Oder genügt ein Anruf?

Für diese Fachärzte brauchen Sie eine Überweisung

Mit oder ohne Überweisung? Das müssen Sie über den Facharztbesuch wissen.
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Mit oder ohne Überweisung? Das müssen Sie über den Facharztbesuch wissen.

Frauen-, Augen- oder Hautarzt: Kontrolluntersuchungen haben viele auf ihrer To-Do-Liste. Lesen Sie hier, in welchen Praxen Sie ohne Überweisung einen Termin bekommen.

  • Hausarztpraxen bieten Sprechstunden nach telefonischer Terminvereinbarung, und bei vielen Hausärzten ist es sogar möglich, ohne Termin vorbeizuschauen.
  • Anders verhält es sich in Hinblick auf Fachärzte: Hier kann eine Überweisung vom Hausarzt notwendig sein.
  • Ein Überweisungsschein hat ein Ablaufdatum: So lange können Sie ihn einlösen.

Der Bundesmantelvertrag der Ärzte und der Ersatzkassenvertrag regelt, wann ein Überweisungsschein ausgestellt werden kann und muss. Patienten in der hausarztzentrierten Versorgung (HzV) müssen generell immer zuerst ihren Hausarzt aufsuchen und sich einen Überweisungsschein für einen Facharzt ausstellen lassen - mit Ausnahme von Augen-, Kinder- und Frauenärzten. Diese können immer auch ohne Überweisung aufgesucht werden. Sie wissen nicht, ob Sie an einer hausarztzentrierten Versorgung teilnehmen? Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach: Haben Sie einen speziellen Hausarzttarif abgeschlossen, nehmen Sie an der hausarztzentrierten Versorgung teil. Diese bietet Vorteile wie Prämienzahlungen oder Zuzahlungsermäßigungen.

Da die hausärztliche Versorgung ein Grundpfeiler des deutschen Gesundheitssystems ist, tun auch andere Patienten gut daran, sich bei Beschwerden zuerst von ihrem Hausarzt untersuchen zu lassen. "Denn nur so kann die Hausarztpraxis weiterhin ihre "Lotsenfunktion im Gesundheitssystem" ausüben. Und nur wenn alle Informationen über die Patienten an einer Stelle zusammenlaufen, ist eine optimale Behandlung möglich", informiert die AOK.


Gesetzlich Versicherte können ohne Überweisung zum Facharzt - mit folgenden Ausnahmen

In Deutschland herrscht zwar freie Arztwahl, jedoch nicht ohne Einschränkungen. So können in der gesetzlichen Krankenversicherung* regelmäßig nur die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte beziehungsweise Zahnärzte frei gewählt werden. Andere Ärzte dürfen nur im Notfall in Anspruch genommen werden, wie das Bundesministerium für Gesundheit informiert. Dies hat mehrere Gründe, unter anderem wird so das Risiko minimiert, dass Patienten bei verschiedenen Medizinern in Behandlung sind und verschiedene Medikamente einnehmen - ohne dass der eine Arzt von dem anderen behandelnden Arzt weiß. So heißt es in einem Kommentar von Beate Rauch-Windmüller auf den Seiten der AOK: "So hatten wir einen Patienten zur Gastroskopie, der ein Magengeschwür hatte, weil er drei verschiedene Diclofenacs einnahm, die er von drei verschiedenen Facharztpraxen bekommen hatte. So entstehen gesundheitliche Schäden beim Menschen und es werden unnötige Kosten verursacht. Das wird vermieden, wenn die Hausarztpraxis alle Befundberichte erhält und gegensteuern kann."

Auch die Siemens-Betriebskrankenkasse rät auf ihrem Internetauftritt: "Am besten ist es, wenn Sie sich immer zuerst an Ihren Hausarzt wenden. Er kennt üblicherweise Sie und Ihre Vorgeschichte besonders gut. Deshalb weiß er, welche Behandlung, zusätzliche Diagnostik oder welche weiteren Fachärzte am besten für Sie sind". Jedoch ist es in der Regel für alle gesetzlich versicherten Patienten - außer für Patienten in der hausärztlichen Versorgung - möglich, ohne Überweisung einen Facharzt aufzusuchen.

In folgenden Fällen ist allerdings eine Überweisung notwendig:

  • wenn der Arzt Laborleistungen veranlasst
  • oder die Diagnostik- und Behandlungsleistungen von Nuklearmedizinern, Pathologen, Radiologen und Strahlentherapeuten sowie Transfusionsmedizinern in Anspruch genommen werden.

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So lange ist ein Überweisungsschein gültig

Für die jährliche Kontrolle beim Frauenarzt und auch für die Kontrolltermine bei Haut-, Augen-, HNO- oder Kinderarzt ist dagegen keine Überweisung erforderlich. Bei Unsicherheiten gilt: Klären Sie vor Behandlungsbeginn, ob der Arzt eine Überweisung zur Abrechnung benötigt. Über die Notwendigkeit einer Überweisung entscheidet Ihr Arzt, wie die Techniker Krankenkasse schreibt. Gültig ist ein ausgestellter Überweisungsschein für das Quartal, in welchem er ausgestellt wurde.

Mehr Quellen: www.aok.de; www.bundesgesundheitsministerium.de; www.sbk.org

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jg

So viel kassieren niedergelassene Ärzte

Spitzenreiter beim Umsatz der Ärzte aus dem Honorar von Behandlung und Diagnose gesetzlich Versicherter sind die Labormediziner. Sie erzielten nach den jüngsten Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung im ersten Halbjahr 2011 pro Quartal einen Honorarumsatz von rund 230 000 Euro, gefolgt von Nierenspezialisten mit 224 000 Euro. © dpa
Strahlenmediziner, Humangenetiker, Fachärzte für Innere Medizin mit bestimmten Schwerpunkten und Radiologen folgen mit Werten zwischen 199 000 und 93 000 Euro. Kinder- und Jugendpsychiater erzielten 65 000 Euro Umsatz, Augenärzte 60 000, Chirurgen 57 000, Orthopäden 56 000, Hausärzte 52 000 und Gynäkologen 47 000 Euro. © dpa
Laut der jüngsten Erhebung des Statistischen Bundesamtes konnten die Ärzte in Deutschland ihr Einkommen in den letzten Jahren deutlich steigern. Bei den Orthopäden stieg beispielsweise der Wert des jährlichen Reinertrags von 276.000 Euro im Jahr 2007 auf 293.000 Euro im Jahr 2011. Die Allgemeinmediziner konnten ihren jährlichen Reinertrag sogar um 30.000 Euro auf insgesamt 181.000 Euro pro Jahr steigern. © dpa
Auch andere Ärztegruppen verdienten 2011 deutlich mehr als noch vier Jahre zuvor. Allgemein beträgt der Zuwachs zwischen 2007 und 2011 im Schnitt 17 Prozent. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte erzielten demnach laut Statistik einen jährlichen Reinertrag von 215.000 Euro, der jährliche Reinertrag der Frauenärzte beträgt 185.000 Euro, bei den Chirurgen sind es sogar 293.000 Euro. Auch die Hautärzte (249.000 Euro) und die Internisten (266.000 Euro) konnten ihr Einkommen steigern. © dpa
Der jährliche Reinertrag pro Praxis beläuft sich laut der Erhebung des Statistischen Bundesamtes auf 234.000 Euro. Im Schnitt lag der Reinertrag jedes Arztes im Jahr 2011 bei durchschnittlich 13.833 Euro im Monat. © dpa
Augenärzte konnten die größten Einkommenszuwächse erzielen: Sie verdienen im Schnitt 19.083 Euro im Monat. Neurologen kommen auf 14.416 Euro im Monat. Spitzenreiter unter den Ärzten sind die Radiologen und Nuklearmediziner mit 25.250 Euro im Monat. © dpa
Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für die vertragsärztliche Vergütung stiegen laut Bundesgesundheitsministerium von 33 Milliarden Euro 2010 auf 33,7 Milliarden 2011. © dpa

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