Faschingsnarren fuhren Kuschelkurs

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Den Gardemädchen der Veitsgroma Zunft schien die Kälte nichts anzuhaben.

Traunstein - Trotz winterlicher Temperaturen sahen am Samstag rund 8000 Narren aus der Stadt und der Region beim Traunsteiner Faschingszug der Veitsgroma Zunft durch die Innenstadt zu.

Fast 60 Faschingsgesellschaften, Musikgruppen und Musikkapellen, Fußgruppen und Faschingswagen aus der Region nahmen am Gaudiwurm teil.

Auf dem Maxplatz wurden alle Teilnehmer in bewährter und humorvoller Weise von Hans-Michael Heser vorgestellt. Die meisten der teilnehmenden Gruppen hatten sich wiederum mit viel Fantasie etwas Lustiges und Humorvolles einfallen lassen. Was man allerdings von einigen "Hüttn"-Saufrunden nicht sagen konnte. Sie nageln ein paar dumme Sprüche an ihre Wagen, um einen Grund zu haben, sich in aller Öffentlichkeit zu besaufen. Wobei etliche das Verbot des Veranstalters, Alkohol in Glasflaschen mitzuführen, fröhlich missachteten.

Faschingsumzug: die Wägen

Erinnerung an die unbeschwerte "Flower-Power"- Zeit

Die Spitze des Zuges bildeten wieder die Faschingsgesellschaften aus der Region, angeführt von der Veitsgroma Zunft als Ausrichter. Neben ihrem Faschingsprinzenpaar Tobias I. und Daniela II. gingen der Fanfarenzug und die Prinzengarde mit. Auf dem Prinzenwagen war wiederum der Traunsteiner Stadtrat vertreten. Es folgen die Faschingsvereine "So Halunke" Waging, Blau-Weiß Kammer, "Sing-Sang" Teisendorf, die "Traunnarrischen" Traunreut, der Fa-schingsclub Tittmoning, die Elfer Trostberg, die Faschingsfreunde Chieming und die Traunreuter Rathausstürmer, um nur die wichtigsten zu nennen.

Ob Politik, Märchen, Piraten, Flower Power oder bundesdeutsche Fernsehgewohnheiten - die Palette der Themen war breit gestreut. Festzustellen war, dass sich bei den Narren ebenfalls ein wenig Politikverdrossenheit ein-gestellt hat, denn politische Themen wurden fast kaum aufgegriffen, und wenn, dann fehlte die närrische Bissigkeit früherer Jahre. Bei den politischen Themen wurde wie schon in den vergangenen Jahren auf Sparflamme gekocht, obwohl die neue schwarz-gelbe Regierung eigentlich genügend Munition geliefert hätte. Lediglich der Kauf der Steuerhinterzieher-CD, der dringend erforderliche Aufbau West ("Bei uns san d' Straßen kaputt, dass grad so graut, und im Osten werd as Geld so auße g'haut"), die Abwrackprämie und die Einführung von Körperscannern wurden angesprochen. Augenscheinlich wurde jedoch, dass die deutsche Narrenschaft lieber vor dem Fernseher hockt, denn kommentiert wurden Sendungen wie "Deutschland sucht das Super Schaf", Tine Wittler im Einsatz oder "Bauer sucht Frau".

Faschingsumzug: die Party

Auch Scheichs aus Dubai ließen sich blicken.

Ansonsten fuhren die Faschingsnarren eher einen Kuschelkurs. Anstatt politischer Kritik befassten sie sich lieber mit dem Schicksal des Sandmännchens ("Hinter der Mauer auf der Lauer"), dem 50. Geburtstag von Asterix und Obelix, der Erinnerung an den Pumuckl oder dem jüngsten Filmerfolg von "Bully" Herbig mit dem Wicki-Film. Bewunderung hegten sie auch für die 800-Meter-Häuslbauer in Dubai. "Nur der Himmel ist die Grenze", war zu lesen. Wie man inzwischen weiß, gilt diese These wohl auch für die Schulden des Landes. Ein paar Narren setzten auf Michael Schumacher als neuen Formel-Eins-Champion und meinten: "Das Ferrari-Pferd ist abgeschlachtet, jetzt hat Mercedes Schumi gepachtet."

Vor allem den Faschingsgarden und den Musikkapellen gelang es daher immer wieder, die Narren durch Mitklatschen und Mitschunkeln etwas in Schwung zu bringen. Das war bei winterlichen Temperaturen ganz praktisch, weil es den Blutkreislauf anregte und den Körper erwärmte. Erwärmung fanden viele allerdings auch durch alkoholische Flüssigkeitsaufnahme. Ein Problem, das die Veitsgroma Zunft und die Stadt Traunstein selbst mit dem Verbot, Alkohol in Glasflaschen auf den Wagen mitzuführen, nicht lösen konnte. Auch die Ankündigung" erkennbar alkoholisierte Personen auf den Wagen nicht mitfahren zu lassen, ließ sich augenscheinlich nicht so leicht lösen, wie gedacht. Aber im kommenden Jahr gibt es ja wieder einen Gaudiwurm in Traunstein, bei dem man es besser machen kann.

Faschingsumzug

Ausklingen ließen Teilnehmer und Zuschauer den Zug mit der Zeltparty "Veits Dance" auf dem Stadtplatz. Wobei das Lexikon den Veitstanz als "Tanzwut" beschreibt, bei dem Menschen im 14. und 15. Jahrhundert tanzten, bis ihnen Schaum aus dem Mund quoll. Auf dem Stadtplatz konnte es sich allenfalls um Bierschaum gehandelt haben. Die Bezeichnung Veitstanz bezieht sich auf den heiligen Veit, da dieser in solchen Fällen um Hilfe gebeten wurde. Bei der Zeltparty auf dem Stadtplatz konnte in Anbetracht der Dezibel allerdings nur der heilige Versteh-nix-mehr" weiter helfen.

Günther Buthke/Chiemgau-Zeitung

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