Tim Berners Lee

30 Jahre World Wide Web: Erfinder warnt vor gefährlicher Entwicklung des Internets

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Tim Berners Lee erfand vor 30 Jahren das World Wide Web.

Das World Wide Web wird 30 Jahre alt. Sein Erfinder Tim Berners Lee findet zum Jubiläum kritische Worte. Er warnt vor einer gefährlichen Entwicklung.

Das Word Wide Web wird 30 Jahre alt. Es verdankt seine Entstehung der Tatsache, dass ein genervter Physiker und Informatiker endlich Ordnung in das Informationschaos in dem Unternehmen bringen wollte, für das er tätig war: Der Brite Tim Berners Lee hatte Anfang der 1980er Jahre am Kernforschungszentrum CERN angeheuert. An der europäischen Einrichtung wird physikalische Grundlagenforschung betrieben - und das über Ländergrenzen hinweg, eine davon verläuft sogar mitten durch das CERN-Gelände, das teils auf Schweizer, teils auf französischem Gebiet liegt. 

Tim Berners Lee suchte eine Lösung für ein handfestes Problem, mit dem das CERN sich schon länger herumschlug: Wissenschaftler an verschiedenen Standorten sollten zusammen an Projekten arbeiten, hatten aber von außen keinen Zugriff auf zentral gespeicherte Dokumente. Es müsste doch möglich sein, ein Programm zu entwickeln, dass diese Dokumente auf einem Server speichert und sie für alle zugänglich macht, egal, an welchem Ort sie tätig waren? 

30 Jahre World Wide Web: So hat damals alles begonnen

Vor 30 Jahren, am 12. März 1989, legte Tim Berners Lee den ersten Vorschlag für die Lösung dieses Problems vor: Das World Wide Web oder kurz WWW sollte den Zugriff auf zentral verwaltete Daten über räumliche Grenzen hinweg möglich machen. Die handschriftliche Reaktion eines seiner damaligen Vorgesetzten auf sein Konzept:  „Vage, aber aufregend“.

Für seine Idee vom World Wide Web baute Tim Berners Lee auf einer Erfindung auf, die zu diesem Zeitpunkt bereits 20 Jahre alt war - das Internet. Über weltweit vernetzte Rechner tauschten Wissenschaft und Militär Daten aus.  Heute wird das WWW häufig fälschlich mit dem Internet gleichgesetzt, tatsächlich ist es sein wichtigster Dienst. 

Tim Berners Lee entwickelte das World Wide Web nicht alleine

Tim Berners Lee entwickelte Anfang der 1990 Jahre zusammen mit weiteren Webpionieren wie dem Belgier Robert Cailliau die entscheidenden Komponenten für das WWW: Einen Webserver, auf dem die Daten liegen, einen Browser, der die Inhalte auf jedem Bildschirm eines Computers darstellt, der mit dem Webserver verbunden ist, die Web-Sprache HTML (Hypertext Markup Language), das Kommunikationsprotokoll  HTTP (Hypertext Transfer Protocol) und ein einheitliches Schema, um Webseiten überhaupt adressieren zu können, den Universal Resource Identifier oder kurz URI, dessen häufigste Art heute der URL ist - das L in der Abkürzung steht für "Locator". 

1991 stellte Tim Berners Lee die erste Internetpräsenz ins Netz: info.cern.ch führt bis heute als Homepage auf diverse Unterseiten, die die bewegte Geschichte des World Wide Web erzählen. Heute existieren rund zwei Milliarden Webseiten im WWW, das Tim Berners Lee ursprünglich "Mesh" nennen wollte, was so viel wie "Geflecht" bedeutet.

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30 Jahre World Wide Web: Die Hälfte der Menschheit nutzt es heute

Heute sind fast vier Milliarden Menschen online, mit Hilfe von Satelliten soll es künftig Netz-Zugang für jeden Winkel der Welt geben. „Die Hälfte der Menschheit nutzt dieses Ding nun. Man muss mal Abstand nehmen, sich das anschauen, und um Netzneutralität, Privatsphäre, die Kontrolle über die eigenen Daten und freie Meinungsäußerung kämpfen“, sagte Tim Berners Lee in Genf.

In einem offenen Brief warnte er zum 30-jährigen Geburtstag seiner bahnbrechenden Idee vor Datenmissbrauch und gezielten Falschinformationen im Web. Es sei verständlich, dass Menschen sich heute fragten, ob das Web eine positive Sache sei. Das Gewinnstreben großer Firmen dürfe nicht auf Kosten von Menschenrechten, Demokratie, wissenschaftlichen Fakten und öffentlicher Sicherheit gehen.

WWW-Erfinder Lee setzt sich für Datenschutz ein

„Aber es wäre defätistisch und einfallslos anzunehmen, dass das Web in seiner heutigen Form in den nächsten 30 Jahren nicht zum Besseren verändert werden kann“, schrieb er. Berners-Lee schlägt mit seiner Stiftung Web Foundation einen Vertrag vor, in dem sich Firmen, Regierungen und Nutzer zu einen offenem Zugang für alle, einem respektvollen Umgang und Datenschutz verpflichten.

Nutzer sollen ihre Daten selbst verwalten und nicht Konzernen wie Facebook oder Google überlassen müssen, findet Berners-Lee. Zu diesem Zweck hat er im Herbst 2018 sein Projekt Solid vorgestellt. Es ist eine Plattform, auf der Nutzer persönliche Informationen in eigenen Speicherbereichen verwalten und entscheiden können, wem sie Zugriff erlauben. Die Menschen wollten Apps, die sie nicht ausschnüffelten, schrieb er seinerzeit. Er könne aber nicht sagen, wann sich eine solche Anwendung durchsetze, meinte Berners-Lee.

mo/dpa

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