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Fieser Brechdurchfall

Das Norovirus ist extrem ansteckend

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Noroviren (undatierte Aufnahme).
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Elektronenmikroskopische Aufnahme von Noroviren (undatierte Aufnahme).

Auf einem Kreuzfahrtschiff, auf Klassenfahrt oder im Kindergarten: Immer wieder setzen Noroviren ganze Gruppen von Menschen schachmatt. Eine aktuelle Studie zeigt nun, wie potent das Virus ist.

Die gefürchteten Noroviren sind für fast jede fünfte Magen-Darm-Erkrankung weltweit verantwortlich. 18 Prozent der erfassten Fälle von Brechdurchfall werden von den Viren ausgelöst, ergab eine im britischen Fachjournal „The Lancet“ vorgestellte Studie.

Ansteckungsgefahr des Norovirus ist sehr hoch

Der Erreger sei demnach so ansteckend, dass schon 18 Viren für eine Ansteckung ausreichten - und allein in einem Gramm menschlichen Stuhls fänden sich bereits eine Milliarde davon.

Einen Impfstoff gegen Noroviren gebe es gegenwärtig nicht, so die Forscher. Die Ergebnisse zeigten, wie wichtig die Entwicklung eines solchen Präparats sei. Das Team um Benjamin Lopman vom US-Zentrum für Seuchenbekämpfung und -vorbeugung in Atlanta hatte Daten aus 175 Publikationen berücksichtigt. Mehr als 187.000 Fälle von Brechdurchfall der vergangenen Jahre aus 48 Ländern waren darin erfasst.

800 Todesfälle pro Jahr gehen in den USA auf Noroviren zurück

Auf Notfallambulanzen und stationäre Klinikaufenthalte entfielen demnach nur 17 Prozent der Noroviren-Fälle. Die Erreger verursachten also keineswegs nur die gefürchteten schweren, sondern sehr oft auch leichte Verläufe, schreiben die Forscher. Allein die schiere Menge an Infektionen sorge aber für viele schlimme Erkrankungen - allein in den USA gingen rund 800 Todesfälle jährlich auf Noroviren zurück.

Das Vorkommen in Entwicklungsländern sei ähnlich dem in industrialisierten Ländern. „Das zeigt, dass Noroviren anders als Bakterien und Parasiten nicht einfach durch eine verbesserte Trinkwasser - und Sanitärsituation kontrolliert werden können“, wird Lopman in einer „Lancet“-Mitteilung zur Studie zitiert.

Die Analyse war von der Weltgesundheitsorganisation und dem niederländischen Gesundheitsministerium mitfinanziert worden. An Brechdurchfall sterben demnach 1,45 Millionen Menschen jährlich, in Afrika und Südostasien verursacht er mehr als ein Viertel der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren. Wie hoch der Anteil der Noroviren daran ist, sei noch unklar.

Noroviren werden oft vor allem dort zum Problem, wo Menschen eng beieinander sind und am selben Buffet speisen: bei Kreuzfahrten zum Beispiel, Klassenfahrten oder auch in Kindergärten.

Norovirus: Das sind die schlimmsten Fälle

Norovirus: Das sind die schlimmsten Fälle

Kantinenessen
Schmerzen, Übelkeit und Fieber - Salmonellen und auch das Norovirus führen zu Durchfall und Erbrechen. Oft sind Schulen und Kindergärten betroffen. Einige Fälle: © dpa
September 2012: Mindestens 4000 Kinder und Jugendliche und vereinzelt auch Lehrer in Sachsen, Thüringen, Berlin und Brandenburg sind, laut Angaben des Robert-Koch-Institut (28. September 2012) an Durchfall erkrankt und müssen sich übergeben. Die Ursache ist noch immer unklar. Noch tappen die Behörden im Dunkeln. © dapd
Juni 2011: In einem Zeltlager in Bad Segeberg infizieren sich 300 Teilnehmer an dem Norovirus. 143 mussten in Kliniken eingeliefert werden. © dpa
Januar 2011: Ein Fahrgastschiff mit rund 140 Passagieren an Bord steht in Koblenz auch an Neujahr unter Quarantäne. An Silvester waren dutzende Fahrgäste an Brechdurchfall erkrankt. © dpa
September 2010: Bei einer Klassenfahrt in die Lüneburger Heide infizieren sich rund 50 Schüler und mehrere Lehrer einer Gesamtschule aus Bovenden bei Göttingen mit einem Virus. Mehrere Kinder müssen mit Magen-Darm-Beschwerden ins Krankenhaus. © dpa
September 2010: Eine Grundschule bei Delmenhorst (Niedersachsen) muss mehrere Tage schließen und gründlich gereinigt werden. Viele Kinder leiden unter Erbrechen und Durchfall. Ursache ist vermutlich das Norovirus. © dapd
April 2008: In zwei hessischen Kindergärten und einer Grundschule erkranken 40 Kinder an Salmonellen. Sie klagen über Fieber und Kopfschmerzen sowie starken Durchfall. Woher die Bakterien stammten, bleibt ungeklärt. © dapd
April 2008: Nach einer Salmonelleninfektion müssen 60 Kinder und sechs Erwachsene im Raum Görlitz (Sachsen) ärztlich versorgt werden. Die drei betroffenen Kindertagesstätten waren aus derselben Küche beliefert worden. © dapd
Dezember 2007: Rund 100 Kinder und einige Lehrer einer Münchner Grundschule erkranken am Norovirus. Um die Räume zu desinfizieren und um weitere Infektionen zu vermeiden, bleibt die Schule tagelang geschlossen. © dpa
August 2007: Dutzende Kinder und zwei Erzieher erkranken in Hagen, Herdecke und Wetter (Nordrhein-Westfalen) an Salmonellen. Grund ist ein defektes Temperaturmessgerät in einer Großküche. © dpa
Mai 2007: Über 170 Kinder und ein Erwachsener erkranken an mehreren Schulen und Kindertagesstätten in Sachsen-Anhalt an Salmonellen. Ins Visier der Lebensmittelüberwachung gerät ein Essensanbieter. © dapd

dpa

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