Mistelextrakte, "Krebsdiäten" und 3-Bromopyruvat

Was sind alternative Therapien in der Krebsmedizin

Mehrere Todesfälle unter Patienten eines sogenannten biologischen Krebszentrums in Brüggen-Bracht am Niederrhein sorgen für Schlagzeilen. Die genaue Hintergründe war am Freitag noch unklar.

Der Fall rückt allerdings einmal mehr alternative Behandlungsmethoden bei Krebs in den Fokus. Die Praxis in Brüggen-Bracht wirbt unter anderem mit der Behandlung mit sogenanntem 3-Bromopyruvat.

Was sind alternative Therapien in der Krebsmedizin?

Ob "Krebsdiäten", Entgiftungen oder Mistelpräparate - viele Krebspatienten setzen neben der Schulmedizin mit Operation, Strahlen- oder Chemotherapie ihre Hoffnung auch auf alternative oder komplementäre Methoden. Sie erhoffen sich davon eine wirksamere Bekämpfung des Tumors und die Linderung von Nebenwirkungen. Manche Patienten und Anbieter setzten sogar ausschließlich auf solche Alternativverfahren. Für viele dieser Methoden fehlt nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) allerdings ein Wirksamkeitsnachweis. Auch über Nebenwirkungen ist oft wenig bekannt.

Worum handelt es sich bei 3-Bromopyruvat?

Das alternative Krebszentrum in Brüggen-Bracht wirbt damit, dass 3-Bromopyruvat das "aktuell beste Präparat zur Tumorbehandlung" sei. Das Mittel werde seit einigen Jahren in "experimentellen Grundlagenstudien" untersucht, sagt Susanne Weg-Remers, Leiterin des zum DKFZ gehörenden Krebsinformationsdienstes in Heidelberg. Das Mittel soll den Zuckerstoffwechsel hemmen, so dass Krebszellen zugrunde gehen. Es handelt sich um ein organisches Molekül, das durch ein Brom-Atom ergänzt wird.

Wie ist diese Therapie zu bewerten?

Der Ansatz, der auch mit 3-Bromopyruvat verfolgt wird, hat Weg-Remers zufolge "durchaus Berechtigung". Bislang habe es aber erst Untersuchungen an Zellkulturen in der Petrischale und erste Studien an Mäusen und Ratten gegeben. Tierversuche sind aber nicht einfach auf den Menschen übertragbar, etwa wegen des unterschiedlichen Stoffwechsels. "In den Datenbanken haben wir noch keine Hinweise auf klinische Studien am Menschen gefunden, die Voraussetzung für eine Zulassung als Arzneimittel wären", sagt Weg-Remers. Solche Ansätze sind also nicht unbedenklich. Alternativmediziner bewegten sich damit in einem "rechtlichen Graubereich".

Welche Alternativverfahren gibt es noch?

Die Bandbreite reicht von pflanzlichen Präparaten und Organextrakten wie einem Leber-Milz-Präparat vom Schwein, über Nahrungsergänzungsmittel, Hyperthermie und Entspannungstechniken bis hin zu Methoden aus der traditionellen chinesischen Medizin. 

Mistelextrakte zum Beispiel sind die bei Krebsbehandlungen am häufigsten eingesetzten Alternativmedikamente - und zugleich eine der umstrittensten Therapien. Ob die Mistel gegen Krebs wirkt, lässt sich bis heute trotz umfangreicher Forschung nicht zweifelsfrei beantworten. Es gibt Hinweise, dass sich Patienten damit allgemein besser fühlen und ihre Lebensqualität während einer Chemotherapie weniger leidet.

Kann die Krankheit mit einer gezielten "Krebsdiät" beeinflusst werden?

Eine Krebsdiät, mit der man Tumoren heilen könnte, gibt es nicht. Die Vorstellung, man könne einen Tumor durch Fasten oder kohlenhydratfreie Nahrung "aushungern", sei naiv, sagt Weg-Remers. Auch die Deutsche Krebsgesellschaft rät Patienten von einer kohlenhydratarmen oder -freien Ernährung ab. Es habe bislang für keine Diät überzeugend gezeigt werden können, "dass sie Krebserkrankungen aufhalten und die Überlebenszeit verlängern könnte". Eine strenge Krebsdiät könnte sogar den oft ohnehin schlechten Ernährungszustand von Patienten verschlimmern.

Was sollten Krebspatienten bei Alternativbehandlungen noch beachten?

Abgesehen vom fehlenden wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis können "sanfte" Methoden und vermeintlich harmlose pflanzliche Mittel unerwartete Wechselwirkungen mit einer Chemotherapie haben. Patienten sollten ihre Ärzte deshalb informieren, wenn sie eine Alternativbehandlung anstreben. Vorsicht ist nach Angaben des Krebsinformationsdienstes auch geboten, wenn ein Anbieter verspreche, dass seine Methode gegen alle Krebsarten helfe oder das Mittel per Internet aus dem Ausland bestellt werden muss.

AFP

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