"Alles Walzer" auf dem Opernball

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Randvoll war der Gemeindesaal über dem Unterwössener Hallenbad. Smoking oder Gehrock herrschte beim Mann vor, bei den Frauen unendlich viele Variationen an Ballkleidern und raffinierten Frisuren. Zuvor waren die Debütanten in Weiß und Schwarz über die Tanzfläche geglitten.

Unterwössen - Was da etwas großspurig als "Wössner Opernball" für den Unsinnigen Donnerstag vollmundig vorausposaunt worden war, das ist tatsächlich herausgekommen. *Faschings-Special*

Ein Ballgeschehen, das man in den Sälen der großen Städte erwartet hätte, nicht aber im Winkel des Achentals im Dorf Unterwössen.

Denn die Idee, von der der Zweite Vorstand Otto Dufter junior des Trachtenvereins "D'Achentaler" so launig in seiner Anmoderation erzählte, war viel zu schnell zum Selbstläufer geworden. Seine Überlegungen, wie man ein Fest im Jahr des 120-jährigen Bestehens des Trachtenvereins am besten gestalten könnte, seien daheim auf dem Kanapee unter dem 80-prozentigen Einfluss seiner Ehefrau schnell zum "Opernball" geworden, hätten sich aber dann bereits im Vereinsausschuss des Trachtenvereins völlig verselbstständigt, wo sie statt des erwarteten Widerstandes offene Türen durchstürmt habe. Es sei unglaublich, wie schnell und was daraus gewachsen sei.

Tatsächlich war der Wössner Ballsaal, wie der Gemeindesaal jetzt hieß, vollgefüllt und viele hatten nur in den Nebengelassen Platz. Es hätte die Möglichkeit bestanden, in Tracht zu erscheinen, aber jeder war überaus konventionell-festlich gewandet. Der Smoking oder Gehrock herrschte beim Mann vor, die Fliege überwog, die Krawatte war Mindestausstattung. Alles sehr festlich. Von Faschingsklamauk keine Spur. Bei den Frauen unendlich viele Variationen an Ballkleidern und raffinierten Frisuren.

Der Beginn wurde begleitet von "Jungstreich", der Musikgruppe um Quirin Kaiser, aus dem Rosenheimer Land. Den klassischen Teil des Abends eröffneten zwei Ballettaufführungen der Ballettgruppe Gisela Schubert. Ute Glanz und Margit Schlaipfer sangen in Begleitung von Mike Stadlmeyer und Beatrice von Kutschenbach. Zwei Dirndln aus der Ballettgruppe führten dann Rock 'n' Roll vor.

Nach einer erneuten Ansage kam mit der Fächerpolonaise der Debütanten der Höhepunkt des Abends unter Leitung von Hanna Steiner und Franziska Kovatsch. Da war der Saal randvoll, die Zuschauer drängten sich an den Wänden und in den Gängen. In Weiß und Schwarz glitten die Debütanten durch den Saal und die vorher so oft eingeübten Bewegungen und Muster gelangen fast perfekt.

Sie mündeten schließlich in einen schwebenden Wiener Walzer und auf die Freigabe von Hanna Steiner "Alles Walzer" strömten die Gäste im Nu hinzu und es gab im ganzen Saal nur noch eine Richtung "Walzerrechts". Fast eine Stunde drehte sich das Volk auf der Tanzfläche, ehe dann die Musik "Jungstreich" in die Heurigenstube, das mit buntem Weinlaub überreich geschmückte Schützenstüberl umzog.

Sie machte Platz für Teachers Groove, die an diesem Abend 18-köpfige Bigband von Lehrern der Musikschule Grassau. Von da an gab es überaus fein gespielte Tanzmusik. Swing stand im Vordergrund, Evergreens aller Jahrzehnte und die Wössner und ihre Gäste konnten nicht genug davon bekommen. Dabei verstärkte sich die Band immer wieder mit Solisten wie der Sängerin Christiane von Kutschenbach und dem Sänger Tobias Heinz.

Wer es etwas ruhiger und weniger förmlich mochte, zog in das Heurigenstüberl. Dort ließ es sich an großen Tischen herzlich ratschen, und wer nicht am Eingangsbuffet zur Eröffnung des Abends im Restaurant "Zum Kamin" teilgenommen hatte, bekam hier auch eine Brotzeit.

Eine Überraschung boten dorfbekannte Wössner Musikanten mit ihrem stilechten Auftritt als Wössner Harmonists, die mit gestenreichem und stilechtem Auftritt in Anlehnung an die Comedian Harmonists die Wössner begeisterten und zu donnerndem Applaus führten.

Die Stunden gingen im Fluge dahin und an der Bar, in der nicht im Ansatz wiederzuerkennenden Spielstube des Regenbogens, füllten sich die Stehtische zusehends. Im Donislbetrieb gab es um Mitternacht eine Stärkung und in den Morgenstunden nahm das Fest sein laut bedauertes Ende.

Fazit: Es war ein wunderschöner Ball, ein großes gesellschaftliches Ereignis, das dieses Mal aller Mühen wert gewesen ist.

Ludwig Flug/Chiemgau-Zeitung

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