Dreiste Abzocke in neuer Verkleidung

Bad Aibling/Landkreis  - Eine regelrechte Flut von Betrugs-E-Mails schwappt derzeit über Bayern. Eine Masche: Mittels Anwalts-Brief werden Leute aufgefordert, 146,95 Euro zu zahlen.

Sonst drohe ein Rechtsstreit. Grund: Die Empfänger sollen illegal Musik und Filme heruntergeladen haben. Doch der Brief ist eine Fälschung. Die Polizei warnt vor den dubiosen Schriftstücken.

Die Forderung in den Mails ist simpel: Wenn man im Rahmen einer "außergerichtlichen einvernehmlichen Einigung" ein "einmaliges Vergleichsangebot" von 146,95 Euro binnen einer Woche zahlt, kommt man um die Schadensersatzforderungen bei einem Gegenstandswert von 10000 Euro herum. Ansonsten würde man wegen Urheberrechtsverletzung vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden.

Die E-Mails sind von einem Anwalt namens Dr. Klaus Kroner versandt. Sie tragen den Briefkopf einer Münchner Rechtsanwaltskanzlei. Darin heißt es - detailliert aufgelistet mit IP-Adresse und Uhrzeit der vermeintlichen Downloads auf dem inzwischen geschlossenen Portal "Megaupload" -, dass der Anwalt Film- und Musikfirmen wie Universal Music, DreamWorks oder Paramount Pictures vertritt.

Doch weder die Münchner Rechtsanwaltskammer noch die Bundesrechtsanwaltskammer kennen einen Dr. Klaus Kroner. Er ist dort nicht registriert. "Hier haben wir es mit einer Abzockmasche zu tun", erklärte Bad Aiblings stellvertretender Polizeichef, Thomas Adami, gegenüber unserer Zeitung. Auch beim Oberbayerischen Volksblatt ging ein derartiges Schreiben auf illegale Downloads ein. Die beschuldigte Redakteurin arbeitet allerdings seit November 2010 nicht mehr bei der Heimatzeitung. Sie soll dennoch 2011 - auf mehrere Monate verteilt - Daten heruntergeladen haben. Die Polizei hat die Ermittlungen gegen den angeblichen Rechtsanwalt aufgenommen. Zwei weitere Fälle wurden bei der Aiblinger Polizei ebenfalls gemeldet. Darüber hinaus hat das Polizeipräsidium Oberbayern Nord eine Warnmeldung herausgegeben. Denn allein bei der Kriminalpolizeiinspektion Ingolstadt sind seit dem Wochenende fünf Fälle bekannt geworden, bei denen Bürger in ihren E-Mail-Postfächern Abmahnungen des selben Anwalts wegen angeblichen Urheberrechtsverletzungen erhalten haben.

"Eine Internetseite der vorgegebenen Anwaltskanzlei wurde bereits vom Domain-Betreiber vom Netz genommen. Zudem wurde das Auslandskonto, an das die Zahlung erfolgen soll, auch gesperrt", so Günter Beck, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Das Vergleichsangebot wäre auf ein slowakisches Konto (IBAN-Nummer SK62) zu überweisen gewesen. Außerdem ist keine Hausbank angegeben, sondern eine Art Zwischen-Finanzdienstleister namens "Lawyer Payment Services". Die Polizei warnt ausdrücklich davor, Zahlungen im Zusammenhang mit diesem Schreiben zu leisten. Andreas Guske vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd in Rosenheim: "Gerade das niedrige Vergleichangebot soll dazu verführen, leichtfertig die geforderte Gebühr zu leisten." Schnell würden die Betrüger so mehrere Hunderttausend Euro abzocken. Prinzipiell müssten derlei Schreiben, wenn sie legal sind, auf dem Postweg die Empfänger erreichen.

Im Polizeipräsidum Oberbayern Süd liegen zwar zahlreiche gleichgelagerte Fälle vor, außer den beiden Aiblingern keine weitere Anzeigen gegen ein Schreiben von Dr. Klaus Kroner. Die Betrug-Mails ziehen immer weitere Kreise: Aus Unterfranken meldet die zuständige Polizei jetzt ebenfalls zwei Anzeigen - aus Aschaffenburg und dem Kreis Haßberge.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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