Mutter schweigt zum Hungertod der kleinen Sarah

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Die wegen gemeinschaftlichen Mordes mit Mißhandlung Schutzbefohlener angeklagte Angela R. sitzt am Montag im Landgericht Nürnberg-Fürth.

Nürnberg - Die drei Jahre alte Sarah ist zum Skelett abgemagert, als sie im August 2009 stirbt. Das Landgericht Nürnberg-Fürth will nun ihre Mutter zur Verantwortung ziehen. Doch die schwer kranke Frau schweigt.

Im Prozess um den Hungertod der kleinen Sarah hat ihre 27 Jahre alte angeklagte Mutter die Aussage verweigert. Sie werde sich nicht äußern, ließ sie am Montag vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth über ihre Anwältin mitteilen. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft noch einmal den Leidensweg des Mädchens nachgezeichnet, das im August 2009 starb: Ausgehungert, ungewaschen und verkrüppelt kam die drei Jahre alte Sarah aus Thalmässing ins Krankenhaus, wo die Mediziner sie nicht mehr retten konnten.

Warum vernachlässigte die Familie das Mädchen derart? Die Kammer unter Vorsitz von Richard Caspar will diese Frage in einem langen Prozess klären. Im vergangenen Herbst galt Sarahs Mutter wegen einer schweren Erkrankung als nicht verhandlungsfähig. Der Vater wurde im November zu 13 Jahren Haft wegen Mordes und Misshandlung Schutzbefohlener verurteilt.

Die Frau war zuletzt in einer Einrichtung zur Sterbebegleitung untergebracht. Doch nach medizinischen Untersuchungen kam das Gericht zu der Einschätzung, dass eine Verhandlung mit ihr möglich ist. Seit Anfang März sitzt die 27-Jährige in Untersuchungshaft, pro Verhandlungstag soll sie nun nur etwa zwei Stunden im Gerichtssaal sein. Im Juni soll das Urteil fallen.

Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern

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Auf Krücken betrat die Hausfrau am Montag den Saal. Sichtlich gezeichnet von ihrer Krankheit saß sie auf der Anklagebank, reglos verfolgte sie den Prozess. Ein Polizist sagte aus, er habe “zu keiner Zeit den Eindruck“ gehabt, dass die Angeklagte nach Sarahs Tod emotional aufgewühlt gewesen sei. Für den Zustand des Mädchens habe sie verschiedene Erklärungen parat gehabt: Sie habe versuchen wollen, das abgemagerte Kind selbst wieder “aufzupäppeln“. Sie habe sich nicht zum Arzt getraut - aus Angst, dieser werde das Jugendamt einschalten.

Schließlich habe die Mutter erzählt, seit Anfang 2009 habe sie massiv an Gewicht verloren und sei dadurch in eine psychische Notlage geraten. Ihr sei alles egal gewesen - auch die Kinder. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Eltern Sarah etwa von April an massiv vernachlässigt und “aus Gleichgültigkeit“ meist in ihrem Gitterbettchen alleingelassen hatten. Die Kleine habe in ihrer Verzweiflung sogar den Zellstoff von Windeln gegessen. Zum Schluss wog das Mädchen bei einer Größe von 85 Zentimetern nur 8,2 Kilogramm - normalerweise sind Kinder in dem Alter etwa doppelt so schwer.

Eine anderen schlimmen Fall tödlicher Kindesmisshandlung versucht derzeit das Landgericht Leipzig aufzuklären. Beide Angeklagte, die Mutter des kleinen Lion aus Eilenburg und ihr Ex-Freund, bestreiten, dem 19 Monate alten Jungen etwas angetan zu haben. Sie habe keine Vorstellung, was mit Lion am 7. August 2010 passiert sein könnte, sagte die 21-Jährige am Montag.

Ihr 20 Jahre alter Ex-Freund hatte am vorherigen Prozesstag jede Schuld von sich gewiesen. Laut Anklage hat der Mann Lion so wuchtig in den Bauch getreten oder geschlagen, dass der Junge wenig später im Krankenhaus starb. Die Mutter habe viel zu spät Hilfe für ihr wimmerndes Kind geholt.

dpa

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