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Fasching in Prien

Die Prienarria erzählt: Wie hat sich der Fasching in der Region entwickelt?

Für Andi Rohnke bedeutet der Priener Fasching und die Mitgliedschaft bei der Prienarria Freude am Leben, Traditionspflege und Freundschaft.
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Für Andi Rohnke bedeutet der Priener Fasching und die Mitgliedschaft bei der Prienarria Freude am Leben, Traditionspflege und Freundschaft. Auf seiner Brust trägt er stolz das Vereinswappen.

Jeder Ort hat seine eigene Geschichte und diese geraten teilweise in Vergessenheit. Der Verein Prienarria hält die Geschichte des Faschings vor Ort in Ehren und erzählt von langen Traditionen und neuen Bräuchen am bayerischen Meer.

Prien - Jeder Ort hat interessante Geschichten aus der Vergangenheit, die darauf warten, wieder ausgegraben und erzählt zu werden. Im Rahmen der „Priener Gschicht`n“ lässt die Prien Marketing GmbH (PriMa) Einheimische zu Wort kommen, die die junge und alte Geschichte der Seegemeinde für den Leser ganz neu erfahrbar machen.

Der Fasching, wie wir ihn heute kennen, wurzelt im christlichen Brauchtum und beginnt stets am 11. November. Den Höhepunkt erreicht das bunte Treiben vor Anbruch der sechswöchigen österlichen Fastenzeit. Gemeint sind die Tage vor Aschermittwoch, an denen die Menschen aus der Ordnung des Alltags ausbrechen und die ritualisierte Ausgelassenheit zelebrieren. Die süddeutsche Bezeichnung „Fasching“ erscheint erstmals im 13. Jahrhundert als „vaschanc“ oder „vastschang“ und bedeutet „Fastenschank“.

Was ist Fasching eigentlich?

Neben den teils unterdrückten heidnischen Bräuchen zur Austreibung des Winters und der Vertreibung böser Geister, war es also schon im Mittelalter hierzulande Sitte, sich an den letzten Faschingstagen von weltlichen Gelüsten zu verabschieden, indem man sich ihnen noch einmal intensiv widmete. Verborgen hinter der Maske konnte man unter den strengen Augen der Obrigkeit „lasterhafte“ Bräuche ungehindert und unerkannt ausführen.

Dabei war das unbeschwerte Feiern vielen Katholiken überhaupt nicht recht. Vor mehr als 270 Jahren lebte in Prien am Chiemsee ein Mann, dem das Faschingstreiben ein Dorn im Auge war und seinen moralischen Vorstellungen widersprach. Der kinderlose Josef Lechner betrieb in dem damals florierenden Handwerkerviertel „am Gries“ eine Weißgerberei (auch Mineralgerbung genannt) und war durch seinen Beruf reich geworden.

Gebete als Ausgleich zur lasterhaften Zeit

1751 bot er der Kirche 1000 Gulden an – ein hoher Geldbetrag für die damalige Zeit – allerdings mit der Auflage, in dem Zeitraum von Samstag bis zum Faschingsdienstag das sogenannte 40-stündige Gebet abzuhalten. Daraus entwickelten sich strenge Gebetstage in der Marktgemeinde, die bis Anfang der 1970er Jahre – also mehr als 200 Jahre – einen festen Platz im Jahreskreis der Pfarrei Mariä Himmelfahrt hatten. Erst unter Pfarrer Josef Preis wurde mit einer Mehrheit von 72 Prozent abgestimmt, das 40-stündige Gebet zu verschieben und ab dem Jahr 1990 am ersten Fastenwochenende stattfinden zu lassen.

Der „U-DO“ als Traditionstag

Ironischerweise ist es wohl dem „Weißgerberer“ zu verdanken, dass sich der „Unsinnige Donnerstag“ in Prien als Faschingshochburg im ganzen Landkreis etabliert hat, denn anschließend war ja über zwei Jahrhunderte schon vor Beginn der Fastenzeit Abstinenz in der Seegemeinde angesagt. In seltenen Fällen wurde an diesem Tag in Prien am Chiemsee nicht gefeiert. „Zuletzt fiel der Fasching 1991 aufgrund des Nah-Ost-Krieges aus“, weiß der Pressesprecher der Faschingsgesellschaft Prienarria e. V. Andi Rohnke zu berichten.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie muss 2021 erstmals in der Geschichte der neu gegründeten Prienarria eine Faschingspause eingelegt werden. Der in Prien verortete Bankkaufmann bei der Volksbank Raiffeisenbank eG ist seit 1992 Mitglied bei der Prienarria und begann 1994/95 seine aktive Vereinszeit als Elferrat und Beirat. „Wo und wann die Faschingstradition der Vereine mit Elferräten, Hofdamen, Garde und Prinzenpaaren entstand, ist in jeder Faschingshochburg unterschiedlich. Bereits 1870 gab es in Köln ein „Dreigestirn“ und somit auch eine Garde und Elferräte.

Die ersten Prinzenpaare

In der närrischen Faschingszeit wurde dadurch die aktuelle lokale Regierung quasi ersetzt, was beispielsweise durch die Übergabe des Rathausschlüssels symbolisiert wird“, so Rohnke, der selbst 1996/97 als Faschingsprinz in der Seegemeinde regierte. Laut den Nachforschungen der Prienarria gab es 1958 erstmals eine „Priener Garde“, das sogenannte Priener Brummer-Regiment mit dem ersten Priener Prinzenpaar.

1960 wurde dann die Prienarria gegründet und sorgte mit den Priener Vereinen bis zur Vereinsauflösung 1976 für zahlreiche Faschingsumzüge und Faschingsbälle in der Marktgemeinde. „Nach Auflösung der Prienarria gab es zwar noch Faschingsveranstaltungen in den Gaststätten, den klassischen Fasching mit Prinzenpaar und Garde - den gab es nicht mehr“, erklärt das langjährige Mitglied der heutigen Prienarria.

Neugründung der Prienarria

„1992 erinnerte man sich an die alten Zeiten. Initiiert durch einige Priener Bürger wurde im Gasthof Weißbräu die Idee geboren, die Prienarria neu zu gründen.“ Am 18. Mai 1992 folgte die Vereinsgründung und seitdem ist die Prienarria im Priener Fasching nicht mehr wegzudenken. Neben traditionellen Faschingsveranstaltungen wie dem Kanapeerennen am Eglwies, diversen Faschingshochzeiten, Faschingsumzügen und Faschingskranzln der Priener Vereine, begeistert die Chiemseer Ballnacht mit der Inthronisation der Priener Prinzenpaare und der Gildeball der Prienarria Besucher von Nah und Fern.

Der Unsinnige Donnerstag ist zur heutigen Zeit wieder eine feste Tradition und dank des Engagements der Priener Faschingsgesellschaft mit früher nicht mehr zu vergleichen. Viele Priener Unternehmen und Geschäfte kostümieren sich an diesem Tag zu einem Thema und laden das „närrische Volk“ in die passend dekorierten Läden und Räumlichkeiten ein. Das bunte Treiben endet dann meistens auf dem Wendelsteinparkplatz – hier ist über die Jahre ein Festzelt mit professionellen Barbetrieb entstanden.

Pressemitteilung Prien Marketing GmbH

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