Wegen Niedrigzins

Deutsche verlieren immer mehr Geld - wer Schuld hat, wird Sie überraschen

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Deutsche Sparer haben es gerade nicht leicht - doch ist die EZB daran schuld?
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Der Zins ist seit einiger Zeit auf seinem historischen Tiefstand. Während Häuslebauer davon profitieren, raufen sich Sparer die Haare. Ein Experte

Des einen Freud, des anderen Leid: So könnte man die momentane Zinslage hierzulande beschreiben. Während alle diejenigen, die sich eine Immobilie leisten wollen, erfreut über die niedrigen Zinsen sind, verlieren Sparer dagegen viel Geld. Doch stimmt das auch wirklich? Und ist tatsächlich die Europäische Zentralbank schuld an den Minuszinsen? Finanzexperte Christian Odendahl klärt auf.

EZB schuld am historischen Niedrigzins?

Vor wenigen Tagen schrieb Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis dem EZB-Chef Mario Draghi auf Seite eins der Bild-Zeitung einen Wutbrief. Darin warf er ihm vor, dass er mit seiner Nullzinspolitik das Leben von Millionen Menschen "zum Schlechten" verändern würde. Insgesamt, das hat die Deutsche Bank kürzlich errechnet, sollen europäischen Sparern so jährlich 160 Milliarden Euro verloren gehen.

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Draghi blieb allerdings gelassen und ließ über die EZB nur verlauten, dass "die Geldpolitik seiner Zentralbank den Bürgern eindeutig Vorteile gebracht" habe. Nun wollen der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und der Bundesfinanzminister Olaf Scholz ein Verbot von Strafzinsen. Doch wie sinnvoll ist das?

Video: EZB macht munter weiter

Experte: Inflation Grund für Niedrigzinsphase

Schließlich ist es die Aufgabe der EZB, die Inflation bei knapp zwei Prozent zu halten. Doch das habe sie bis dato noch immer nicht erreichen können, so der Finanzexperte Christian Odendahl. Was ihm zufolge viele allerdings dabei vergessen: Auch vor der Finanzkrise, als es noch höhere Zinsen gab, gab es schon Inflation. "Wenn jedes Jahr die Inflation die Zinsen auffrisst, bleibt auch von höheren Nominalzinsen real nichts übrig", sagt er gegenüber dem Finanzmagazin Capital.

"Von den knapp 200 Monaten seit Januar 2003 gab es nur in 34 Monaten überhaupt positive Realzinsen auf Bankguthaben, sagt die Bundesbank. In über 80 Prozent der Zeit schrumpfte das Geld auf der Bank", meint Odendahl weiter. Das Pikante daran: Die meisten Monate mit positiven Realzinsen wären in der Mitte der Finanzkrise 2008/2009 gelegen, als die Inflation einbrach, fügt der Experte hinzu. Doch die Zinsen könnten sogar noch tiefer fallen, prophezeit Odendahl.

Doch was bedeutet das jetzt für deutsche Sparer? Gibt es keinen Lichtblick mehr am Zins-Horizont? "Der Wunsch nach sicherer Ersparnis ist weltweit sehr hoch; der Investitionswille niedrig. Was für einen Zins soll man da erwarten?", hält der Experte dagegen. "Früher waren Unternehmen und Staat die Investoren, die Privathaushalte die Sparer. Heute sparen alle drei", schließt er.

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jp

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