Seniorenheim für Ratten: Was die Nager im Alter brauchen

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Körnerfutter können nicht alle Ratten im Alter gut beißen. Dann sind Obst- oder Gemüsebrei eine gute Alternative. Die Kost darf im Alter auch gerne etwas reichhaltiger sein.

München - Die Augen wollen nicht mehr richtig, jeder Schritt fällt schwer und alles dauert länger. Das geht nicht nur Menschen so. Auch Ratten werden im Alter gebrechlich.

Im Lebensabend brauchen die Nager daher besondere Pflege.

Im Alter geht alles langsamer. Das kann die Tierärztin Verena Mißler bei ihren Ratten genau beobachten. Sie ist Fachreferentin für Heimtiere an der Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes. "Meistens werden die Tiere schon mit eineinhalb Jahren deutlich ruhiger und gehören mit zwei Jahren zum älteren Eisen", sagt Mißler. Dann brauchen sie besondere Pflege.

Dass die Jugend vorbei ist, merken Tierfreunde am Verhalten und Aussehen ihrer Schützlinge: Alternde Ratten bewegen sich langsamer, sind beim Klettern unsicherer, schlafen mehr und sind weniger neugierig als jüngere Tiere. Ihr Fell wird struppig und schütter. Typisch für Ratten-Rentner ist auch die sogenannte Hinterhandschwäche. "Die Tiere können die Hinterfüßchen nicht mehr so gut bewegen", erklärt Mißler.

Nun sollten Tierhalter einiges verändern und zum Beispiel den Käfig umgestalten. Während Einjährige mehrere Etagen zum Klettern brauchen, ist für ältere Ratten eine große Grundfläche wichtiger. "Die Tiere bewegen sich unsicherer und können sich nicht mehr so gut orientieren", erklärt die Tierärztin Regine Rottmayer von der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. Außerdem könnten sich Arthrosen entwickeln.

Sind im Käfig mehrere Ebenen vorhanden, sollte sie altersgerecht umgestaltet werden. Rottmayer empfiehlt, die Etagen nicht mehr mit Leitern oder Ästen, sondern mit breiten Brettchen zu verbinden und durch seitlich angebrachte Bretter oder Hängematten zu sichern. Höhlen und Häuschen sind bei alten wie jungen Ratten beliebt. Allerdings brauchen ältere Tiere manchmal größere Eingangslöcher. Außerdem empfiehlt sie, den Käfigboden für die Oldies besonders dick mit Einstreu zu bedecken.

Laut Rottmayer magern viele Ratten im Alter ab. Daher empfiehlt sie, das Gewicht regelmäßig zu kontrollieren. "Manchmal bekommen die Tiere Zahnprobleme, können nicht mehr so gut knabbern und beißen." Dann darf das Futter etwas kalorienreicher sein als bei jüngeren Tieren. Fett sollten aber auch ältere Ratten nicht werden. Wenn sie im Alter mit dem herkömmlichen Körnerfutter nicht mehr so gut zurechtkommen, kann Obst- oder Gemüsebrei für Babys zugefüttert werden.

Auch mit der Fellpflege tut sich mancher Nager schwer. Wer bemerkt, dass das Fell struppig wird, kann mit einer weichen Zahnbürste ein bisschen nachhelfen. Oft ist es sinnvoll, den Genitalbereich regelmäßig mit einem feuchten Tuch zu reinigen. Denn einige Ratten werden im Alter inkontinent. Dann sollte auch die Einstreu entsprechend häufiger ausgewechselt werden.

Oft brauchen auch die Zähne und Krallen mehr Pflege: Wenn die Tiere weniger feste Nahrung fressen, werden manchmal die Schneidezähne zu lang. Und wer sich weniger bewegt, hat irgendwann zu lange Krallen. Während das Kürzen der Zähne in jedem Fall ein Tierarzt übernehmen sollte, können die Halter bei den Krallen unter Umständen selbst Hand anlegen. "Man sollte sich das aber zunächst vom Tierarzt zeigen lassen", empfiehlt Rottmayer.

Alternde Ratten sind auch anfälliger für Krankheiten. "Im Alter neigen die Tiere dazu, Tumore zu entwickeln", erklärt Klaus Kutschmann, Tierarzt an der Tierklinik Magdeburg. Die lassen sich beim Streicheln des Tieres meistens gut ertasten. Tierhalter sollten dann möglichst rasch einen Tierarzt aufsuchen. "Dann können die Tumore gut entfernt werden, sofern man sich für eine Operation entscheidet", sagt Rottmayer. Auch wenn bisher zahme Ratten plötzlich anfangen, bei Berührungen zu beißen, kann das ein Hinweis auf Schmerzen im Bauch oder Rücken sein.

Ältere Tiere haben auch empfindlichere Atmungsorgane. Daher sollten die Tiere nicht Zugluft oder extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt sein. Eine hartnäckige Bronchitis des Besitzers ist für die kleinen Nager ebenfalls nicht ohne: "Es kann passieren, dass er sein Tier ansteckt", sagt Kutschmann. Daher gilt auch hier: Beim Husten zur Seite drehen und ins Taschentuch niesen.

Dass sich die Lebenserwartung einer Ratte durch gute Pflege wesentlich verlängern lässt, bezweifelt Rottmayer. Doch die Lebensqualität des Tieres können Halter so allemal verbessern, da ist sich die Tierärztin sicher. Viele könnten sich außerdem mit einem besseren Gefühl von der Ratte verabschieden, wenn sie wissen, dass sie ein schönes Leben hatte und gut gepflegt wurde.

(dpa)

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