Zölibat-Diskussion: Bischöfe uneins

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ZdK-Präsident Alois Glück ist für eine Lockerung des Zölibats.

München - In der Front der Oberhirten zeigen sich zum Thema Zölibat Risse, nachdem nicht nur der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke ihn infrage stellte.

Weihbischof Jaschke plädierte nach den Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen dafür, auch katholischen Priestern die Ehe zu erlauben. Eine Koexistenz von Zölibat und verheirateten Geistlichen sollte möglich sein, sagte der Weihbischof im “Hamburger Abendblatt“ (Samstag). Verheiratete Priester könnten die katholische Kirche bereichern. Er könne sich vorstellen, dass sie Sorgen und Anliegen von Familien besser verstehen könnten, erklärte Jaschke.  

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Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, spricht sich ebenfalls für eine Debatte über eine Lockerung des Zölibats aus. Mit diesem Vorstoß zur bisher vorgeschriebenen Ehelosigkeit der Priester setzt sich der oberste Vertreter der katholischen Laien klar in Widerspruch zur Position der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Die Kirche müsse “Konsequenzen struktureller Art ziehen und dabei reflektieren, ob es kirchenspezifische Bedingungen gibt, die den Missbrauch begünstigten“, sagte Glück der “Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). “Dazu gehört zweifellos eine Auseinandersetzung mit dem ganzen Thema Sexualität, angefangen vom Umgang damit bis hin zur Auswahl des kirchlichen Personals.“ Die Lockerung des Pflichtzölibats sei “ein Weg“, sagte Glück. Allerdings sei damit das Problem nicht gelöst. Die Vielzahl von Missbrauchsfällen nannte der ZdK-Präsident einen Albtraum: “Es ist die schwerste Belastung unserer Kirche, seit ich denken kann.“

“Man kann der Zölibatsfrage nicht mehr ausweichen - vor allem auch wegen des weltweiten Priestermangels“, meinte auch Sprecher Christian Weisner von der Reformbewegung “Wir sind Kirche“ und begrüßte Glücks Vorstoß.

Der DBK-Vorsitzende Robert Zollitsch will jedoch offenbar eine neue Debatte über die Verpflichtung der Priester zu sexueller Enthaltsamkeit vermeiden. Mit dem Zölibat hätten die bekanntgewordenen Missbrauchsfälle nach Ansicht aller Fachleute nichts zu tun, hatte Zollitsch am vergangenen Freitag nach seiner Audienz bei Papst Benedikt XVI. betont. Und er liegt damit ganz auf der Linie des Papstes. Kurz nach seiner Wahl zum DBK-Vorsitzenden Anfang 2008 hatte der Freiburger Erzbischof Zollitsch sich in einem “Spiegel“-Interview noch gegen “Denkverbote“ ausgesprochen und den Zölibat als “nicht theologisch notwendig“ bezeichnet. Das hatte ihm prompt massive Kritik streng konservativer Bischöfe wie Gerhard Ludwig Müller (Regensburg) oder Walter Mixa (Augsburg) eingetragen.

Der Weihbischof des Bistums Erfurt, Reinhard Hauke, hält dagegen die Fahnen für die Ehelosigkeit hoch. Im MDR 1 Radio Thüringen äußerte er die Sorge, mit dem Zölibat könne der katholischen Kirche ein sehr kostbarer Wert verlorengehen.

dpa

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