Demenzkranker erschlägt Ehefrau - und vergisst alles

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Das Urteil gegen den Rentner soll voraussichtlich am 27. Mai gesprochen werden.

Essen - Sechs Monate nachdem ein demenzkranker Rentner seine ebenfalls an Gedächtnisverlust leidende Ehefrau getötet hat, hat am Landgericht Essen der Prozess gegen den 73-Jährigen begonnen.

Zum Prozessauftakt erklärte der Mann am Freitag, dass er keinerlei Erinnerung an die Bluttat habe. Wörtlich sagte er den Richtern: “Ich weiß gar nichts mehr.“ Der Kranke soll im November 2008 seine 80- jährige, demenzkranke Frau mit zwei gefüllten Mineralwasserflaschen erschlagen haben. Tatort war die gemeinsame Wohnung in Essen.

Die Staatsanwaltschaft geht bereits jetzt von der völligen Schuldunfähigkeit des Mannes aus und hat die unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie beantragt. Der 73-Jährige hatte seine bettlägerige Ehefrau jahrelang gepflegt. “Meine Frau war das Wichtigste in meinem Leben“, sagte er den Richtern. Er habe ihr die Medikamente eingeteilt, sie gewaschen und umsorgt. “Ich habe alles getan, was mir möglich war.“ Nach Angaben einer Nachbarin und der Putzfrau war der Mann zuletzt allerdings eindeutig überfordert. Er sei selbst immer vergesslicher geworden und habe schließlich auch über betreutes Wohnen nachgedacht, berichteten die Zeugen. Damit sei seine Ehefrau aber nicht einverstanden gewesen.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte der 73-Jährige am Morgen des 21. November 2008 mehrfach auf Kopf und Stirn seiner Frau eingeschlagen. Dabei seien die Wasserflaschen zerbrochen. Anschließend hatte der Rentner versucht, sich ebenfalls umzubringen. Seine Putzfrau fand ihn mit aufgeschnittenen Pulsadern. Während sein Leben gerettet werden konnte, kam für seine Ehefrau jede Hilfe zu spät.

Der Rentner hatte lange Zeit nicht wahrhaben wollen, dass er seine Ehefrau tatsächlich getötet hat. Den Richtern sagte er im Prozess: “Wenn Sie das aber sagen, dann muss ich das glauben.“ Das Urteil soll voraussichtlich am 27. Mai gesprochen werden.

dpa

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