Faschingszüge: Es gibt viele rechtliche Hürden

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Der Faschingsumzug - wie hier in Mühldorf 2012 - zählt zu den Höhepunkten in der fünften Jahreszeit.
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Feichten - Alte Anhänger und unwillige Sachverständige: Vor den Faschingszügen in den nächsten Tagen haben die "Narren" zum Teil noch einige Hürden zu überwinden. In Feichten stand der "Gaudiwurm" gar kurz vor dem Aus:

Vor den Faschingszügen haben die "Narren" in der Region noch mit einigen rechtlichen Fallstricken zu kämpfen. Dennoch sind sie zuversichtlich, dass die Umzüge wie geplant stattfinden können.

Verwirrung um ein 13 Jahre altes Merkblatt

Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Regierung von Oberbayern, die auf ein 13 Jahre altes Merkblatt zur Verkehrssicherheit von Umzugswagen verwiesen hatte. In dem Schreiben war darauf hingewiesen worden, dass alle Fahrzeuge bei Faschings- und Brauchtumsumzügen, die Personen befördern, eine Bescheinigung ihrer Verkehrstauglichkeit benötigen - allerdings nur, wenn wesentliche Auf- oder Umbauten vorgenommen wurden.

Bei so mancher Faschingsgesellschaft war die Aufregung groß. Viele "Narren" sahen in der Regelung eine Gängelei seitens der Behörden und befürchteten sinkende Teilnehmerzahlen bei den Umzügen. Und das, obwohl die Regierung von Oberbayern nur auf seit vielen Jahren geltendes Bundesrecht hingewiesen hatte. Dieses Missverständnis ist inzwischen zwar ausgeräumt, die Gilden in der Region haben trotzdem mit verschiedenen größeren und kleineren Problemen rund um die Verkehrssicherheit zu kämpfen.

Der Gaudiwurm in Feichten stand vor dem Aus

Der Gaudiwurm in der Gemeinde Feichten am Faschingsdienstag stand kurze Zeit sogar komplett vor dem Aus. Bislang hatte die Gemeinde unmittelbar vor dem Start des Gaudiwurms von einem Sachverständigen überprüfen lassen, ob wesentliche Änderungen an den Fahrzeugen vorgenommen worden waren. War dies nicht der Fall, konnten die Wagen ohne Bedenken beim Gaudiwurm mitfahren.

Heuer war dies jedoch plötzlich nicht mehr möglich. "Ich habe keinen gefunden, der die Wagen abnimmt", erzählt Feichtens Bürgermeister Hans Aicher. Nach einem Unfall beim Faschingszug in Reischach 2012, bei dem eine 15-Jährige zwischen zwei Faschingswagen eingequetscht wurde, sind viele Sachverständige schlicht nicht mehr dazu bereit, kurz vor dem Faschingszug quasi im Eilverfahren eine Prüfung durchzuführen.

Sachverständiger stimmt Prüfung vor Ort zu

Wie Aicher erzählt, hätte einzig der TÜV einer Abnahme zugestimmt, allerdings nur beim TÜV vor Ort. Da obendrein eine Gebühr von 50 bis 300 Euro pro Wagen fällig geworden wäre, hat sich die Gemeinde dagegen entschieden. Im Gespräch war deshalb, die Wagen vor dem Gasthaus Feichten und am Dorfplatz aufzustellen. Die Faschingsfreunde hätten dann zu Fuß an den stehenden Wagen vorbeiziehen müssen.

Inzwischen hat Aicher jedoch die mündliche Zusage eines TÜV-Sachverständigen, dass dieser wie andere Prüfer in den letzten Jahren die Abnahme in Feichten eine halbe Stunde vor dem Start des Gaudiwurms durchführt. "Wir sind auf einem guten Weg", sagt Aicher. Einen Faschingszug um jeden Preis möchte er jedoch nicht, denn die Sicherheit sei "das A und O".

Alte Anhänger in Waldkraiburg auf dem Prüfstand

Eine ganz unkomplizierte Lösung hat die Waldburgia für den Faschingszug durch Waldkraiburg am Samstag ab 13.30 Uhr gefunden. Eine wesentliche Änderung am Wagen liege schließlich nur vor, wenn das Fahrzeug höher als vier Meter oder breiter als zweieinhalb Meter ist, erklärt Inge Schnabl, die für die Organisation des Faschingszugs zuständig ist. Man habe mit der Polizei vereinbart, dass alle Fahrzeuge, die dieses Kriterium erfüllen, vor Ort überprüft werden. Haben diese Wagen keine Genehmigung für den Anbau, dürfen sie nicht am Umzug teilnehmen. Dies sei aber genauso wie zum Beispiel ein Ausschluss von Fahrzeugen mit rotem Kennzeichen keine Neuerung.

Neu für die Waldburgia ist hingegen die Regelung, dass jeder Anhänger eine Betriebserlaubnis benötigt. Da es diese jedoch erst seit 1961 gibt, müssen alte Anhänger vom TÜV überprüft werden. "Das geht ratz-fatz", beruhigt Schnabl. "Die kommen einem sehr entgegen." Wie Aicher betont auch Schnabl die Bedeutung der Sicherheit. Genau wie im Straßenverkehr müssten gewisse Regeln beachtet werden, dort könne man auch nicht alkoholisiert oder ohne Zulassung unterwegs sein. "Fasching soll Spaß machen", so Schnabl. Sturzbetrunken etwa sei dies jedoch nicht mehr möglich.

Aus dem Archiv: Die Faschingszüge der letzten Saison

Der Faschingsumzug der Inntalia 2012:

Der Mühldorfer Faschingsumzug 2012

Der Haager Faschingszug 2012:

Haager Faschingszug: Piraten und Flower Power

Der Gaudiwurm in Neuötting 2012:

Bilder vom Neuöttinger Gaudiwurm I

Der große Faschingsumzug in Tüßling 2012:

Faschingszug durch Tüßling - Teil 3

Alexander Belyamna

Quelle: innsalzach24.de

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