Winnenden: „Lachhafte“ Schadensersatz-Forderungen?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Hans Steffan (l) und Hubert Gorka, die Anwälte des Vaters von Tim K., dem Amokläufer von Winnenden, hatten Revision gegen das Urteil eingelegt.

Karlsruhe - Der Vater des 17-jährigen Amokläufers von Winnenden hat sich erstmals zu den Schadensersatz-Forderungen gegen ihn geäußert.

Die Stadt Winnenden verlangt 15 Millionen Euro von ihm; hinzu kommen noch Forderungen von Angehörigen der Opfer. „Ich weiß nicht, was die meinen, wie viel Geld ich habe. Was die Stadt Winnenden da macht, ist lachhaft, einfach unvorstellbar“, zitiert das Magazin „Focus“ in einer Vorabmeldung Jörg K.

Er fügte hinzu: „Jeder logisch denkende Mensch weiß, dass ich das nicht zahlen kann.“ Bei einem neu aufgerollten Prozess hoffe er auf ein milderes Urteil. „Schlechter kann es für mich nicht ausgehen“, sagte Jörg K. dem „Focus“.

Die Stadt hatte die Forderung mit einer rechtlichen Verpflichtung begründet. Die Stadt verhandelt mit den Versicherungen der Eltern von Tim K., der am 11. März 2009 insgesamt 15 Menschen und sich selbst mit der Waffe seines Vaters erschossen hatte.

Das Landgericht Stuttgart hatte K. im Februar 2011 wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen und fahrlässiger Körperverletzung in 14 Fällen zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Der passionierte Sportschütze habe die Waffe und große Mengen an Munition einfach herumliegen lassen, obwohl er um die psychischen Probleme seines Sohnes wusste, hieß es damals zur Begründung. Dagegen hatten die Verteidiger Revision eingelegt.

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hatte das Urteil gegen den 53-Jährigen mehr als drei Jahre nach der Bluttat seines Sohnes Tim wegen eines Verfahrensfehlers aufgehoben (Az.: 1 StR 359/11). Begründung: Die Verteidigung habe keine Gelegenheit gehabt, eine Familientherapeutin als wichtige Zeugin zu befragen.

Amoklauf in Realschule bei Stuttgart

Amoklauf in Realschule bei Stuttgart

Hoffnungen setzt der 53-Jährige dem Bericht zufolge vor allem auf die Befragung der Ärzte und Therapeuten, die seinen Sohn 2008 in einer psychiatrischen Klinik untersucht hatten. In ihrem Abschlussbericht schlossen sie den Angaben nach aus, dass von dem Teenager eine Gefahr ausgehe. „Die haben nichts gemerkt“, sagte der Vater. „Aber der Bericht kam in der Verhandlung gar nicht zur Sprache.“ Er hoffe, dass die Rolle der Ärzte nun intensiver erörtert wird. „Vielleicht kommt jetzt die Wahrheit über die Vorgänge in der Klinik heraus.“

„Es wird ja nur noch das verhandelt, was bislang nicht besprochen wurde“, sagte Jörg K. dem „Focus“ angesichts des Vorwurfs, der neue Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht sei ein weiterer Schlag für die Angehörigen der Opfer. Der Amoklauf seines Sohnes am 11. März 2009 werde „keine direkte Rolle“ mehr spielen. „Was da passiert ist, weiß man ja.“

dapd/dpa

Zurück zur Übersicht: Deutschland

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser