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„Days Gone“ im Test: Quicklebendige Untote rocken

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„Days Gone“ im Test: Das Bike ist unser bester Freund in der Zombiecalypse. Auch weil wir damit im Zweifelsfall schnell abhauen können.

Das Thema ist so tot wie die Gegner - Zombies in Videospielen kann eigentlich niemand mehr sehen. Warum der neue Playstation-Exklusivtitel „Days Gone“ trotzdem rockt, erklärt unser Tester.

Immer, wenn Sony einen neuen Exklusivtitel für die Playstation auf den Markt bringt, reiben sich die Spieler genüsslich die Hände. Ob nun Uncharted 4 die Maßstäbe für Zocken auf der Konsole in ungeahnte Höhen treibt oder „God of War“ diese immens hochgelegte Latte noch einmal locker überspringt oder aber „Horizon - Zero Dawn“ quasi im Alleingang beweist, dass sich eine offene Welt und das Erzählen spannender Geschichten doch nicht ausschließen müssen - nahezu sämtliche Titel, die Sony exklusiv für seine Konsole bringt, sind Hits, die in Erinnerung bleiben.

Kein Wunder, dass die Erwartungshaltung an „Days Gone“ immens war. Dabei hatten es die Entwickler von den „Bend“-Studios deutlich schwerer als ihre Kollegen. Denn erstens ist „Days Gone“ ihr erstes wirklich großes Spiel, und dann auch noch eines mit Zombies (die hier Freaker heißen) und einem Motorradrocker als Hauptfigur. Das schreit förmlich nach „Klischee“ und dämpft die Euphorie zumindest anfänglich deutlich.

„Days Gone im Test“: Alles geht schief, was schiefgehen kann

Nur anfänglich, denn sobald man sich mit Deacon St. John auf die Reise durch das erfrischend Videospiel-unverbrauchte Oregon begibt, lösen sich die Bedenken schnell in ein kleines Rauchwölkchen auf. Wir übernehmen die Steuerung des bärbeißigen Rockers Deacon gut zwei Jahre nach der Zombiecalypse. Wie genau es dazu gekommen ist, dass die Welt vor die Hunde gegangen ist, wird zumindest zu Beginn nicht erklärt, sondern stellt sich im Laufe der Geschichte erst nach und nach heraus.

Es ist aber auch ziemlich egal, denn zum Nachdenken bleibt uns ohnehin nicht viel Zeit. Statt dessen machen wir gleich zu Beginn Jagd auf einen gesuchten Mörder. Und natürlich geht alles schief, was so schiefgehen kann. Wenig später stehen wir ohne unser geliebtes Bike und mit unserem schwerverletzen Kumpel Boozer mitten im Nirgendwo und müssen schauen, wie wir zurecht kommen.

„Days Gone im Test“: Echte Menschen statt Abziehbilder

Der Auftakt einer Geschichte, die vielleicht keinen Originalitätspreis gewinnen wird, aber dafür sehr gekonnt in teils langen Zwischensequenzen erzählt wird, und mit einem besonderen Trumpf aufwarten kann. Entgegen der Annahme, sind die einzelnen Figuren, die uns im Laufe des Spiels begegnen, und unser Deacon selbst eben keine videospieltypischen Abziehbilder, sondern echte Menschen mit Vorgeschichten, Traumata, mit guten und schlechten Seiten. Menschen, die einem beileibe nicht alle ans Herz wachsen, deren Motivation aber immer nachvollziehbar ist.

Vor allem, weil sie alle genau wie wir permanent ums Überleben kämpfen. Die Welt, wie wir sie kennen, ist Geschichte, Ressourcen wie Nahrung, Benzin und Munition sind knapp und kostbar. Das bauen die Entwickler geschickt ins Spiel ein. Wir haben ein permanentes Gefühl der Bedrohung, müssen peinlich genau darauf achten, unser Bike bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufzutanken und zu reparieren, sammeln jedes Material und jede Patrone ein. Für den Fall der Fälle. Den Fall, der hinter jeder Ecke lauern kann.

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Denn die Welt in „Days Gone“ ist gegen uns. Da sind Wildtiere, die in uns nur eine schick verpackte Mahlzeit sehen, da sind religiöse Fanatiker, die uns nur zu gern mit dem Bunsenbrenner bearbeiten würden, um uns davon zu überzeugen, dass sie richtig liegen. Und da sind die Freaker, die heimlichen Stars des Spiels. Sie lauern überall im Spiel. Tagsüber ein paar weniger, nachts in Massen. Besonders viele in verseuchten Arealen. Wenn man - gerade zu Beginn des Spiels - zufällig in einen solchen Bereich stolpert, kann man sich gedanklich schon einmal mit dem Laden des letzen Spielstands anfreunden. Denn die Freaker kommen an manchen Stellen in Massen vor. Bis zu 500 Mitglieder kann eine solche Horde haben, die sich mit beängstigender Geschwindigkeit und Konsequenz auf den Spieler stürzt. Mit den langsam schlurfenden Zielscheiben anderer Spiele haben die Freaker in „Days Gone“ absolut nichts gemein.

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Erst viel später, wenn unsere Waffen und Ausrüstung deutlich besser sind als zu Anfang, kann man daran gehen, die Horden auszurotten, um die Umgegend ein bisschen sicherer zu machen. Aber auch dann sind die Kämpfe gegen die wilden Scharen eine wirkliche Herausforderung, die Taktik, Planung und viel Sprengstoff erfordert.

„Days Gone im Test“: Abwechslungsreiche, schöne Spielwelt

Man ahnt es bereits: „Days Gone“ ist nichts für schwache Gemüter und darf vollkommen zurecht nur von Erwachsenen erworben und gespielt werden. Denn die Darstellung der allgegenwärtigen Gewalt im Spiel ist drastisch.

Apropos Darstellung: „Days Gone“ sieht auf der PS4 Pro wirklich verdammt gut aus. Nicht ganz so hübsch wie die eingangs erwähnten Vorzeige-Titel „Uncharted“, „God of War“ oder „Horizon - Zero Dawn“, aber sehr schick. Oregon mit seinen Wäldern, Seen, Wüstengegenden und schneebedeckten Bergen, mit seinem ständig wechselndem Wetter und den menschenleeren Siedlungen ist unglaublich stimmig und macht immer wieder Lust darauf, noch mehr zu entdecken. 

„Days Gone im Test“: Fazit

Zombies hin, Motorradrocker her - wer „Days Gone“ nicht spielt, hat etwas verpasst. Nur wenige Spiele schaffen es, eine Geschichte mit so glaubwürdigen Charakteren zu erzählen. Nur wenige Spiele schaffen es, ein so greifbares Gefühl permanenter Bedrohung zu kreieren. Ein Debüt des Entwicklerstudios „Bend“, dass sich hinter den superben anderen Playstation-Exklusivtiteln nicht verstecken muss.

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