Obama plant symbolträchtigen Deutschland-Besuch

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Barack Obama will schon im Juni wieder nach Deutschland kommen.

Berlin - Der erste Besuch von Barack Obama vor fünf Wochen in Baden-Baden geriet zu einer lediglich zweistündige Stippvisite. Schon Anfang Juni wird der neue US-Präsident aber wieder nach Deutschland kommen.

Das hat die Bundesregierung inzwischen bestätigt. Um die Orte, die Obama besuchen wird, machte sie zwar am Mittwoch noch ein Geheimnis. Doch scheint das KZ Buchenwald bei Weimar schon so gut wie sicher festzustehen, ein anschließender Aufenthalt in Dresden ist am wahrscheinlichsten. Es sind aber auch noch andere Städte im Gespräch. Aus dem Weißen Haus soll noch das letzte Okay zum Programm fehlen.

Dass Obama nun so rasch wieder nach “Germany“ kommt, kann durchaus als Zeichen der Wertschätzung der Deutschen - aber auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel gewertet werden. Schon in Baden-Baden hatte er nach seinem Treffen mit Merkel kurz vor dem Nato-Gipfel geschmeichelt: “Wir betrachten unsere Beziehung zu Deutschland als eine unserer wichtigsten Beziehungen.“ Mit sonorer Stimme lobte er im gleichen Atemzug auch die Führungsstärke der Kanzlerin.

Der Besuch in der Gedenkstätte Buchenwald wird dem Vernehmen nach eine sehr persönliche Note haben. Obama soll ihn sich gewünscht haben: Vor 65 Jahren war sein Großonkel Charles Payne als US-Soldat an der Befreiung des Konzentrationslagers und seiner Außenstellen im April 1945 beteiligt. Rund 21.000 Häftlinge konnten damals erlöst werden. Zehntausende waren zuvor von der SS noch auf Todesmärsche aus dem Lager getrieben worden.

Für die Überlebenden des Terror-Lagers wäre der Besuch des US- Präsidenten von großer Bedeutung. Der Direktor der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, Volkhard Knigge, berichtet, dass die hochbetagten ehemaligen Häftlinge sich im April darauf verständigt hätten, Obama zu bitten, sich für ein Treffen der überlebenden Kinder von Buchenwald mit ihren US-Befreiern im Jahr 2010 einzusetzen. Nun kommt er vermutlich eher.

Das restaurierte Dresden stünde dagegen für den Aufbau Ost, jedenfalls für seinen geglückten Teil. Sich dort mit Obama zu zeigen, würde sich für die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Merkel im Bundestagswahljahr 2009 nicht schlecht machen, zumal auch in Sachsen am 30. August ein neuer Landtag gewählt wird. Elb-Florenz ist nicht zuletzt der Ort, wo sich ihr Vorgänger Helmut Kohl im Dezember 1989 vor einem schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer deutlich zur Wiedervereinigung bekannte, wenige Wochen nach dem Mauerfall. “Mein Ziel bleibt - wenn es die geschichtliche Stunde zulässt - die Einheit unserer Nation“, rief Kohl damals. Im 20. Jahr des Mauerfalls wäre Dresden also eine besondere Erinnerung wert.

Dresden ist aber auch der Ort der wiederaufgebauten Frauenkirche, die kurz vor Kriegsende bei der Zerstörung Dresdens durch die alliierten Bomber fast untergegangen war. Ihre Ruine war jahrzehntelang Symbol für die Sinnlosigkeit von Kriegen. Der Besuch des Gotteshauses könnte für Obama wiederum eine Brücke für seinen Aufenthalt in der Normandie sein. Dort wird er am 6. Juni - dem berühmten D-Day - mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy an den Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag der Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg teilnehmen.

Auffällig ist, dass wie bei der Abschiedsvisite von Obamas Vorgänger George W. Bush im vergangenen Sommer auch der neue US- Präsident einen Bogen um Berlin machen würde. Das bedeutet aber nicht, dass der Besuch privaten Charakter hätte. Merkel ist sich nur bewusst, dass so mancher Berliner auf politische Großereignisse mittlerweile genervt reagiert, auch wenn eine Art politischer Messias kommt, als der Obama in Deutschland immer noch gilt. Es muss aus ihrer Sicht nicht immer Berlin sein.

dpa

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