eine Kontrolle der Verbreitung durch Unterbindung von Flugverbindungen nach Deutschland ist in der Frühphase der Einschleppung von Infektionen wirksam und damit zum aktuellen Zeitpunkt gerechtfertigt.“

Wie läuft der Nachweis von Omikron?

Mit einem herkömmlichen PCR-Test lässt sich lediglich feststellen, ob eine Infektion mit Sars-CoV-2 vorliegt, nicht mit welcher Variante. Daneben gibt es variantenspezifische PCR-Testungen, mit denen sich bereits bekannte Virusvarianten wie Delta erkennen lassen. Dabei werden charakteristische Mutationen meist innerhalb des Spike-Proteins mittels PCR erfasst.

Omikron weist eine bestimmte Veränderung auf, die sich dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge in einzelnen diagnostischen Tests ähnlich wie bei der Alpha-Variante darstellen kann. Alpha ist derzeit in Deutschland und anderen Ländern kaum noch verbreitet, die Variante wurde von Delta weitgehend verdrängt - was einen Nachweis von Omikron bei anschlagendem Test wahrscheinlich macht. Bis zu einem speziell für Omikron geschaffenen Test gebe aber nur eine Gesamtgenomsequenzierung absolute Sicherheit, heißt es vom RKI.

Warum Omikron und nicht Ny als Name?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) benennt auffällige Varianten von Sars-CoV-2 seit einiger Zeit nach den Buchstaben des griechischen Alphabets. Damit soll verhindert werden, dass die Orte, an denen die Varianten erstmals auftreten, als Bezeichnung verwendet und sprachlich an den Pranger gestellt werden. Der Reihenfolge nach hätte nun Ny folgen sollen - doch die WHO ließ diesen und auch gleich den folgenden Buchstaben Xi aus. Warum?

Ny, das auf Englisch Nu heißt, klinge zu sehr nach „new“ (deutsch: „neu“) und wäre daher missverständlich gewesen, hieß es dazu von der WHO. „Xi wurde nicht verwendet, weil es ein verbreiteter Nachname ist.“ Virus-Bezeichnungen sollten keine ethnischen oder regionalen Gruppen verletzen. Wobei Xi zwar in China und in Ländern mit Han-chinesischer Bevölkerung gebräuchlich ist, aber zumindest in China kein sehr häufiger Name. Es gibt allerdings einen sehr wichtigen Namensträger: den chinesischen Staatschef Xi Jinping.

Bayern kämpft gegen Corona-Welle

Im besonders von der vierten Welle getroffenen Bayern kämpfen Ärzte, Pflegepersonal und Politik derweil mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Folgen des Virus. Die nicht nachlassenden Corona-Zahlen und die Ankunft der noch weitgehend unerforschten Omikron-Virusvariante aus dem südlichen Afrika verschärft die Befürchtungen vor noch schlimmeren Folgen der Corona-Pandemie. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verlangte in der „Augsburger Allgemeinen“, ganz Deutschland müsse nun deutlich heruntergefahren werden. Ebenso forderte Söder am Sonntag (28. November) einen Lockdown für Corona-Hotspots über den 15. Dezember hinaus.

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fgr/dpa

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